AUA: Die Lufthansa verliert die Geduld

Die Verwaltung soll deutlich schrumpfen, Arbeitsplätze werden abgebaut, kündigte Franz bei der Bilanzvorlage in Frankfurt an. Mit der seit Jahren defizitären Tochter Austrian Airlines (AUA) verliert die Lufthansa die Geduld: Wenn die Personalkosten nicht sinken, könnte der Flugbetrieb auf den österreichischen Lufthansa-Regionalflieger Tyrolean überführt werden.

Das AUA-Management ringt seit Monaten mit dem Bordpersonal um neue Tarifverträge - "um das Überleben der AUA zu sichern", wie Franz sagte. "Die Lage ist ernst." Die Piloten etwa erhalten teilweise automatische Gehaltssteigerungen von sieben Prozent im Jahr und eine üppige Pension vom Unternehmen. Diese Arbeitsverträge wollen die Piloten nicht aufgeben. Bis zum 5. April müsse ein Kompromiss her, unterstrich Franz.

Wie sein Plan B genau aussehen könnte, blieb allerdings offen. Einfach wäre die Verlagerung auf Tyrolean nicht, da das Unternehmen mit Sitz in Innsbruck bisher keine Langstreckenflüge durchführt. Auch sind die beiden Airlines unterschiedlich groß: Tyrolean befördert im Jahr 4,3 Millionen Passagiere - AUA 11,3 Millionen. Neben der Peitsche hatte Franz aber auch Zuckerbrot für die Österreicher dabei: Sollten die Bord-Angestellen einlenken und die Sanierung vorankommen, will die Konzernmutter 140 Millionen Euro in ihre 2009 übernommene Tochter pumpen. Die braucht das Geld: 2011 schlug ein Verlust von 62 Millionen Euro zu Buche.

Sanierer Franz

Mit Sanierungen kennt der Franz sich aus. Mitte des vergangenen Jahrzehnts brachte er bereits den schwächelnden Schweizer Lufthansa-Ableger Swiss auf Vordermann - heute eine der Ertragsperlen im Konzern. Mit der Leistung empfahl er sich dem damaligen Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, der Franz zu seinem Nachfolger machte. Seit seinem Amtsantritt Anfang vergangenen Jahres hat Franz aber alle Hände voll zu tun, um den Konzern nach dem Expansionskurs von Mayrhuber wieder ins Lot zu bringen. Ein italienischer Lufthansa-Ableger wurde eingestellt, ebenso wird der Ausstieg aus einem chinesischen Fracht-Joint-Venture vorangetrieben. Größter Schritt war der Verkauf von British Midland (BMI). Nach hohen Verlusten wurde kurz vor Weihnachten der Verkauf von BMI an British Airways beschlossen - die EU-Kommission muss aber noch ihr Okay geben.

Die letzten Verluste der britischen Airline, die die Lufthansa noch verbuchen musste, und die Abschreibung auf den Firmenwert der Tochter kosteten den Konzern 2011 aber noch 285 Millionen Euro - unter dem Strich standen deshalb vergangenes Jahr 13 Millionen Euro ein Nettoverlust. In diesem Jahr soll der operative Gewinn im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich liegen - also zwischen 400 und 600 Millionen Euro. Das wäre abermals ein Rückgang, nachdem dieses Ergebnis 2011 um ein Fünftel auf 820 Millionen Euro gesunken war. Vor allem die Hohe Tankrechnung lastet auf der Lufthansa: 2012 dürften die Kerosinausgaben um 1,2 Milliarden auf 7,5 Milliarden Euro steigen. Insgesamt steht die Lufthansa aber noch viel besser als Rivale Air France, der 2011 einen operativen Verlust von 353 Millionen Euro einflog.

Die Lufthansa unternimmt viel, um dieses Jahr wieder einen Überschuss auszuweisen. So sollen 2012 die Kapazitäten im Passagiergeschäft nur noch um zwei Prozent statt der bislang angepeilten drei Prozent wachsen, erklärte das Unternehmen. Gleichzeitig verordnete sich die Kranich-Airline vor einem Monat ein neues Sparprogramm, mit dem das Ergebnis bis 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro gesteigert werden soll. "Wir müssen bereits sein, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen", sagte Franz. Dabei werde es auch zu einem Personabbau kommen, der möglichst sozialverträglich ausfallen solle.

Die Lufthansa will sich damit für den harten Wettbewerb mit Billigfliegern und expansionshungrigen arabischen Airlines wie Emirates oder dem Air-Berlin-Partner Etihad fit machen. Zudem müssen jede Menge neue Flugzeuge bezahlt werden. In den nächsten sieben Jahren erwartet der Konzern Flugzeugauslieferungen mit einem Listenpreis von 17 Milliarden Euro. Trotz des Nettoverlusts 2011 zahlt die Lufthansa - wie bereits bekannt - aus den Bilanzreserven eine Dividende von 25 (2010: 60) Cent. Der Umsatz kletterte 2011 um rund acht Prozent auf 28,7 Milliarden Euro.

Reuters/hahn

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