Olivier Assayas: Das Gesamtwerk

Olivier Assayas (Bild links), 1955 in Paris geboren, gilt seit drei Jahrzehnten als einer der zentralen Vertreter des europäischen Kinos – als Regisseur und Filmvermittler. Zwischen 11. und 13. 5. ist er bei diversen Filmen und Lectures zu Gast im Österreichischen Filmmuseum.

Schon sein Langfilmdebüt, Désordre (1986, D: Lebenswut), wurde bei der Premiere in Venedig gefeiert, preisgekrönt und nimmt die Themen seines Euvres vorweg: Liebe, Melancholie, Rausch, Gewalt. Gewalt, die in seinem bis dato letzten Werk 'Carlos' (2010), einem Bio-Pic über Top-Terrorist Carlos kulminiert – jener Carlos übrigens, der 1975 die Wiener OPEC-Centrale überfiel, 62 (!) Geiseln nahm und wie durch ein Wunder
mit dem Leben davon kam – Handschlag des damaligen Innenministers Otto Rösch inklusive.

The Sound of Assayas

Eine tragende Rolle im 'modernen', amerikanisch-japanisch inspirierten Teil – Irma Vep, demonlover, Clean – des heterogenen Werkes von Olivier Assayas spielen Sound und Soundtrack, die als vielschichtiger oder direkter Gefühlsvermittler eingesetzt werden. Von der ausgeprägten Liebe zum 'Sound' zeugen nicht zuletzt auch einige der sieben Kurzfilmarbeiten, unter anderem mit Kim Gordon und Thurston Moore von Sonic Youth oder den schrägen Belgiern Tuxedomoon (Einziger Termin: Mo, 14. Mai, 19.00).

Auf der anderen Seite seiner kinematographischen Skala firmieren Arbeiten wie L’Heure d’été (2008, D: Summer Hours), L’Enfant de l’hiver (1989, D: Das Winterkind) oder Paris s’éveilledie (1991, D: Paris erwacht), die für die 'französische Richtung' stehen.

Der Filmvermittler

Assayas war und ist aber auch ein wichtiger Filmvermittler, zwischen 1980 und 1985 Kritiker bei Cahiers du cinéma, veröffentlichte er zudem Bücher über Ingmar Bergmann und Kenneth Anger und publizierte einen autobiographischen Band, den das Filmmuseum jetzt in einer englischen Ausgabe herausgibt.

Außerdem erschienen ist eine längst überfällige, reich illustrierte Monografie in englischer Sprache über Olivier Assayas mit erhellenden Texten von Greil Marcus, Geoffrey O' Brien u.a., ergänzt durch eine Aufstellung von 10 Werken der Filmgeschichte (von Tarkowskij bis Cronenberg), die der französiche Regisseur als Haupteinfluss- und Inspirationsquellen angibt.

(FilmmuseumSynemaPublikationen 16; Wien 2012, 256 Seiten, ca. 200 Abbildungen in Farbe und s/w, 22 Euro).

-Marko Locatin

Infos und Programm: www.filmmuseum.at

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