Schweizer Banken droht "langsamer Tod"

Schweizer Banken droht "langsamer Tod"

Seit die Behörden in den USA und Europa ihre Jagd nach Steuersündern verstärkt haben, fließen Gelder von den eidgenössischen Instituten ab.

Anleger aus Westeuropa dürften bis zu 135 Mrd. Franken (112 Mrd. Euro) oder 15 Prozent ihres in der Schweiz angelegten Vermögens abziehen, sagt Herbert Hensle von Cap Gemini. Bank Sarasin berichtete vergangene Woche, Privatkunden hätten in den ersten sechs Monaten des Jahres 3 Mrd. Franken aus Schweizer Niederlassungen abgezogen.

Die Schweiz hat 1934 Gesetze zum Bankgeheimnis verabschiedet. In den folgenden 75 Jahren wurde ein Drittel des weltweit offshore verwalteten Vermögens in der Schweiz angelegt, bis die USA am 19. Februar 2009 Anklage gegen die UBS erhob. Damit wollten sie an die Daten von 52.000 amerikanischen Kunden herankommen, die angeblich nicht deklarierte Gelder in der Schweiz deponiert hatten.

Fünf Tage danach erklärte Ivan Pictet, damals Managing Partner beim größten Genfer Vermögensverwalter Pictet & Cie., gegenüber der Zeitung Le Temps, dass die Schweizer Bankbranche um die Hälfte schrumpfen dürfte, falls das Land sein Bankgeheimnis aufgibt. Drei Jahre später konstatierte Raymond Bär, Ehrenpräsident der Julius Bär Gruppe, “das Bankgeheimnis, wie wir es kennen, ist Geschichte”.

Nach Einschätzung von Zeno Staub, Vorstandschef von Vontobel Holding AG, werden bis zu 100 Schweizer Banken von der Bildfläche verschwinden. In den nächsten fünf Jahren werde jede dritte Bank verschwinden oder mit anderen Instituten fusionieren, wie er gegenüber der Handelszeitung in diesem Monat erklärte.

Kein großer Knall

“Es wird keinen großen Knall geben, sondern ein langsames Verschwinden, wenn die Steueramnestie-Programme eingeführt werden und die Kunden ihre Gelder offiziell angeben”, erklärt Francois Reyl, Vorstandschef der Vermögensverwaltung Reyl Group in Genf. “Die Banken, die sich nicht anpassen, werden einen langsamen Tod sterben.”

Einige Banken stehen bereits unter Druck. Die von dem Milliardär Spiro Latsis kontrollierte Schweizer Bank EFG International berichtete im Juli Abflüsse aus Kontinentaleuropa für die erste Jahreshälfte, und bei Vontobel sank der Nettokapitalzufluss von Privatkunden gegenüber der Vorjahresperiode um 86 Prozent auf 100 Mill. Franken.

Die Zahl der ausländischen Banken ist in der Schweiz von 154 im vergangenen Jahr auf 145 gefallen. Das zeigen Daten des Verbands der Auslandsbanken in der Schweiz. Insgesamt waren in der Schweiz Ende 2011 laut Schweizerischer Bankiervereinigung 312 Banken aktiv.

Benedict Hentsch, Vorsitzender der in Genf ansässigen Banque Benedict Hentsch & Cie., beziffert den Anteil der nicht versteuerten Anlagen in der Schweiz auf rund ein Drittel der für Privatanleger verwalteten 3 Billionen Dollar. Diese Ziffer hält Bernard Droux, Managing Partner bei Genfs ältester Bank Lombard Odier & Cie., allerdings für zu hoch. Droux hält höchstens 15 Prozent der Kundengelder bei Lombard Odier für nicht deklariert.

Laut Berechnungen von Boston Consulting Group sind die in der Schweiz angelegten Gelder aus Nordamerika seit 2009 um rund 70 Prozent geschrumpft auf etwa 40 Mrd. Franken. Und die Zahl dürfte weiter schrumpfen: Peter Damisch von Boston Consulting in Zürich geht davon aus, dass amerikanische Kunden bis 2015 weniger als 10 Mrd. Franken auf Auslandskonten in der Schweiz halten werden.

Aber auch mit Kunden aus Schwellenmärkten können die Banken die Gelder aus Amerika und Europa nicht vollständig ersetzen, warnt Beat Bernet, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Banken an der Universität St. Gallen. “Die Banken müssen der Situation ins Auge sehen, dass die Profitabilität schrumpfen wird, und ihre Geschäftsmodelle entsprechend ausrichten, so dass sie auch mit niedrigeren Margen leben können.”

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