Tausende Opelaner sollen in Zwangspause gehen

Tausende Opelaner sollen in Zwangspause gehen

Opel will wegen des Absatzeinbruchs Tausende Beschäftigte in Zwangspause schicken. Die Geschäftsleitung verhandele derzeit mit dem Betriebsrat und der IG Metall über Kurzarbeit und Arbeitszeitverkürzungen, sagte ein Sprecher am Donnerstag.

Ein Ergebnis der Verhandlungen sei kurzfristig zu erwarten. Es gehe um das Stammwerk in Rüsselsheim mit fast 14.000 Beschäftigten, wo das Topmodell Insignia und der kompakte Astra vom Band laufen. Aus Arbeitnehmerkreisen verlautete, auch das Komponentenwerk in Kaiserlautern mit 2500 Mitarbeitern sei betroffen.

Die Zahl der Beschäftigten, für die Kurzarbeit gelten soll, nannte Opel nicht. Allerdings ist davon auszugehen, dass mehrere tausend Opelaner davon betroffen sein werden. Ein ranghoher Arbeitnehmervertreter sagte, in den Verhandlungen gehe es um die Beschäftigten aller Bereiche in Rüsselsheim, also auch der Verwaltung und des Entwicklungszentrums. Betriebsrat und IG Metall äußerten sich nicht. Eine V oraussetzung für Kurzarbeitergeld ist, dass mindestens ein Drittel der Arbeitnehmer in einem Betrieb durch eine Auftragsflaute Einkommenseinbußen von jeweils mehr als zehn Prozent ihres monatlichen Bruttogehalts haben.

In der Produktion in Rüsselsheim arbeiten 3500 Menschen. Vor allem für viele von ihnen dürfte Opel Kurzarbeit anmelden wollen. Weitere 7000 arbeiten im Entwicklungszentrum und in den Designabteilungen von Opel in Rüsselsheim. Unklar sei noch, wie die Arbeitszeit in der Verwaltung reduziert werden könne, sagte der Sprecher. Die angeschlagene GM-Tochter hatte den Produktionsrückgang bisher durch Arbeitszeitkonten aufgefangen. Diese Möglichkeiten seien nun ausgeschöpft, hieß es.

Unausgelastet

Opel leidet besonders unter der Absatzkrise in Europa und kann die Produktion kaum noch auslasten. Dadurch drohen die Kosten das Unternehmen zu erdrücken. Auf den Höfen reihen sich unverkaufte Autos auf, wodurch enorme Summen an Kapital gebunden sind. Der Europa-Absatz von Opel/Vauxhall schrumpfte im ersten Halbjahr um 15 Prozent auf 457.630 Fahrzeuge. Der Marktanteil fiel unter die Marke von sieben Prozent und liegt damit weit entfernt von dem Niveau, das Opel vor vielen Jahren hatte, als man mit einem Anteil von 20 Prozent VW noch die Stirn bieten konnte.

Im zweiten Quartal fuhr die GM-Europa-Tochter 361 Millionen Euro Verlust ein - der US-Autokonzern hat in den vergangenen zehn Jahren in Europa insgesamt 14 Milliarden Dollar verloren. Seit Jahrzehnten wird der traditionsreiche Autobauer Opel nun schon saniert, die Debatte um Werksschließungen kocht dabei immer wieder hoch. Genannt wird immer wieder die Fabrik in Bochum.

Das Werk in der Ruhrgebietsstadt hat derzeit gut zu tun, weil der Familienwagen Zafira gefragt ist. Die Schließung könnte drohen, wenn das aktuelle Modell 2016 ausläuft. Auch in Eisenach, wo der Corsa vom Band läuft, plant Opel derzeit keine Kurzarbeit. Dort wird zudem die Produktion des neuen Stadtwagens Adam vorbereitet.

Kontakt zur Arbeitsagentur

Opel hat bereits Kontakt zur Arbeitsagentur in Darmstadt aufgenommen. Ein erstes Gespräch habe schon im Juli stattgefunden. Dabei sei es um Grundsatzfragen gegangen, sagte eine Sprecherin. Am Donnerstag wurden die Gespräche fortgesetzt. Über Fragen zur technischen Abwicklung und des Antragsverfahrens sei man noch nicht hinausgekommen. Konkrete Vereinbarungen seien bisher nicht getroffen worden, hieß es.

Kurzarbeitergeld kann verschiedene Gründe haben: Opel dürfte auf das konjunkturelle Kurzarbeitergeld zielen, das gezahlt wird, wenn ein Unternehmen als Folge einer Auftragsflaute die Belegschaft nicht mehr auslasten kann.

Die Kurzarbeit ist allerdings weit von den Höchstständen der Jahre 2008/2009 entfernt. Damals schwoll die Zahl der Beschäftigten mit Zwangspausen in der Konjunkturkrise auf gut 1,4 Millionen an. Derzeit sind es nach Hochrechnungen der BA gut 80.000, eine seit einigen Monaten kaum gestiegene Zahl. Allein die Metallindustrie, zu denen die Autobauer gehören, zählt nach Angaben des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall immer noch über 40.000 Kurzarbeiter.

Wegen schwacher Nachfrage schickt der größte deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp seit Anfang August Beschäftigte in Kurzarbeit. Auch wenn Opel nun hinzukommt, steckt dahinter nach Einschätzung der deutschen Industrie (BDI) noch kein Trend. "Ich glaube, das sind Einzelfälle", sagte der Vorsitzende des BDI/BDA-Mittelstandsausschusses, Arndt Kirchhoff. Die Stimmung in der Industrie und das Wirtschaftswachstum in Deutschland seien trotz der jüngsten Abschwächung stabil.

Der Mitsubishi I-MIEV steht als Elektroauto-Pioneer drei Jahre nach dem Start unter Beschuss.

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