"Der Kern der Eurozone ist sehr, sehr stark"

Der Euro und die Art und Weise, wie Europa die Staatsschuldenkrise handhabt, werden zum Teil durch den Wunsch Deutschlands nach einer stärkeren finanziellen und politischen Union vorangetrieben. Das erklärte Jim O’Neill, Chairman von Goldman Sachs Asset Management, in einem Interview mit Bloomberg Radio.

Deutschland sei in die Europäische Union gegangen mit dem Wunsch “nach einer Finanzunion, die über stärkere fiskalische und politische Verbindungen verfügt, als die Vereinbarung eigentlich vorsah”, erklärte er. “Sie nutzen eine Menge dieser Probleme in einigen dieser Club-Med-Länder als eine Entschuldigung - die vielleicht sogar gerechtfertigt ist - dafür, einen festeren Rahmen zu schaffen. Etwas, das mehr nach den Vereinigten Staaten von Europa aussieht.”

Der Plan der Deutschen ist “ziemlich klar”, sagte O’Neill. Für jedes andere Land sei die Frage entscheidend, ob es ein Teil davon sein wolle oder nicht.

Den Kern der Eurozone mit den Ländern Deutschland, Belgien, Frankreich, Niederlande, Luxemburg und Österreich bezeichnete er als “sehr, sehr stark”. Und weiter: “Aber sobald man sich über diese Länder hinaus bewegt, trifft man auf all diese Länder, wo die Fragezeichen langsam auftauchen.”

Fragezeichen werden auch in Italien immer größer

Die Italiener sollten sich durchaus überlegen, die Eurozone zu verlassen. Das erklärte Beppe Grillo, der Chef der Partei “Movimento 5 Stelle”, die sich gegen Sparmaßnahmen wendet. Die zunehmend beliebte Partei war in dieser Woche bei den Kommunalwahlen als drittstärkste Partei in Italien hervorgegangen. “Wir sollten uns dem Thema stellen, es darf kein Tabu sein”, erklärte Grillo, der auch Komiker ist, am Mittwoch in einem Interview mit Bloomberg News. “Der Schuldenberg steigt, die Ausgaben sind nicht unter Kontrolle, Unternehmen machen dicht, die Arbeitskosten steigen, die Gehälter sinken und wir verfügen noch nicht einmal über die Möglichkeit, über unsere Schulden zu verhandeln.”

Grillos Movimento-5-Stelle-Partei wurde erst im Oktober
2009 gegründet. Sie Profitiert von dem steigenden Unmut in dem Land - etwa über Steuererhöhungen, Haushaltskürzungen und die hohe Arbeitslosigkeit.

In Frankreich erhielt die Front National, die sich ebenfalls für einen Euro-Austritt einsetzt, im vergangenen Monat eine Rekord-Stimmenzahl. Und in Griechenland war die Syriza- Partei, die sich gegen die Abmachungen der Rettungsaktion für das Land ausgesprochen hat, die zweitstärkste Kraft bei den Wahlen am Sonntag.

Die italienische Wirtschaft hinkt dem Wachstum im Euroraum insgesamt bereits seit mehr als einem Jahrzehnt hinterher. Italien befindet sich in seiner vierten Rezession, seit der Euro eingeführt wurde. Die Regierung schätzt, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1,2 Prozent schrumpfen wird - und hat Sparmaßnahmen im Volumen von 20 Mrd. Euro eingeleitet.

Der Euro “ist wie eine Schlinge, die sich immer weiter zuzieht, und es gibt noch nicht einmal den Trost, dass die Opfer erbracht werden, um irgendeine Art der Erholung einzuleiten”, sagt Grillo. “Das ist nicht nur ein italienisches Phänomen; man denke nur an die fast 20 Prozent, die Marine Le Pen in Frankreich geholt hat oder die Erfolge der extremen Rechten und Linken in Griechenland.”

In Italien gebe es jedoch keine Neo-Nazis wie in Frankreich und Griechenland, fügte er hinzu. “Unsere Bewegung kann gewalttätige Stimmungen unserer Gesellschaft in eine Partei kanalisieren, die legal und friedlich ist, und in der lauter schöne Menschen und Ideen vertreten sind.”

Bloomberg/hahn

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