Interview mit Hansi Hinterseer: „Ans Aufhören denke ich noch nicht!“

Hansi Hinterseer

Hansi Hinterseer

Nachlese zum 60er von Hansi Hinterseer: Im Sommer 2010 interviewten die FORMAT-Redakteure Miriam Koch und Manfred Gram den Schlagerstar Hansi Hinterseer und befragte ihn zu Themen wie Karriere, Erfolg, die Bedeutung von Geld und die Marke „Hansi Hinterseer“. Hinterseer hatte damals kurz davor eine „Fanwanderung“ mit 10.000 Anhängern absolviert.

FORMAT: Herr Hinterseer, wie kam es zu der Idee einer Fanwanderung?
Hansi Hinterseer: Der ursprüngliche Gedanke war, dass ich meinen Fans die Berge und meine Heimat zeigen wollte. Dass sich das so toll entwickelt hat, ist ein Wahnsinn. Die Fans organisieren sich untereinander, es haben sich Fahrgemeinschaften und Freundschaften gebildet. Alle haben wir gemeinsam Spaß am Miteinander in der Natur. Und dass da so viele mitmachen, find ich einfach nur bärig.

FORMAT: Jetzt gehen mit Ihnen 8.000 bis 10.000 Menschen auf den Berg. Sind Sie stolz auf Ihren Erfolg?
Hinterseer: Zahlen sind mir dabei nicht wichtig, das ist was für die Schlagzeilen der Journalisten, die den Erfolg daran messen, wie viele Leute mit mir am Berg wandern gehen. Ich freue mich einfach über jeden Einzelnen, der jedes Jahr aufs Neue den Weg nach Kitzbühel findet und dort eine schöne Zeit hat.

FORMAT: Ihre Musikkarriere ist auch ein wirtschaftlicher Erfolg mit beeindruckenden Zahlen. Warum machen Sie so ein Geheimnis daraus?
Hinterseer: Man muss nicht unbedingt durch die Gegend laufen und herumerzählen, wie viel man verdient, zu diesem Menschenschlag zähle ich mich nicht.

FORMAT: Was bedeutet Ihnen Geld?
Hinterseer: Schau, ich bin dankbar für jeden Tag, an dem ich aufstehen kann und gesund bin. Gesundheit, Zeit und Glücklichsein – das ist Luxus. Und wenn du die innere Balance hast.

FORMAT: Sind Sie ehrgeizig?
Hinterseer: Der Sport hat mich sicher sehr geprägt. Ich würde das aber eher Disziplin nennen. Ich möchte schon den Besuchern bei jedem Konzert mein Bestes geben. Außerdem habe ich ein tolles Team um mich, das mich seit vielen Jahren zuverlässig unterstützt. Hinter der Fanwanderung, dem Kitzbühel Open Air, meinen TV-Shows und Tourneen steckt auch intensive Arbeit. Das würde ich alleine gar nicht leisten können.

FORMAT: Haben Sie eine Idee, wie viele Arbeitsplätze Sie durch Ihre Karriere geschaffen haben? Wird man da nicht von vielen Seiten bedrängt, immer und immer weiterzumachen?
Hinterseer: Natürlich sind mit allen Produktionen, von denen ich ein Teil bin, glücklicherweise auch viele Menschen beschäftigt, das freut mich. Die Entscheidung, ob und wie ich weitermache, beeinflusst das aber nicht stark.

FORMAT: Wollen Sie einmal in Pension gehen, oder gibt es da keinen Plan?
Hinterseer: Nein, ans Aufhören denke ich noch nicht.

FORMAT: Lesen Sie eigentlich die Wirtschaftsseiten einer Zeitung?
Hinterseer: Nein, mein Fokus liegt auf anderen Themen.

FORMAT: Ist Ihnen bewusst, dass Sie selbst auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, eine Marke sind?
Hinterseer: Na ja, ein Wirtschaftsfaktor ist ja letztendlich jeder.


Ich bin, wie ich bin, und verstelle mich nicht.

FORMAT: Gibt es ein Konzept hinter der Marke?
Hinterseer: Ich bin, wie ich bin, und verstelle mich nicht.

FORMAT: Was sind Eigenschaften, die man sowohl im Schlager-Business als auch im Skizirkus braucht?
Hinterseer: Der Skisport hat mir schon irrsinnig viel gebracht, auch in dem, was ich jetzt mache. Ich hatte das alles schon einmal erlebt: Journalisten, Medien, Fans, Hochs und Tiefs und wie man damit umgeht. Das war eine gute Schule, die ich da gehabt habe. Wenn du im Sport eine Topleistung bringst, bist du auch erfolgreich. Ob du sympathisch bist oder nicht – wenn du der Beste bist, kommst du auch an. Aber beim Singen ist das anders. Wenn dich die Leute nicht mögen, kannst du singen wie ein Zeiserl, aber du gewinnst keinen Blumentopf. Egal ob im Showbusiness oder im Sport, auf beiden Gebieten bewegt man sich auf sehr rutschigem Boden. Man muss hier wie dort einen festen Willen, Disziplin und eine gute Kondition haben. Und eine gewisse Lockerheit braucht man.

FORMAT: Sie galten in den 70er-Jahren als Enfant terrible. Wogegen haben Sie eigentlich rebelliert?
Hinterseer: Es gab Probleme mit den Funktionären. Bei den Olympischen Spielen in Innsbruck eskalierte das Ganze dann. Ich war der große Favorit auf eine Goldmedaille, konnte aber die Erwartungen nicht erfüllen. Danach haben mich die Leute ausgebuht und angespuckt. Ihr könnt mich mal, habe ich mir damals gesagt.


