Geldschlucker Automobil - So viel kostet Ihr Auto wirklich

Tanken wird immer teurer. Doch was kostet das Auto jetzt wirklich pro Monat? FORMAT und ÖAMTC überprüften 4.442 Modelle und geben Tipps, wie man günstiger unterwegs sein kann.

Die hohen Treibstoffpreise bringen die Autofahrer auf die Palme. Und der Zorn ist berechtigt. Zwischen Anfang 2008 und April 2012 hat sich ein Liter Superbenzin um 28 Prozent verteuert. Wer einen Diesel fährt, muss laut ÖAMTC pro Liter um 22 Prozent mehr zahlen als damals. Die paradiesischen Zeiten von Anfang Jänner 2009, als beide Treibstoffarten noch unter 90 Cent zu haben waren, werden wohl für immer bloße Erinnerung bleiben (siehe Grafik) . Die Spritpreis-Diskussion ist für FORMAT und ÖAMTC der Anlass zu einer umfangreichen Erhebung, wie sehr der teure Treibstoff wirklich zu Buche schlägt und welchen Anteil er an den Gesamtkosten eines Autos erreicht.

FORMAT zeigt, wie groß der Unterschied zwischen Benzinern und Dieselfahrzeugen ist, wie man beim Autofahren am meisten sparen kann und welche Alternativen die Fortbewegung per Automobil obsolet machen können. Mit Unterstützung des Autofahrerklubs ÖAMTC wurden die monatlichen Gesamtkosten von 4.442 in Österreich erhältlichen Neuwagen ermittelt. SUVs fehlen, weil der ÖAMTC die Zahlen für diese Fahrzeugart nicht ermittelt. Die Berechnung basiert auf den Kosten für einen Neuwagen, der über fünf Jahre hinweg 12.000 Kilometer im Jahr gefahren wird.

Eines vorweg: Am Spritdurst der Fahrzeuge liegt es nicht, dass Autofahren zum teuren Vergnügen wurde. In der Praxis ist trotz steigender Leistung genau das Gegenteil der Fall. Zwischen 2002 und 2012 hat sich der durchschnittliche Verbrauch aller in Deutschland erhältlichen Pkw im Schnitt von 8,4 auf 7,6 Liter je 100 Kilometer Fahrleistung verringert. Nachdem am heimischen Markt die gleichen Fahrzeuganbieter um Kunden rittern, kann das erfreuliche Ergebnis 1:1 auf Österreich umgelegt werden. Dass Spritfresser immer seltener werden, zeigt auch der Vergleich gängiger Modelle, die seit Jahren über inländische Straßen rollen. So gelang es laut Fuhrpark-Dienstleister LeasePlan den Ingenieuren des französischen Herstellers Citroën, den Verbrauch der Dieselvariante des Modells Citroën C5 seit 2006 um 13,5 Prozent zu reduzieren. Ähnlich erfolgreich tüftelt auch der deutsche Autobauer Volkswagen an seinen Motoren - der Verbrauch des VW Passat sank in den vergangenen fünf Jahren um 8,2 Prozent siehe Grafik .

Thomas Stix, Leiter Technik-Info des ÖAMTC: "Diese Einsparungen konnten aber den starken Anstieg des Benzinpreises nicht wettmachen.“ Das belegt etwa das Beispiel des populären VW Golf Rabbit 1,4. Während im Jahr 2010 der Anteil der Benzinkosten an den gesamten Aufwendungen noch bei 18,4 Prozent lag, ist er auf aktuell 21,8 Prozent gestiegen. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Autofahrer sind die Profiteure der harten Konkurrenz am Versicherungsmarkt. Die Prämien sind im Schnitt zum Teil deutlich gesunken. Das zeigt wiederum das Beispiel des VW Golf, bei dem jetzt anteilig nur noch 16,8 Prozent für die Haftpflicht-Prämie zu Buche schlagen. 2010 lag die Portion an den Gesamtkosten noch bei 20,1 Prozent.

Wertverlust entscheidend

Während Treibstoffverbrauch und -preis laufend als Ursache allen Übels der Autofahrer bezichtigt werden, liegt das wahre Sparpotenzial ganz woanders. ÖAMTC-Experte Stix: "Der größte Brocken ist zweifelsfrei der Wertverlust, der vom Kaufpreis abhängt. Dem ist beizukommen, indem anstelle eines Neuwagens ein günstigerer Vorführ- oder Jahreswagen gekauft oder auf unnötige Extras verzichtet wird.“

Wer dennoch zum Neuwagen tendiert, muss je nach Fahrzeuggröße und Preis teils herbe Wertverluste wegstecken können. So verringert sich der Wert eines Mercedes-Benz CL 500 Blue Efficiency Automatik um 1.782 Euro pro Monat. Kein Wunder, ist doch die Luxuskarosse, die zu einem Kaufpreis von 149.900 Euro zu haben ist, mit monatlichen Gesamtkosten von 2.735 Euro das teuerste Auto im ÖAMTC-Vergleich.

