"Ich habe mein Leben selbst in die Hand genommen"

"Ich habe mein Leben selbst in die Hand genommen"

Doris Felber baute ein beachtliches Filialnetz auf. Sie gebar vier Kinder und musste herbe Schicksalsschläge hinnehmen. Doch sie gab nie klein bei. Jetzt feiert sie – und gleichzeitig die Bäckerei – ein rundes Jubiläum: 50 Jahre Felber.

Sie ist ein Perpetuum mobile: Doris Felber, 49, wollte immer etwas bewegen, ist auch selbst ständig in Bewegung. Aufgewachsen in Groß-Enzersdorf als Landwirtstochter, absolvierte sie eine Kaufmannsausbildung, arbeitete zwölf Jahre lang in der Bäckerei Müller & Gartner bei ihrer Tante und ist Mitbegründerin von „Resch & Frisch“. Kraft tankte die damals 30-jährige zweifache Mutter bei Willi Dungl, wo sie ihren dritten Mann, Franz Felber, kennenlernte. Glück oder Schicksal, dass sich zwei aus derselben Zunft trafen.

„Jetzt heißt es Gas geben“, war fortan die Devise. „Wir waren die Ersten nach Ankerbrot, die ein Filialnetz aufbauten“, erzählt Doris Felber stolz. Doch es war noch ein weiter Weg bis zum Großbäcker. Man scheute weder Mühe noch Kosten. Sogar am Tag ihrer Niederkunft mit ihrer Tochter Steffi nahm sie noch einen Termin wahr, um eine Umwidmung für ein Industriegrundstück zu bekommen.

Mittlerweile ist Felberbrot mit 45 Filialen, 500 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 25 Millionen Euro nach Anker, Ströck und Mann die Nummer vier in Wien. Die erste Filiale wurde 1962 in Wien-Ottakring eröffnet. Die Jubiläumsfeier findet am 31. Mai im Arkadenhof des Wiener Rathauses unter dem Motto „Brot & Wein“ statt. „Schickimicki-Essen“ ist Felber nämlich ein Gräuel.

Obwohl Wien ein großes Dorf ist, wissen nur wenige, dass auch Doris Felbers 50er ansteht. So wollte die Jubilarin ihren Ehrentag keineswegs an die große Glocke hängen, sondern „einfach nur mit vielen Menschen feiern“ – den nächsten Runden wolle sie nämlich „nur mehr im Kreise von Freundinnen begehen“. Warum die Wahl auf das Rathaus fiel? Das Mädel aus Groß-Enzersdorf ist ein echter „Wien-Fan“ geworden. Außerdem hatte sie einst den kindlichen Wunsch, Bürgermeisterin zu werden.

Harte Schicksalsschläge

Felber hat aber auch als Bäckerin viel für die Stadt und ihre Bürger getan, was ihr den Titel Kommerzialrat eingebracht hat. Obwohl sie viele Erfolge feierte, war ihr Lebensweg nicht immer von Rosen gesäumt. Erst verunfallte ihr ältester Sohn Florian, 26, im Alter von 21 Jahren und blieb in der Folge querschnittgelähmt. „Du verweigerst dich, weil du es nicht wahrhaben möchtest, und denkst, der Florian muss doch aufstehen und gehen“, beschreibt sie ihre Ohnmacht nach dem Unglück. Drei Jahre danach platzte bei Doris Felber ein Aneurysma im Kopf; danach war sie halbseitig gelähmt und blieb für Monate außer Gefecht gesetzt. Die Diagnose der Ärzte: „Sie werden ein Pflegefall bleiben.“ Aber Felber gab nicht auf: „Ich habe mein Leben selbst in die Hand genommen, habe jede Therapie genutzt, bis ich wiederhergestellt war.“

Heute ist sie beinahe dankbar, dass ihr Körper ihr ein Signal gab und ihr bewusst wurde: „In diesem Tempo geht es nicht weiter.“ Nach der Traditionellen Chinesischen Medizin ist Felber dem Feuer zugeordnet: „Und wenn ich dieses Feuer nicht niedrig halte, bekomme ich rasch hohen Blutdruck.“ Heute geht Doris Felber einmal die Woche zur Ayurvedabehandlung, um sich zu entspannen. Sie geht walken, und am Wochenende genießt sie die Gemeinsamkeit mit ihrer Familie. „Ich koche leidenschaftlich gerne – vor allem gute, alte Wiener Rezepte.“

Auch unter der Woche zelebriert sie mit ihren Lieben das Frühstück. Da gibt es frische Weckerln vom Bäcker und warmen Plunder. Die Einkäufe erledigt ihr Mann Franz, der sich aus dem operativen Geschäft weitgehend zurückgezogen hat und sich nun dem Studium der Philosophie widmet. „Dieser Abstand hat auch unserer Ehe gutgetan“, ist sich Doris Felber sicher. Freilich hilft ihr Mann gerne im Betrieb mit und bringt sich mit guten Ideen ein – die Geschicke des Unternehmens liegen jedoch in ihrer Hand. Nebenbei managt sie noch die zwei minderjährigen Kinder Josef, 10, und Steffi, 12. Florian, der Älteste, arbeitet mittlerweile bei Echo Media. Und Sebastian, 25, bringt sein Know-how bereits in den elterlichen Betrieb ein.

Hofübergabe und Arbeiten bis 70

Aber auch die Kleinen haben schon ihre Pläne. Steffi besucht die Amerikanische Schule, und Nesthäkchen Josef will einmal den Betrieb übernehmen. „Die Chance will ich ihm gerne ermöglichen, dann arbeite ich eben, bis ich siebzig bin, und übergebe, wenn er so weit ist“, sagt Powerfrau Doris Felber, bevor sie zum nächsten Termin eilt.

- Gabriela Schnabel

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