Schweizer Nationalbank denkt über negative Zinsen nach

Schweizer Nationalbank denkt über negative Zinsen nach

„Wir schließen keine Maßnahme aus“, sagt Vizepräsident der SNB – Suche nach außergewöhnlichen Maßnahmen zur Schwächung des Schweizer Franken.

Negative Zinsen gehören zu den Maßnahmen, die nach Einschätzung von Jean-Pierre Danthine in einer Krisensituation angewendet werden könnten. „Wie Sie wissen, schließen wir keine Maßnahme aus”, sagte der Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am Donnerstag auf einer Veranstaltung in Zürich, als er auf die mögliche Verwendung von negativen Zinsen angesprochen wurde. “Das ist eine Maßnahme, die wir erwägen könnten, wenn die Umstände es erfordern.”
Die Schweizer Regierung hat erklärt, sie schaue sich außergewöhnliche Maßnahmen wie negative Zinsen und Kapitalverkehrskontrollen zur Schwächung des Franken an, sollten die Turbulenzen im Euroraum eskalieren. Danthine erklärte, die SNB habe “unbegrenzte” Ressourcen zur Verteidigung der Franken-Deckelung bei 1,20 Franken je Euro, nachdem die Fremdwährungsbestände Ende Mai ein Rekordhoch erreicht hatten.

Die Schweizer Währung, die als sicherer Hafen in Zeiten weltweiter Krisen gilt, notierte am Donnerstag bei 1,2011 Franken je Euro kaum verändert zum Vortag. Die SNB hatte im September den Mindestkurs für den Euro eingeführt, nachdem die Investoren angesichts der Euroraum-Schuldenkrise in Scharen in den Franken strömten, so dass dieser gegenüber der Europäischen Gemeinschaftswährung auf die Parität zusteuerte.

Die schwedische Riksbank hatte im Juli 2009 ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent sowie den Einlagesatz auf minus 0,25 Prozent gesenkt. Diesen Zinssatz erhalten Banken, wenn sie Gelder über Nacht bei der Notenbank hinterlegen. Er blieb für etwas mehr als ein Jahr negativ. Danthine, der im April zum SNB-Vizepräsidenten ernannt wurde, bezeichnete die schwedischen Erfahrungen mit negativen Zinsen “interessant”.
“Ihr System ist ganz anders als unseres”, erklärte er. “Die meisten Banken würden es vermeiden. Nur jene Banken, die gewisse Fehler gemacht haben und nicht wussten, was sie mit dem Geld tun sollten, mussten dies bei der Zentralbank hinterlegen und zahlen. Es hat nicht zu größeren Problemen geführt, sondern war ein recht unbedeutendes Ereignis.”

Die SNB hat am 14. Juni ihren Leitzins bei Null belassen und Präsident Thomas Jordan bezeichnete die Risiken für die Konjunktur als “außergewöhnlich hoch”. Die Schweizer Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf sagte am folgenden Tag, dass Maßnahmen wie Kapitalverkehrskontrollen oder negative Zinsen nur als letzter Ausweg ergriffen würden. Die Schweizer Erfahrungen mit negativen Zinsen in den 1970er Jahren seien nicht erfolgreich gewesen, fügte sie hinzu.
“In unserer Situation leiden wir unter dem außergewöhnlichen Finanzdruck aufgrund der Einstufung des Franken als sicherer Hafen”, erläuterte Danthine. “Was passieren könnte - und hier steht wieder der Euroraum im Zentrum - ist, dass wir zugeben müssen, dass wir noch die Möglichkeit anderer Instrumente haben, wenn die Dinge sehr, sehr viel schlimmer werden. Keine von diesen sind offensichtlich oder einfach, aber wir sind bereit, andere Instrumente einzusetzen, wenn dies im schlimmsten Fall notwendig werden würde.”

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