Dass Bescheidenheit beim Autofahren eine Zier sein kann, zeigt dagegen der Sparefroh auf Österreichs Straßen, der Suzuki Alto 1,0 GA, mit monatlichen Gesamtkosten von 322 Euro. Laut ÖAMTC-Berechnungen entfallen davon exakt 100 Euro auf den Wertverlust. Auch im relativen Vergleich schneidet also der Nobel-Mercedes mit 65 Prozent Anteil des Wertverlusts an den monatlichen Gesamtkosten um Welten schlechter ab als der Suzuki-Flitzer, bei dem weniger als ein Drittel der monatlichen Aufwendungen für den Wertverfall draufgehen. Stefan Haendschke, Experte der Deutschen Energie-Agentur dena: "Sparen beim Fahren fängt schon beim Autokauf an. Man sollte sich genau überlegen, welches Auto der persönlichen Nutzung entspricht. Als reines Stadtfahrzeug reicht oft ein Kompakt- oder Kleinwagen. Wer viel Platz für die Familie benötigt, für den ist ein Kombi besser als ein schwerer SUV.“

Für alle Autos gilt gleichermaßen, dass es Sparpotenziale gibt, die häufig ignoriert werden. Auch wenn es profan klingt: Bereits das Ausschalten der Klimaanlage und des Gebläses reduziert den Kraftstoffverbrauch um einen Liter auf 100 Kilometer (siehe " Wie Sie die Spritkosten senken ").

Ganz ohne Klimaanlage und besonders kostengünstig kommen Fahrer per Leichtmotorrad davon. Dass die wendigen Fahrzeuge immer beliebter werden, belegen die Zulassungszahlen. Im Vorjahr kamen mit über 13.000 neuen Vehikeln um 18 Prozent mehr Kleinmotorräder auf die Straßen als 2010. Der Trend hat sich auch Anfang 2012 mit plus sieben Prozent fortgesetzt.

Stehzeug oder Fahrzeug?

Laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) rollen Autos im Schnitt pro Tag nur eine Stunde über die Straßen. VCÖ-Experte Markus Gansterer: "Die restliche Zeit verstellen die Fahrzeuge Platz. Carsharing ist eine gute und günstige Alternative zum eigenen fahrbaren Untersatz. Ein Auto, das gemeinsam genutzt wird, kann bis zu acht Pkw ersetzen.“ Einziger Nachteil: Es gibt zum Beispiel in Wien derzeit nur 49 Standorte, bei denen die Mietwagen abgeholt und retourniert werden können. In Zürich dagegen, das nur 400.000 Einwohner hat, ist das Mietmodell deutlich weiter verbreitet, stehen doch in Summe 300 Standorte für Carsharing zur Verfügung.

Laut Statistik ist rund die Hälfte aller zurückgelegten Wege kürzer als fünf Kilometer. Das macht es naheliegend, auf andere Alternativen zum Auto wie etwa Elektrofahrräder oder Öffis umzusteigen. Oder man macht es wie viele junge Amerikaner, die gleich ganz auf die Mobilität per Auto verzichten. Zwischen 1983 und 2008 sank der Anteil der 17-jährigen US-Bürger, die schon den Führerschein gemacht haben, von 69 auf 50 Prozent. Auch die Zahl der Führerscheinbesitzer in der Altersgruppe der 20- bis 34-Jährigen geht zurück. Forscher der University of Michigan haben die Ursache für den Autoverzicht bereits ausgemacht: Soziale Netzwerke wie Facebook reduzieren die Mobilitätsbereitschaft der jungen Bevölkerungsschichten.

Obwohl soziale Internet-Plattformen auch in Österreich immer beliebter werden, ist bei den hiesigen Führerscheinneulingen keine Trendumkehr zu erkennen. Die Anzahl der 16- bis 24-Jährigen, die die Fahrerlaubnis erwerben, ist zwischen 2006 und 2010 kontinuierlich gestiegen. Es gibt offensichtlich noch genügend Jungfahrer, die sich die hohen Treibstoffpreise leisten wollen.

Gesamtkosten von 4.442 in Österreich erhältlichen Neuwagen

Lesen Sie mehr im aktuellen FORMAT Nr. 15/2012

- Robert Winter, Carolina Burger

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