Ich mache nur das, von dem ich auch selber überzeugt bin.

FORMAT: Jetzt gelten Sie als Held einer heilen Welt. Tragen Sie heute noch Rebellisches in sich?
Hinterseer: Ich mache nur das, von dem ich auch selber überzeugt bin. Da gehe ich keine Kompromisse ein. Ich rede auch lieber von der „heilenden“ Welt. Ein Sonnenaufgang, ein Sonnenuntergang, die Stille am Berg sind doch etwas Wunderschönes und tun einfach gut. Es ist doch viel schöner, wenn man den Leuten ein bisschen Entspannung schenkt. Danach sehnt sich doch jeder. Außerdem ist es viel schwieriger, die Menschen zum Lachen zu bringen.

FORMAT: Hatten Sie schon einmal das Gefühl, instrumentalisiert zu werden?
Hinterseer: Da wäre man bei mir an der falschen Adresse. Ich habe schon meinen eigenen Kopf. Auch wenn das sicher nicht immer der einfachste Weg ist. Aber so bin ich eben nicht gestrickt.

FORMAT: Wann können Sie stur sein?
Hinterseer: Wenn ich etwas nicht einsehe, für unrecht halte oder von etwas unbedingt überzeugt bin. Dann verwahre ich mich, kämpfe aber genauso nachdrücklich für meine Ideen. Dabei höre ich stark auf mein Bauchgefühl. Damit bin ich bisher im Leben sehr gut gefahren.

FORMAT: Was muss man anstellen, um es sich mit Ihnen zu verscherzen?
Hinterseer: Falsch sein und mich hintergehen. Die Leute, die einem ins Gesicht lachen und hinten herum kommen, die brauch ich nicht.

FORMAT: Dann dürfen wir jetzt direkt sein: Ihre Musik wird auch belächelt. Stört Sie das, dass Sie manche als Künstler nicht so ernst nehmen?
Hinterseer: Ich kann mit Kritik gut umgehen, wenn sie berechtigt ist. Da war der Sport prägend. Ich halte es daher auch mit dem Fairplay. Bei Kritikern muss man doch mal schauen, was diese Menschen im Leben geleistet haben und wo sie stehen. Wenn einer aus der Branche kommt, vom Singen oder vom Sport, dann höre ich gerne zu. Aber jemand, der noch nie selber auf der Bühne, in der Öffentlichkeit gestanden hat oder einen Hang hinunter gefahren ist – das betrifft mich nicht.

FORMAT: Welche Musik hören Sie denn gerne privat?
Hinterseer: Traditionelle Tiroler Musik höre ich am liebsten, gerne auch Country und Soul, die Musik der 70er- und 80er-Jahre und was mir sonst gerade gefällt. Da kann auch schon mal ein Rock-Titel drunter sein.

FORMAT: Klassische Frage: Beatles oder Stones? Beides gilt nicht!
Hinterseer: Warum nicht? Ich sehe das anders. Bei mir ist das stimmungsabhängig, welche Musik mich gerade berührt.

FORMAT: Welche musikalische Ausbildung haben Sie?
Hinterseer: Ich bin als Bub mit der traditionellen Tiroler Volksmusik groß geworden, bei uns daheim, auf der Alm, wurde oft beim gemütlichen Beisammensein aufgespielt und gesungen. Das Spielen auf der Steirischen hat mir der Balthasar Hauser beigebracht. Wir musizieren gern zusammen. Unterricht im eigentlichen Sinne hatte ich nie.

FORMAT: Stichwort Seidlalm. Wie erinnern Sie sich an Ihre Kindheit? Was prägte Sie besonders?
Hinterseer: Meine ganze Kindheit und Jugend war sehr schön. Auf der Seidlalm bin ich mit der Hausmusik und den traditionellen Kitzbüheler Liedern aufgewachsen. Tagsüber war ich im Winter am Hahnenkamm Ski fahren, am Abend war Musik auch immer dabei. Wir hatten auf der Alm nicht viel, waren aber glücklich. Die Berge, die Natur, die Familie, die Traditionen und das Brauchtum, das allein zählt und bedeutet für mich Heimat.

FORMAT: Was war Ihnen bei der Erziehung Ihrer zwei Töchter wichtig?
Hinterseer: Uns war wichtig, dass sie ein gutes Fundament für ihre Zukunft bekommen. Wenn Eltern ein gutes Beispiel geben, werden die Kinder auch gerade wachsen und sich an den vorgelebten Werten orientieren.

FORMAT: Ist das so einfach möglich, im VIP-Ort Kitzbühel von der Szene nicht vereinnahmt zu werden und authentisch zu bleiben?
Hinterseer: Ich mag dieses Star-Gehabe nicht. Man muss ja nicht auf jeder Hochzeit tanzen.

Zur Person

Hansi Hinterseer (geb. 1954) debütierte 1971 im Ski-Weltcup, feierte sechs Weltcupsiege und wurde Vizeweltmeister. 1978 wechselte er ins Profi-Skilager zur US-Tour und wurde dort zweimal Weltmeister. 1993 entdeckte Musikproduzent Jack White seine Bühnenqualitäten. 1994 folgte die erste CD – als Sänger erreichte er öfters Gold.

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