Open Source macht Schule

Europaweit steigen öffentliche Einrichtungen auf lizenzfreie Software um. Auch in Österreich gibt es Vorzeigeprojekte.

Seit kurzem steht in den weiterführenden Schulen der Alpenrepublik Open Source auf dem Lehrplan.
Der lizenzfreie Schuldesktop „desktop4education“ basiert auf openSuseLinux als Betriebssystem und dem Office-Paket „StarOffice“, einer von Sun Microsystems entwickelten Version der freien Software OpenOffice.org. Die Installations-DVD enthält auch noch eine ganze Latte weiterer schultypischer Anwendungen. Federführend bei der Entwicklung des desktop4education waren engagierte Lehrer, denen die Verbreitung von Open Source an den Schu-
len ein Herzensanliegen ist.

Im Unterrichtsministerium (BMUKK) ist IT-Leiter Robert Kristöfl die treibende Kraft hinter der Open-Source-Initiative. Die Gründe für sein Engagement sind aber keineswegs nur in der Kostenfrage zu suchen. „Primär geht es um eine umfassende Ausbildung der Schüler. Sie sollen Textverarbeitung lernen, nicht Winword“, so Kristöfl.
Die Schulen können selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang sie auf die freie Software umsteigen. Und das Interesse ist enorm: Die Erstauflage von 2.000 Installations-DVDs, deren Produktion von Sun Microsystems gesponsert wurde, war im Nu vergriffen. Auf Schulanfragen wurden bislang schon weitere 8.000 DVDs nachproduziert.

Open Source in öffentlichen Einrichtungen ist ein europaweiter Trend. Jüngste Beispiele: Die Parlamente von Frankreich und Italien stellen alle Rechner von Windows auf Linux mit Open Office um. „Vor ein paar Jahren wurde die Open-Source-Community von den Microsoft-Managern noch belächelt. Aber jetzt ist schon ein echter Kampf um den öffentlichen Sektor entbrannt“, weiß Franz Novak, Global Systems Engineering Manager bei Sun.

Auch Wien kann auf ein erfolgreiches Großprojekt verweisen. Seit zwei Jahren haben die MitarbeiterInnen der Wiener Stadtverwaltung auf ihren Desktops die freie Wahl: Microsoft oder Open Source oder beides. Eine Machbarkeitsstudie der EDV-Abteilung des Magistrats (MA 14) im Vorfeld bescheinigte die technische Umsetzbarkeit und die langfristige Wirtschaftlichkeit eines Umstiegs. Das Open-Office-Paket für die „zwanglose“ Migration kommt ebenfalls von Sun Microsystems. Die Alternative zu Windows ist ein Betriebssystem mit dem klingenden Namen „WIENUX“ – eine Eigenentwicklung der MA 14, die auf Debian GNU/Linux basiert und die für Wien maßgeschneidert wurde. Da aber mehr als die Hälfte der 15.000 Workstations Softwareprodukte verwenden, für die keine unter Linux lauffähigen Alternativen verfügbar sind, war schnell klar, dass eine langfristige Koexistenz von Windows und Linux angestrebt werden muss.

Der Erfolg der Initiative kann sich dennoch sehen lassen: Open Office läuft bereits auf 12.000 der 15.000 PCs der Stadt und WIENUX immerhin auf 1.000. Zur Bewusstseinsbildung hinsichtlich des Einsparungspotenzials hat auch ein kleiner Trick beigetragen: Im Produktkatalog der MA 14 sind jetzt nämlich die anteiligen Lizenzkosten für Betriebssysteme und Office-Pakete extra ausgewiesen. Und da nehmen sich WIENUX und Open Office mit „0 Euro“ sehr günstig aus. „Die Abteilungen schauen sehr genau auf das eigene Budget und verzichten deshalb immer häufiger auf Microsoft“, weiß Brigitte Lutz, Open-Source-Projektleiterin der MA 14.

Übrigens: Auch alle 360 städtischen Kindergärten werden jetzt mit WIENUX-PCs ausgestattet. Die pädagogischen Programme wurden gemeinsam mit den Herstellern unter dem Betriebssys-tem zum Laufen gebracht. So werden schon die Kleinsten „spielend“ an Open Source gewöhnt.

Alexander Hackl

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