Dänemark als Vorbild für nachhaltige Franken-Schwächung

Dänemark als Vorbild für nachhaltige Franken-Schwächung

Aufmerksam blickt SNB-Präsident Thomas Jordan dabei auf Dänemark. Dort hat die Zentralbank im Juli ein neues Instrument eingeführt, um die Attraktivität der Krone zu dämpfen: Die Zinsen für Einlagen der Geschäftsbanken sind unter null gesenkt worden.

Beide Länder sind bei Anlegern als sicherer Hafen gefragt. Der Kapitalzustrom erschwert es den Zentralbankern in Zürich und Kopenhagen gleichermaßen, den Anstieg ihrer Währungen zu bremsen. Die SNB hat vergangenes Jahr einen Mindestkurs für den Euro eingeführt, und musste zuletzt ihre Euro-Käufe verstärken, um den Frankenkurs zu deckeln. Dänemarks Nationalbanken verschärfte den Kampf gegen die Investoren am 5. Juli um eine Stufe, indem sie die Zinsen für ihre Einlagenzertifikate unter null absenkte.

“Sie können davon ausgehen, dass die Schweizer Zentralbank aufmerksam beobachtet, was ihre Kollegen in Dänemark tun”, sagt Maxime Botteron, Ökonom bei der Credit Suisse Group AG in Zürich. “Sollte sich die Lage verschlechtern, könnte sie nachfolgen und negative Zinsen für Sichteinlagen der Geschäftsbanken einführen”.

SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine, der zusammen mit Regierungsvertretern an der Beurteilung zusätzlicher Instrumente gearbeitet hat, bezeichnete die Einführung negativer Einlagenzinsen im Juni als ein Instrument, “das wir erwägen könnten, wenn die Umstände es erfordern.”

Nach der Zinssenkung in den negativen Bereich haben sich die Einlagen-Zertifikate bei Nationalbanken wieder verringert. Bei der SNB erreichten die durchschnittlichen Sichteinlagen dagegen in der Woche zum 20. Juli ein Allzeithoch von 261,4 Mrd. Franken. Die Devisenreserven der Schweizer Zentralbank kletterten von 305,9 Mrd. Franken Ende Mai auf 364,9 Mrd. Franken Ende Juni.

Eine Reduzierung der Zinsen, die die Zentralbank auf Einlagen der Geschäftsbanken zahlt, schafft einen Anreiz für die Banken, die Gelder anderweitig zu investieren. Das würde den Druck auf Franken und Krone mindern. Negative Zinsen schaffen einen noch stärkeren Anreiz die Sichteinlagen zu reduzieren, da die Geschäftsbanken quasi einen Strafzins bezahlen müssen, statt eine Belohnung zu erhalten. Die dänischen Banken erhielten 0,05 Prozent für ihre Einlagen bevor die Zentralbank den Satz auf minus 0,2 Prozent heruntersetzte.

Quasi-Eurobindung in Dänemark

Die dänische Krone ist an den Euro gekoppelt und bewegt sich mit einer Bandbreite von 2,25 Prozent nach oben oder unten um den Kurs von 7,46038 Kronen zum Euro. In der Praxis hält Nationalbanken die Bandbreite jedoch enger. Die von Nils Bernstein geleitete dänische Zentralbank hat keine festliegenden Sitzungstermine und passt die Zinsen nur an, um die Anbindung an den Euro aufrecht zu erhalten. Die Entscheidung für die negativen Einlagenzinsen erfolgte am selben Tag als die Europäische Zentralbank ihren Leitzins auf rekordniedrige 0,75 Prozent ermäßigte. Der Leitzins der SNB liegt bei null Prozent.

In der Schweiz hat die SNB im vergangenen September eine Frankendeckelung bei 1,20 Franken je Euro eingeführt, nachdem die Währung in den vorausgegangenen zwölf Monaten 37 Prozent zugelegt hatte. Basierend auf der Kaufkraftparität, wie sie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung berechnet, ist der Franken noch immer 36 Prozent überbewertet gegenüber dem Euro. Die Krone ist demnach um 24 Prozent überbewertet.

Kasper Kirkegaard, leitender Währungsstratege bei der Danske Bank in Kopenhagen, sagt, angesichts des Anstiegs der SNB-Devisenreserven in Folge der Verteidigung der Frankendeckelung, “wäre es nur natürlich”, wenn die Schweizer Zentralbank in Betracht ziehe, in gewisser Zeit weitere Maßnahmen einzuführen. “Andere Länder betrachten Dänemark als Testfall. Sie wollen beobachten, wie die Wirtschaft und das Bankensystem auf die negativen Zinsen reagieren”, sagt Kirkegaard. Die Krone habe sich etwas abgeschwächt und das habe etwas Druck von der Zentralbank genommen. Wenn sich die europäische Krise aber weiter verschärfe, wäre ein sehr großer Aufwand erforderlich, um die Investoren davon abzuhalten, Krone und Franken zu kaufen.

Einige Ökonomen argumentieren jedoch, die Schweizer Notenbanker hätten anders als die dänischen Kollegen kaum einen Anreiz, negative Einlagenzinsen einzuführen. So sagt etwa Ulrike Rondorf, Volkswirtin bei der Commerzbank in Frankfurt, solch ein Schritt hätte “ernsthafte unbeabsichtigte Nebenwirkungen” in der Schweiz. “Wenn die Zentralbanken negative Zinsen einführen, hoffen sie, dass die Geschäftsbanken das Geld für die Kreditvergabe in der realen Wirtschaft einsetzen”, erklärt Karsten Linowsky, Stratege für Festverzinsliche bei Credit Suisse in Zürich. In der Schweiz funktioniere der Kreditmarkt aber sehr gut. Daher gebe es aus dieser Sicht keinen Grund für die SNB, negative Einlagenzinsen einzuführen.

Tatsächlich ist in Dänemark die Kreditvergabe in jedem der ersten sechs Monate dieses Jahres um weniger als zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, wie Nationalbanken am 24. Juli berichtete. Die dänischen Banken kämpfen noch mit den Folgen des Platzens der Blase am Immobilienmarkt und zwei Drittel der Regionalbanken schreiben Verluste.

In der Schweiz dagegen hat sich die Kreditvergabe im ersten Quartal um 4,1 Prozent auf Jahresbasis erhöht und nach Angaben der SNB gibt es keine Anzeichen für eine Kreditklemme.

Die Schweizer Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf äußerte am 15. Juni, die SNB prüfe regelmäßig die Einführung zusätzlicher und ergänzender Maßnahmen zur Bekämpfung der Franken-Stärke. Diese würden aber nur als letztes Mittel eingesetzt werden.

“Die SNB beobachtet sicherlich, was die dänische Zentralbank tut”, sagt Alexander Koch, Ökonom bei UniCredit Group in München. Unkonventionelle Maßnahmen wie negative Zinsen oder Kapitalverkehrskontrollen würden aber wahrscheinlich nur eingeführt, wenn in Bezug auf die Schuldenkrise in der Euro-Zone das schlimmste Szenario eintrete und der Franken enorm unter Druck gerate.

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