Chrom-Juwelen

Chrom-Juwelen

Die Nachfrage nach Oldtimern ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Das Fahren in alten Kisten ist vom verschrobenen Millionärshobby zur Freizeitbeschäftigung der Mittelschicht geworden. Ein Service-Bericht über eine boomende Branche.

Dass Kindheitsträume exakt so eintreffen, wie man es sich in seinen kühnsten Vorstellungen ausgemalt hat, ist selten. Volksschauspieler und Intendant Wolfgang Böck hatte genau dieses Glück. "Wir haben uns als Kinder in unserer Gasse die Nase an den Scheiben eines Jaguar 240MK2 platt gedrückt, und ich wollte unbedingt auch so einen haben“, erzählt der gebürtige Linzer. Heute steht genau das gleiche Modell in seiner Garage. Und dazu noch vier weitere Oldtimer, alle Marke Jaguar.

"Bei diesem Hobby kann ich auch mein Faible für Technik ausleben“, so der Schauspieler mit einem HTL-Abschluss für Maschinenbau. An seinem Hang zu blechernem Spielzeug lässt Böck jedes Jahr im Juli auch sein Publikum teilhaben. Als Intendant der Freiluftfestspiele im burgenländischen Kobersdorf lädt er seine Zuseher ein, gemeinsam mit ihm und seinem eindrucksvollen Schlitten zu seinen Vorstellungen zu fahren. "Pro Tour fahren bis zu 70 Autos mit. Vor acht Jahren, als wir damit begonnen haben, waren es nicht einmal die Hälfte.“ Für Oldtimer-Rallyes fehlt ihm dagegen die Zeit und die Lust. "Da geht mir der sportliche Ehrgeiz ab.“

Auch Christian Hübner, seines Zeichens Uhrmachermeister am Wiener Graben, hält nichts von Ausfahrten mit Stoppuhr und Sonderprüfungen, wie sie bei solchen Rennen üblich sind. Der Uhrenpapst, der Klassiker wie eine Mercedes Pagode oder ein Vorkriegsmodell eines Bugatti besitzt, übt sich lieber in Gelassenheit. Und schließt sich Oldtimer-Reisegruppen an, die ihn auf pittoreske Routen durch fremde Länder wie Rumänien oder zuletzt Sizilien führen - "auf die ich selber nie gekommen wäre“.

Glanzvolle Rallyes als Wachstumskatalysator

Doch die Mehrzahl der Oldtimerfahrer erliegt, wie der Wiener Zahnarzt Florian Kunz, dem Charme von Classic-Rallyes. "Meine Frau und ich lieben den Wettkampf und das Ambiente der Veranstaltungen“, so Kunz, der gerade die Ennstal-Classic gefahren ist. Die Veranstaltung biete die perfekte Kulisse für Liebhaber sportlicher Ausfahrten. Die Routen führen meist durch eine grandiose Landschaft, und das Staraufgebot vieler Rallyes ist größer als bei so manchem Hollywood-Schinken.

Wen das nicht begeistert, der wird wahrscheinlich zumindest beim Anblick der historischen Schönheiten sentimental. Kein Wunder, dass mittlerweile jedes Wochenende im Jahr ein Oldtimerrennen stattfindet. "Vor 20 Jahren gab es gerade einmal zehn davon“, erinnert sich Hübner, der seit 30 Jahren Oldies lenkt. Für die Ennstal-Classic - das Rennen der Rennen - bewerben sich jedes Jahr rund 350 Fahrer, vor 15 Jahren konnten mit Müh und Not 30 zusammengetrommelt werden.

Die neue Faszination für alte Autos hat nicht nur eine eigene Eventsparte ins Leben gerufen, sie belebt die gesamte Branche. "Heuer ist mein Absatz im Vergleich zum ersten Halbjahr im Vorjahr um 30 Prozent gestiegen“, sagt Oldtimerhändler Franz Jüly vom Oldie Point in Bruck an der Leitha. Laut dem deutschen Verband der Automobilindustrie wächst der Oldtimermarkt derzeit pro Jahr im Schnitt um elf Prozent.

