Die Gefahr eines Euro-Bruchs wächst

Jonathan Loynes, leitender Europa-Volkswirt bei Capital Economics, mahnt in einer Studie, dass die Sparmaßnahmen ins Stocken geraten. Die widerspenstigen Länder würden dadurch auf einen Kollisionskurs mit Deutschland geraten.

Sollte sich die Kluft zwischen den Politikern der einzelnen Euro-Länder weiter ausweiten, dann könnte dies die "Krise in eine neue, noch gefährlichere Phase" führen. Die Märkte könnten negativ reagieren, wenn einzelne Regierungen Abstriche bei zuvor zugesicherten Sparmaßnahmen machen würden - zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Positive Wachstumseffekte durch milde Sparmaßnahmen würden dadurch ausgeglichen werden.

Die zunehmenden Einwände gegenüber Sparmaßnahmen - sogar in Ländern der Euro-Kernzone - haben Loynes zufolge "die Gefahr einer größeren Art des Zusammenbruchs der Eurozone steigen lassen".

Neuerliche Absage an Eurobonds

Diese Entwicklung – Deutschland gegen den Rest – lässt sich auch an der ewigen Diskussion um die Eurobonds ablesen. Der Deutschland-Chef der Ratingagentur Standard & Poor's, Torsten Hinrichs, kann sich nämlich trotz Fiskalpakts weiterhin nicht die Einführung von Gemeinschaftsanleihen der Euro-Länder vorstellen.

"Meine Grundhaltung dazu hat sich nicht geändert. Aus Ratingperspektive würden wir Eurobonds nach dem Weakest-Link-Prinzip bewerten müssen", sagte er in einem Interview mit der Austria Presse Agentur in Frankfurt. "Wenn sie eine Gemeinschaft haben von Garantierenden, die nicht alle AAA sind, dann ist nun mal das schwächste Bindeglied in der Kette die Bonität. Das ist unser Ratingansatz dazu. Das hat sich nicht geändert."

Der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Oliver Blanchard, hatte vergangenen Montag von Deutschland die Unterstützung von Eurobonds gefordert. "Als es noch keinen Fiskalpakt und andere Instrumente zur Haushaltsdisziplin gab, hatten die Deutschen gute Gründe, nicht die Verantwortung für unverantwortliche Budgetbeschlüsse anderer Staaten übernehmen zu wollen", sagte Blanchard. "Nun haben wir den Fiskalpakt. Deshalb sollten die Deutschen akzeptieren, dass sich die Eurozone in Richtung Eurobonds bewegt."

Der S&P-Deutschland-Chef sieht die Lage hingegen etwas anders: Der Fiskalpakt sei "ein Schritt in Richtung einer abgestimmteren Wirtschaftspolitik", aber er sei "immer noch weit entfernt von einer einheitlichen auf die gesamte Eurozone anwendbaren Wirtschaftspolitik". Solange es keine gemeinsame Politik im Bereich Wirtschaft gebe, könne er sich nicht vorstellen, wie Eurobonds funktionieren könnten. Die großen Leistungsbilanzungleichgewichte in der Eurozone würden einer harmonisierten europäischen Wirtschaftspolitik im Weg stehen. Wenn man bei Eurobonds den "Weakest-Link-Ansatz" vermeiden möchte, "dann hat man gar keine andere Wahl, als eine Vereinheitlichung", erklärte Hinrichs.

Zinstheorie

Die Einführung von Eurobonds würde bedeuten, dass die Mitglieder der Eurozone gemeinsam Anleihen herausgeben. Für Länder wie Griechenland, Portugal und Irland würden dadurch die Zinsen sinken, für Länder wie Österreich und Deutschland hingegen steigen.

Aus weltpolitischer Sicht wäre es für Hinrichs "wünschenswert wenn die Eurozone ihr gemeinsames Gewicht in der Welt heben könnte, um den Euro als Alternative zum Dollar als Weltwährungsreserve zu positionieren und nicht den Chinesen das Feld zu überlassen". Mit Eurobonds könnten "ganz andere Volumina zustande kommen, die viel liquider handelbar wären und damit ein ganz wesentliches Charakteristikum einer Weltwährungsreserve darstellen würde". Dies wäre schon positiv aus europäischer Perspektive zu sehen . "Davon sind wir aber sehr weit entfernt, dass kann ich mir nicht vorstellen", erklärte der S&P-Deutschland-Chef.

Erneut forderte Hinrichs einen stärkeren Fokus auf Wachstumsimpulse in der Eurozone: Der Fiskalpakt adressiere den Aspekt des Sparens und der Haushaltsdisziplin, was durchaus erstrebenswert und richtig sei. Die Rating-Herabstufungen im vergangenen Jänner in der Eurozone - Österreich und Frankreich verloren die Bestnote Triple-A - waren damit begründet, dass zu sehr auf den Fiskalpakt und Sparen fokussiert werde und "Wachstumsimpulse nicht stark genug ausgeprägt" waren. "Das ist genau die Problematik, die wir im Augenblick immer noch sehen", betonte Hinrichs.

Agenturen/hahn

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