"Wir haben eines Tages vielleicht eine Luxusmarke"

"Wir haben eines Tages vielleicht eine Luxusmarke"

Zugleich soll mit einem vermehrten Fokus auf die lukrativen Schwellenländer die Abhängigkeit vom schrumpfenden Heimatmarkt in Europa reduziert werden.

Neben der seit vielen Jahren schlummernden Renault- Sportwagenmarke Alpine soll eine komplett neu geborene Luxusmarke einen Erfolg in der automobilen Oberklasse landen, wie der bei Renault für das operative Geschäft zuständige Spitzenmanager Carlos Tavares (Bild) jetzt in einem Gespräch mit Bloomberg in Boulogne-Billancourt vor den Toren von Paris sagte.

“Wettbewerbsfähig müssen Autohersteller heutzutage überall in der Welt sein”, sagte Tavares, “und deshalb wollen wir von unseren bisherigen Fokus in Europa zu einem weltweit agierenden Konzern werden”. Mit Hilfe der zusätzlichen Tochtermarken will der Autohersteller mit seiner 113-jährigen Tradition den Absatzrückgang in Westeuropa ausgleichen, wo Renault im Jahre 2011 etwa 65 Prozent vom Umsatz erzielte.

Insgesamt wird der gesättigte europäische Automarkt im laufenden Jahr um weitere sieben Prozent schrumpfen und damit das fünfte Jahr in Folge, wie die Branchenvereinigung ACEA in diesem Monat einschätzte. Vor allem die Sorgen um eine Ausweitung der Schuldenkrise halten Europäer derzeit offenbar vermehrt vom Autokauf ab. Mit einem Minus von 19 Prozent war Renault bei den europäischen Auslieferungen laut der ACEA in den ersten fünf Monaten des Jahres noch erheblich unter dem Gesamtschnitt von minus 7,3 Prozent.

Die von Tavares erwähnten Pläne würden den Traditionskonzern Renault auf insgesamt vier Marken erweitern. So bedient die rumänische Tochter Dacia erfolgreich das untere Marktsegment mit einem Fokus auf betont preiswerten Alltagsautos, und die Kernmarke Renault fertigt für den Massenmarkt höherwertige Angebote in vielen Klassen. Die vor allem in den sechziger und siebziger Jahren aktive Nischenmarke Alpine würde sich wieder dem Bau von Sportwagen widmen, und die komplett neue Marke namens Initiale Paris soll endlich für Renault im Luxussegment stechen. Derzeit ist Renault hier nicht vertreten und bietet als bislang teuerstes Angebot die Großraumlimousine Espace zum Basispreis von 35.100 Euro an.

“Wir haben eines Tages vielleicht eine Luxusmarke”, sagte Tavares. Sinnvoll sei das insbesondere für die Gewinne, sagte er, und verwies auf den Volkswagen-Konzern und die Bedeutung der erfolgreichen Luxustochter Audi für die gesamte Markengruppe bei Volkswagen. Der VW-Konzern verlor von Januar bis Ende Mai nur sehr geringe 1,9 Prozent und die Auslieferungen von Audi in Europa legten gar um 4,2 Prozent zu. Der Marktanteil des Volkswagen-Konzerns in Europa stieg gar von 22,8 auf 24,1 Prozent.

Europaweit kämpfen die Massenhersteller mit Überkapazitäten und wollen daher außerhalb ihres Heimatmarktes stärker wachsen.
General Motors hatte zuletzt die Schließung des Bochumer Opelwerks ins Spiel gebracht und Fiat hatte bereits Ende letzten Jahres ein Werk in Italien geschlossen. “Alle Blicke in Europa sind auf Volkswagen gerichtet”, sagte Analyst Mike Tyndall von Barclays in London. Die Frage für Renault sei, wie glaubwürdig ein Angebot im Luxussegment sei.

Große Vergangenheit

An einer großen Vergangenheit mangelt es Alpine nicht. Gegründet in den 1950er Jahren, kam mit den Modellen Berlinette und A110 spätestens 1962 der Erfolg im Sportwagenmarkt. Ab Mitte des Jahrzehnts wurden die Fahrzeuge über Renault-Händler vertrieben und in den frühen 1970er Jahren übernahm Renault die Mehrheit.

Die bislang letzten Alpine-Sportwagen wurden im Jahre 1995 gefertigt. “Eine Sportwagentochter wie Alpine zu beleben käme einer echten Strategieänderung gleich”, sagte Analyst Carlos da Silva von IHS Automotive in Paris. Renault habe eine solche Option bislang stets als zu kostspielig eingeschätzt. Für Tavares sei es der erste mutige strategische Schritt.

Laut Tavares spricht Renault derzeit mit potentiellen Partnern über die Wiederbelebung der Marke. Renault hat derzeit zwei wichtige Allianzen - die mit Nissan seit 1999 und eine weitere mit der Daimler AG, die erst 2010 eingefädelt wurde. Die Nissan-Edeltochter Infiniti kann laut dem COO überdies als Modell für die angedachte Marke Initiale Paris gelten. Der Ableger entstand im Jahre 1989 für besonders edle Exportmodelle von Nissan in den USA und wurde seitdem als zunehmend eigenständige Luxusmarke weiter entwickelt.

Renault will sich überdies besser in Schwellenländern aufstellen. Die Allianz Renault-Nissan will nach der Teilübernahme der Mehrheit am Lada-Hersteller OAO AvtoVAZ den Marktanteil in Russland bis 2015 auf 40 Prozent steigern. “Wir wollen mit starken Gewinnen beim Marktanteil außerhalb von Europa überraschen”, sagte Tavares. In Europa sei der Anspruch, dem Kunden zu den Angeboten von Volkswagen Alternativen von Renault gegenüberzustellen.

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