Ausgebremst: Volkswagen
verdrängt Toyota

Volkswagen wird 2011 mehr Autos bauen als der bisherige Marktführer Toyota. Auch in Österreich stecken japanische Hersteller in der Krise.

Gute Autos zu günstigen Preisen – das war und ist die Trumpfkarte japanischer Autos. Toyota, Mazda, Honda und Nissan verdienten jahrzehntelang prächtig und bremsten europäische und amerikanische Hersteller aus. 2007 fuhr Toyota den größten Erfolg ein und überholte General Motors (GM) als größten Automobilhersteller der Welt. Doch jetzt wendet sich das Blatt. Mit 7,8 Millionen verkauften Autos wird der Volkswagen-Konzern am Ende dieses Jahres auf Platz eins vorrücken, vor Toyota mit 6,7 Millionen. Und die Japaner werden auch wieder hinter GM (7,2 Millionen) zurückfallen.

Hinzu kommt, dass die japanischen Preis- und Qualitätstugenden von den koreanischen Herstellern Hyundai und Kia kopiert wurden, die den Nippon-Fahrzeugen zunehmend das Wasser abgraben. In Österreich sieht es nicht anders aus: Toyota hält heuer nur mehr einen Marktanteil von 2,3 Prozent. Hyundai kommt auf einen mehr als doppelt so hohen Wert und konnte das Modell i30 zuletzt sogar auf Rang vier der Zulassungsstatistik setzen.

Ausgebremst

Gerade hierzulande zeigt sich das Absatzminus der Japaner auf spektakuläre Weise. 1990 hielten die Autos aus dem Land der aufgehenden Sonne noch bei stattlichen 30,1 Prozent Marktanteil. Seitdem geht es abwärts. Ein Grund liegt im Erstarken der einstigen Billigmarken Seat und Skoda, die mit Hightech und Marketing des Volkswagenkonzerns zu Absatzschlagern wurden. In Österreich verkauft die VW-Gruppe heute dreimal so viel wie alle Japaner zusammen.

Neben der Offensive aus Korea liegt ein Grund auch an der wenig attraktiven Produktpalette von Toyota & Co. Der Trend zum Van wurde verschlafen. Auch für junge Aufsteiger gibt es kaum ein prestigeträchtiges Angebot. Die Oberklasse liegt ohnehin fest in der Hand der deutschen Premium-Marken. Sportwägen fehlen nahezu komplett. Nippon-Konkurrenten wie Lexus, eine Toyota-Tochter, haben punkto Prestige noch Aufholbedarf.

Einzig am Hybrid-Markt konnte Toyota mit dem Prius kräftige Akzente setzen. Aber: Das Auto fährt zwar auf der Öko-Schiene, ist den Kunden für den gebotenen Komfort und Platz aber zu teuer.

Zuletzt litten japanische Hersteller auch noch schwer unter den Folgen der Erdbebenkatastrophe und des Reaktorunglücks von Fukushima.

Neue Bescheidenheit

Bei mehreren Produzenten stottert der Motor. Suzuki streitet mit Kooperationspartner VW. Nissan gehört zum Renault-Konzern, Subaru wurde nach der GM-Pleite völlig fallen gelassen. Auch Ford trennte sich von seinen Mazda-Anteilen.

Toyota-Generalimporteur Friedrich Frey übt sich in Gelassenheit: „Wir möchten nur in einem Ranking ganz oben stehen: bei Kundenzufriedenheit und Qualität.“ Und auch Volkswagen-Boss Martin Winterkorn zeigt sich plötzlich bescheiden: „Größe heißt vor allem Verantwortung.“ Er weiß offenbar: In der Auto-Industrie kommt man rasch von der Überholspur auf den Pannenstreifen.

– Florian Horcicka

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