Weltwährung Gold

Weltwährung Gold

Wer Gold Anfang September 2011 zum Höchstpreis von 1921,15 US-Dollar erworben hat, wird sich vermutlich ganz schön ärgern. Eigentlich war dem edlen Metall damals eine anhaltende Hausse prophezeit worden. Doch zwischenzeitlich sackte der Preis sogar auf unter 1500 Dollar ab und mühte sich zuletzt ab, endlich wieder die 1800-Punkte-Marke zu knacken. Aktueller Preis: Rund 1650 Dollar je Unze.

Das ist freilich noch lange kein Grund, sich vom Gold ganz zu verabschieden. Es rostet und verdirbt nicht - und es gilt auch heute als sicherer Hafen in unruhigen Zeiten. Denn das edle Metall erweist sich wegen seiner Knappheit im Gegensatz zu beliebig vermehrbaren Banknoten als stabile Währung und bietet daher einen guten Schutz gegen Inflation. Auch wenn Gold keine Zinsen abwirft, erfüllt es im Portfolio eine stabilisierende Funktion und sollte daher auch weiterhin in keinem Anlegerdepot fehlen.

Kurstreiber

Nach zwölf Jahren konsequenten Anstiegs ist die jüngste Kurskorrektur für Ronald Stöferle, Goldexperte und Fondsmanager der Vermögensverwaltungsgesellschaft Incrementum Liechtenstein, durchaus gesund. Seine Diagnose: "Der Bullenmarkt steht auf festem und solidem Niveau.“ Denn es gebe eine Reihe stichhaltiger Faktoren, die den Goldpreis weiter antreiben sollten: Das Thema Staatsverschuldung ist noch lange nicht gelöst, es wurde durch lockere Geldpolitik der Notenbanken nur aufgeschoben. Am elegantesten lässt sich der Schuldenberg erfahrungsgemäß durch finanzielle Repression (also Zinsen unter dem Inflationsniveau) liquidieren, wie beispielsweise in der Nachkriegszeit oder auch in den 1970er-Jahren. Mittlerweile liegt die Inflation in den meisten Ländern höher als der Basiszins. Das heißt für Stöferle: "Eine negative Realverzinsung ist ein perfektes Umfeld für Gold.“

Ein weiterer Treiber für den Goldpreis sind die Notenbanken, die emsig als Käufer auftreten. Zum einen erhöhen die Zentralbanken der Industriestaaten, lange Zeit auf der Verkäuferseite, jetzt wieder ihre Bestände. Zum anderen kaufen auch Zentralbanken sowie private und institutionelle Investoren in den Schwellenländern kräftig zu: vor allem in China und Indien, aber auch in Mexiko, Russland und der Türkei. Erstmals seit vielen Jahren trat im Oktober auch Brasilien als großer Käufer auf. Die Begründung für die Aufstockung der Goldbestände der Zentralbank liegt auf der Hand: Das Währungsrisiko soll weg vom US-Dollar diversifiziert werden.

Die Bedeutung von Gold könnte demnächst auch in den Bilanzen der Banken einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Denn die Hinweise verdichten sich, dass Gold in den neuen Basel-III-Regelungen, die ab 2013 schrittweise in Kraft treten, von einem drittklassigen zu einem erstklassigen Asset hochgestuft wird. Damit würde das gelbe Metall nach mehr als vier Jahrzehnten ein Comeback als De-jure-Geld feiern. Es wäre aus Sicht der Regulatoren dann als Bankreserve so gut wie Cash. Die Auswirkungen wären spektakulär: Die Nachfrage durch die Banken würde immens steigen. Denn je mehr Gold sie besitzen, desto mehr Geld dürfen sie verleihen. Kurzum: Die Goldhausse bliebe intakt, eine Blase wäre nicht in Sicht. Goldexperte Stöferle erwartet, dass bis Mitte 2013 die Marke von 2000 US-Dollar geknackt wird und der Preis in weiterer Folge vermutlich auf 2300 Dollar ansteigen wird.

Portfolio-Baustein

Gold steht zwar für einen ultimativen Krisen-Hedge, ist aber keine eierlegende Wollmilchsau und hat auch gravierende Nachteile. "Gold rangiert in der höchsten Risikoklasse, Verluste von vier Prozent an einem Tag sind keine Seltenheit“, warnt Constantin Veyder-Malberg, Vorstand der Grazer Capital Bank. Ein weiterer großer Nachteil: Gold glänzt durch den Edelmetallpreis, liefert aber keine laufenden Erträge wie Dividenden bei Aktien. Zudem ist die Lagerung von Gold eine lästige Angelegenheit, die obendrein meist mit Extrakosten verbunden ist - etwa Gebühren für ein Schließfach oder Aufschlägen beim Kauf von Münzen oder Barren in kleinen Einheiten. Zum Vergleich: Die Diskrepanz zwischen Kauf- und Verkaufskurs beträgt beim beliebtesten Goldstück, dem Philharmoniker (1 Unze) immerhin 2,5 Prozent, bei seinem kleinen Bruder (1/10 Unze) bereits 10,8 Prozent und beim gängigsten Ein-Gramm-Goldbarren gar 34 Prozent.

Somit wäre es verfehlt, sein Portfolio nur mit Gold zu bestücken. Je nach Sicherheitsbedürfnis empfehlen Experten eine Gewichtung zwischen fünf und zehn Prozent, für Pessimisten auch 15 bis 20 Prozent. Entscheidend sei freilich, wie man die Katastrophenreserve stückelt. Veyder-Malberg schlägt vor: "Für den Worst Case, wenn es kracht, einen Handvorrat von kleinen Goldmünzen zu Hause für einen Monat und Goldbarren für die nächsten sechs bis zwölf Monate.“ Darüber hinaus empfiehlt er, physisches Gold im Tresor einer Schweizer Bank gegen einen entsprechenden Verwahrungsschein zu lagern. Der Vorteil: "Das Golddepot liegt außerhalb des Euroraums, und die Abwicklung ist so bequem wie ein Wertpapiergeschäft.“

Wer spekulieren will, mag wohl eher in spezielle Wertpapiere ausweichen - in Zertifikate, ETFs oder ETCs. Oder gar in Goldminenaktien, vor allem solche, die die Hausse bisher versäumt haben. Aber das ist eine komplizierte Angelegenheit, die man besser einem Fondsmanager überlässt. Gold-Profi Stöferle rät von P"apiergold" entschieden ab: "Im Ernstfall wären sie bloß ein Anrecht auf eine Schwimmweste auf der Titanic.“

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