General Motors: Opel bleibt Milliardengrab

General Motors: Opel bleibt Milliardengrab

Das GM-Europageschäft mit den Marken Opel und Vauxhall ist der Hauptverantwortliche dafür, dass der Betriebsgewinn des US-Autobauers im zweiten Quartal um fast ein Drittel auf 2,1 Milliarden Dollar einbrach.

Mit einem Fehlbetrag von 361 Millionen Euro schrieb die europäische Tochter den vierten Quartalsverlust in Folge. Da GM auch auf dem Heimatmarkt schwächelt und Marktanteile an den Rivalen Toyota verliert, steigt für den US-Konzern der Druck, die Verluste in Europa einzudämmen. Experten erwarten daher, dass GM nun stärker auf Werksschließungen dringen wird.

"Das ist eine Größenordnung, bei der man sich fragen muss, wie lange GM das noch tragen kann", sagte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach mit Blick die andauernden Verluste von Opel. "Ich halte tiefe Einschnitte für nötig." GM müsse mit Werksschließungen in Europa einen "Neuanfang" machen. "Alle Finger zeigen auf Bochum", fügte der Autoexperte hinzu. Die Fabrik im Ruhrgebiet gilt schon seit längerem als gefährdet. Der von GM kürzlich geschasste Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke hatte Bochum nach 2016 schließen wollen, wenn dort die Produktion des aktuellen Familienvans Zafira ausläuft. GM hatte Stracke entbunden, weil der Konzernführung die Sanierung nicht schnell genug voranschritt.

Bratzel sagte, GM müsse aus der Defensive, in die der Konzern geraten sei, weil er ständig neue Verluste im Europageschäft erklären müsse. "Sonst kommt Opel nicht von seinem Verliererimage weg." Die Tochter leidet besonders stark unter der Krise in Südeuropa und kann die Verkaufseinbrüche nicht durch Lieferungen in Märkte wie China ausgleichen.

Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug wollte sich angesichts der Zick-Zack-Kurses der Konzernführung in den vergangenen Monaten nicht festlegen. "Es bleibt bei dem, was vom Aufsichtsrat beschlossen wurde", schrieb er Reuters in einer Mail auf die Frage, ob nun Werksschließungen wahrscheinlicher würden. "Wie sollte ein teure Werksschließung denn helfen?" Der Aufsichtsrat hatte erst Mitte Juni beschlossen, mit den Arbeitnehmern über eine Verlängerung der Kündigungsausschlusses für alle Werke bis Ende 2016 zu verhandeln. Danach sollte Bochum keine neue Produktionszusage erhalten.

Opel kostet GM ein Vermögen

Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky, der auch Chefstratege von GM ist, dringt angesichts der neuen Verluste auf Sanierungsfortschritte. "Wir sind nicht schnell genug gewesen", erklärte er am Donnerstag bei der Vorlage der Quartalszahlen. Zuletzt hatte GM Europe vor einem Jahr einen Gewinn bei der Konzernmutter in Detroit abgeliefert. Danach machte die Absatzkrise in den Schuldenstaaten dem Management einen Strich durch die Rechnung, Opel 2011 in die Gewinne zu führen. In den vergangenen zehn Jahren hat GM in Europa bereits 14 Milliarden Dollar verloren. Wenn man die Verluste der beiden ersten Quartale 2012 hochrechnet, könnte in diesem Jahr die 15. Milliarde hinzukommen.

Girsky bekräftigte, GM halte an seinem Sanierungsplan für Opel fest. Den hatte der Aufsichtsrat erst jüngst - damals noch im Beisein von Stracke - verabschiedet. Der Plan umfasse Kostensenkungen, Absatzsteigerungen, höhere Gewinnmargen und Bürokratieabbau, erklärte Girsky.

GM insgesamt übertraf aber im zweiten Quartal mit seinem Gewinn die Erwartungen der Wall Street. Analysten hatten noch schlechteres abschneiden von Opel befürchtet. Anleger reagierten erleichtert, die Aktie stieg um ein Prozent.

Konzernweit sank der Nettogewinn auf 1,5 Milliarden Dollar, nach 2,5 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz ging auch wegen der Stärke des Dollars auf 37,6 Milliarden Dollar zurück. Im Frühjahr 2011 betrugen die Erlöse noch 39,4 Milliarden Dollar.

Konzernchef Dan Akerson erklärte, das Unternehmen müsse sich anstrengen, um widrige Bedingungen wie in Europa und Südamerika auszugleichen. Ähnlich äußerte sich Finanzchef Dan Ammann. Er wagte keine Vorhersage, wann GM Europe wieder schwarze Zahlen schreiben könnte. Den letzten Betriebsgewinn hatte die Europatochter vor einem Jahr ausgewiesen.

GM musste im ersten Halbjahr den Titel als größter Autohersteller der Welt wieder an Toyota abgeben. Der japanische Konzern erholte sich vergleichsweise schnell vom schweren Erdbeben in seinem Heimatland im vergangenen Jahr und verkaufte in den ersten sechs Monaten 4,97 Millionen Fahrzeuge. GM kam auf 4,67 Millionen - dicht gefolgt von Volkswagen mit 4,64 Millionen. Die Wolfsburger betonen immer wieder, bis 2018 der weltgrößte Autobauer werden zu wollen.

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