Die hohe Nachfrage treibt die Preise. "Im Schnitt legen die Preise seit 1999 pro Jahr um sechs Prozent zu“, so Jüly. Am ausgeprägtesten ist die Jagd nach dem Garagengold in Österreich laut Experten bei alten Porsches wie dem 911 und dem 356 und allen Mercedes-SL-Modellen. Jüly: "Bei denen ziehen die Preise noch stärker an.“ Die Erfahrung, dass Gutes noch teurer wird, macht auch Uhrmachermeister Hübner: "Für einen gut erhaltenen Oldtimer, der schon vor 20 Jahren mit 15.000 Euro teuer war, zahlt man heute 70.000 Euro.“ Dass auch international die Preise keinen Plafond kennen, zeigen Auktionen, auf denen teilweise Millionen für ein betagtes Gefährt gezahlt werden. Anfang Juli erzielte ein Bentley Blower 5,6 Millionen Euro - er ist damit der teuerste britische Oldtimer aller Zeiten.

Monegassen-Prinz versteigert Klassiker

Die gestiegenen Möglichkeiten, via Auktionen oder Internet an rollende Raritäten heranzukommen, haben den Handel erst richtig in Schwung gebracht. "Früher hat man einen Oldtimer zwischen Klosterneuburg und Wiener Neustadt gesucht und erst nichts Gescheites gefunden. Jetzt fahre ich, wenn ich ein interessantes Objekt entdecke, auch nach London zu einer Auktion“, so Hobbyrallyefahrer Kunz.

Die nächste Chance auf ein Schnäppchen steht kurz bevor. Fürst Albert von Monaco versteigert einen Teil seiner Sammlung, die aus mehr als 100 Autos besteht und die Fürst Rainier 30 Jahre lang aufgebaut hatte. Jetzt trennt sich Albert von 38 Autos, darunter ein Porsche 928. Die Versteigerung findet am 26. Juli in Monaco statt.

Neben den vielen glamourösen Veranstaltungen, die einen Oldtimerbesitz erstrebenswert machen, kommt eine steigende Zahl von Menschen hinzu, die alte Autos als Geldanlage sehen. Hohes Wertsteigerungspotenzial sehen Experten vor allem bei Importen alter Fahrzeuge aus England, den USA und Japan. "Weil die Preise für Europäer derzeit dort vergleichsweise günstig sind“, erläutert Matthias Gerst, Oldtimerexperte vom deutschen Autodienstleister TÜV Süd. Einsteigern empfiehlt Gerst, mit Blick auf ein konservatives Investment, sportliche Youngtimer: "Ford Capri, Opel Manta oder Audi Sport Quattro sind Autos, deren Wert in den kommenden Jahren vermutlich steigen wird.“

Seit es cool geworden ist, eine alte Karre zu fahren, und sich daraus ein riesiger Geschäftszweig entwickelt hat, mischen auch die Autoproduzenten kräftig mit. Nahezu alle europäischen Hersteller wie Porsche, BWM, Mercedes oder Opel verfügen über eigene Klassikabteilungen, die die alten Teile nachbauen und sich auch gleich der Restaurierung und Servicierung der Autos annehmen.

Automobilzulieferer setzen ebenso auf die Schiene. Bosch hat 2005 eine eigene Classic-Sparte gegründet und lagert 50.000 Ersatzteile. Auch in Österreich steigen große Unternehmen in das Business ein. Allen voran das Schwertberger Logistikunternehmen Hödlmayr, das seit März mit luxuriösen Oldtimern handelt und nun zu seinen bisherigen Reparaturen und Restaurationen auch die Verwaltung und Betreuung großer Oldtimersammlungen anbietet (siehe " Die besten Adressen für Oldtimer ").

"Mit diesem breiten Angebot sind wir die Einzigen in Österreich“, resümiert Oliver Bulant, Chef der Classic-Car-Center-Tochter von Hödlmayr. Die westösterreichische Mercedes-Händlergruppe Pappas bietet seit einem Jahr an allen Standorten ein Classic-Center an. Doch noch ist die Zahl derjenigen, die selbst Hand anlegen oder privat schrauben lassen, riesig. "Schätzungsweise 95 Prozent aller Ersatzteile für Oldtimer werden an Private verkauft“, so Bulant.

Schrauben oder schrauben lassen ist die Frage. Als erster Hersteller hat Porsche einen Kompromiss gefunden: In der Werkstatt im neuen Museum in Zuffenhausen bieten die Schwaben neuerdings Restaurierungsworkshops an. Für 110 Euro stehen die Meister der Werkstattkunst angehenden Hobbyschraubern mit Rat und Tat zur Seite.

Der neue Ford Edge, vorgestellt vom neuen Ford-Chef Mark Fields

Auto & Motor

Bonjour Tristesse am Pariser Autosalon. Plus: Die neuesten Trends

Der neue Mercedes-AMG GT: Der Heuler des Jahres

Auto & Motor

Der neue Mercedes-AMG GT: Der Heuler des Jahres