Audi und Mercedes schließen zu BMW auf

BMW ist der größte Premiumhersteller, doch Audi und Mercedes holen auf. Eine schwächere Konjunktur könnte das Gefüge ins Wanken bringen.

Meist stehen Sportwagen auf Automessen im Scheinwerferlicht. Auf der Leitmesse IAA in Frankfurt in zwei Wochen wird die Sache anders aussehen. Dort dürften Autos im unteren Preissegment – vornehmlich von Premiumherstellern – für Aufsehen sorgen. So etwa hat der BMW i3 das Zeug zum Superstar. Die Karosserie besteht aus dem Leichtbaumaterial Karbon, der Antrieb ist elektrisch. Der 170-PS-Flitzer soll mit einem Akku 160 Kilometer weit kommen. Mercedes rollt die überarbeitete B-Klasse an den Start, und Audi schiebt nach den Riesenbrummern Q7 und Q5 den Q3, ein SUV für die breite Masse, nach.

Auch abseits der Messe liefern sich Premiumhersteller derzeit einen erbitterten Kampf – sowohl um die Innovationsführerschaft als auch um Absatzzahlen und Gewinne. Und das, obwohl die drei Hersteller ein Sommermärchen erleben, von dem noch vor einem halben Jahr keiner zu träumen gewagt hätte. Sie verkaufen mehr Autos denn je und schreiben stattliche Gewinne. So hat BMW das beste Halbjahr seiner Geschichte verbucht. Mit 4,5 Milliarden Euro haben die Bayern in den ersten sechs Monaten des Jahres den Gewinn um ganze 150 Prozent gesteigert. BMW hat damit so viel verdient wie 2010 das ganze Jahr. Dank Absatzgaranten wie dem X5 und der Marke Mini haben die Münchner ihre Verkäufe stärker gesteigert als ihre beiden Mitstreiter. Selbst Hersteller Audi, der seinen Gewinn um 91 Prozent hinaufgeschraubt hat, kann da nicht mithalten.

Audi jagt Mercedes

Mit 653.000 verkauften Autos beträgt der Rückstand von Audi auf Mercedes nur noch 15.000 Stück. In den ersten sechs Monaten beschleunigte sich das Wachstum von Audi (plus 18 Prozent) merklich stärker als bei Mercedes (plus 8 Prozent). Will Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft IFA, sieht BMW weiterhin in Führung, wenn auch alle drei einen höheren Gang eingelegt haben.

Mercedes-Boss Dieter Zetsche hat seine Mannschaft bereits auf eine höhere Taktzahl eingeschworen und sich zum Ziel gesetzt, die Nummer eins unter den Premiumherstellern zu werden. Die besseren Karten bei der Aufholjagd hat allerdings Audi. So war bereits 2010 mit 1,1 Millionen Auslieferungen (plus 15 Prozent) das verkaufsstärkste und profitabelste Jahr der Audi-Geschichte. Auch BMW tritt aufs Pedal und hat die Absatzprognosen bis Jahresende auf 1,6 Millionen Autos erhöht.

Aber Mercedes holt auf. Nachdem die Stuttgarter die Belastungen der in die Brüche gegangenen Chrysler-Ehe halbwegs überstanden haben, wird wieder Gas gegeben. Vor allem in der Pkw-Sparte verzeichnen die Stuttgarter hohe Gewinne. Diese kommen überwiegend aus China, wo bei den Reichen das Geld locker sitzt. Bei Motoren, wo Mercedes zurückgefallen war, sind sie ebenfalls wieder wettbewerbsfähiger. Bis Jahresende ist das Ziel von Zetsche, 1,3 Millionen Autos zu verkaufen und damit stärker zu wachsen als BMW. Ob die Stuttgarter das jahrelang flaue Geschäft bei Kleinwagen nun beleben können, wird die neue B-Klasse zeigen.

Die Kosten kriegt Audi, dank der Synergieeffekte mit Konzernmutter VW, am einfachsten in den Griff. BMW muss sich zwar wesentlich mehr anstrengen, um die Renditen in die Höhe zu schrauben, ist mit 14,4 Prozent dennoch der Champion. Das ist auf einen rigorosen Sparkurs zurückzuführen. Seit dem Amtsantritt von BMW-Einkaufsvorstand Herbert Diess im Jahr 2007 hat dieser die Materialkosten um vier Milliarden Euro gedrückt. BMW zählt zu den aggressivsten Preisdrückern bei Zulieferern, so eine Studie der Uni Duisburg.

Audi, BMW und Mercedes liefern sich nicht nur untereinander ein hartes Match, sie rittern auch um die Führung unter den weltgrößten Herstellern. Laut einer Studie des Center of Automotive ist VW und damit auch Audi unter 17 Herstellern der leistungsstärkste und innovativste Autokonzern. Dahinter rangiert bereits Daimler, BMW liegt auf Platz vier.

Prognosen nach unten korrigiert

Doch die Autoproduzenten müssen sich nach Sonderschichten und Rekordzahlen auf schwierigere Zeiten einstellen. Ungeachtet des Optimismus mancher Hersteller hat Diez die Prognosen für den weltweiten Pkw-Markt für 2012 deutlich nach unten revidiert und sieht eine Stagnation voraus: „Das geringere Wachstum wird sich im zweiten Halbjahr andeuten.“ Auch die Einbrüche in den Schwellenländern könnten früher eintreten als erwartet. Weltweit wird die Konjunktur instabiler, von der die Branche extrem abhängt. Patzer dürfen sich die Konkurrenten da nicht erlauben. Wer bei Modellen oder Technologien Fehler macht, fällt im Kopf-an-Kopf-Rennen schnell zurück.

– Anneliese Proissl

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