Der Franken-K(r)ampf

Der Franken-K(r)ampf

Wegen der Euro-Schuldenkrise hält die Flucht internationaler Anleger in den Franken an. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) muss Euro kaufen, wenn sie die Einheitswährung nicht unter den im September festgelegten Mindestkurs von 1,20 Franken absacken lassen will. Im Juni stiegen die Devisenbestände der Schweiz nach SNB-Angaben vom Freitag um rund 59 Milliarden auf 365 Milliarden Franken.

Bereits im Mai waren die Devisen um rund 68 Milliarden Franken angestiegen. Der größte Teil der Zunahmen sei auf Devisenkäufe zurückzuführen, erläuterte ein Sprecher der SNB.

Eine weitere Aufwertung des nach SNB-Einschätzung bereits deutlich überbewerteten Frankens würde die Schweizer Ausfuhren nach Euroland verteuern. Das Land müsste mit einer Rezession und mit noch mehr Druck auf die Preise rechnen, was zu einem Deflationsproblem führen könnte. Im Juni sanken die Verbraucherpreise um 1,1 Prozent nach einem Rückgang von einem Prozent im Mai. Für den schlimmsten Fall - etwa wenn die Eurozone auseinanderbrechen und eine Fluchtwelle in den Franken einsetzen würde - will die SNB auch Kapitalverkehrskontrollen oder Negativzinsen auf Guthaben von Ausländern nicht ausschließen. Wegen der Wahlen in Griechenland und der Probleme spanischer Banken war die Unsicherheit in der Eurozone im Juni besonders groß. Der EU-Gipfel Ende Juni brachte etwas Ruhe in die Märkte. In den kommenden Monaten sollte die SNB nicht mehr so stark intervenieren müssen, erklärte der ZKB-Volkswirt David Marmet. Aber der Aufwertungsdruck dürfte anhalten. "Solange sich die Krise hinzieht, wollen die Leute ihr Geld in die Schweiz bringen", sagte der Sarasin-Volkswirt Alessandro Bee. Am Freitag wurde der Euro wie seit längerem knapp über der 1,20-Franken-Marke gehandelt.

Devisenreserven erreichen ein Drittel des BIP

Ihre Devisen, die inzwischen rund zwei Drittel des Schweizer Bruttoinlandproduktes betragen, legt die SNB zu einem großen Teil in ausländischen Staatsanleihen an. Rund die Hälfte hält sie in Euro, gut ein Viertel entfällt auf den Dollar und der Rest verteilt sich auf Yen, Pfund Sterling und andere Währungen, zu denen neuerdings auch der südkoreanische Won zählt. Vorschlägen, nach dem Vorbild Norwegens einen Staatsfonds zu gründen und sich sogar an ausländischen Firmen zu beteiligen, lehnt die SNB ab.

Kritik am Euro-Mindestkurs ist in der Schweiz inzwischen verstummt. Auch Politiker der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) stellten sich Mitte Juni in einer Parlamentsdebatte hinter die Notenbank. Davor hatten sie kritisiert, die Schweiz mache sich mit der Kursuntergrenze von der Wirtschaftspolitik in der EU abhängig und der hohe Devisenbestand berge ein Verlustrisiken für die SNB.

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