Gold: Chinas Konsumenten, Spekulation und Zentralbanken heizen die Nachfrage an

Gold: Chinas Konsumenten, Spekulation und Zentralbanken heizen die Nachfrage an

1895 Dollar je Unze - so teuer war Gold noch nie. Erreicht wurde der Kurs im September 2011, am vorläufigen Höhepunkt der Euro-Krise, als etwa der deutsche Wirtschaftminister eine Insolvenz Griechenlands nicht mehr ausschloss. Seither hält sich der Goldpreis auf konstant hohem Niveau. Angetrieben wird die Nachfrage vom Goldhunger der Chinesen, dem Investmentsektor und Goldkäufen einiger Zentralbanken.

Fast neun Milliarden Dollar gaben Chinas Konsumenten im ersten Quartal 2012 für Goldschmuck aus, weitere 5,5 Milliarden flossen in den Ankauf von Goldbarren und Goldmünzen. Damit investierten die Menschen in China um 33% mehr in den Rohstoff Gold als Vergleichsquartal des Vorjahres. In Summe gaben die chinesischen Konsumenten 14,4 Milliarden Dollar für den wertvollen Rohstoff aus, beinahe viermal so viel wie die Europäer (ohne die GUS-Staaten wie Russland) für Gold ausgaben. Der chinesische Markt für Goldschmuck ist mittlerweile der größte weltweit und der chinesische Hunger nach Gold sorgt dafür, dass die Nachfrage nach Gold weiter hoch bleibt. Das geht aus Daten des World Gold Council hervor.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres, Daten für das zweite sind noch nicht verfügbar, sank die Nachfrage nach Gold zwar um fünf Prozent auf 1.097,6 Tonnen. Auf Grund des konstant hohen Preises wuchs der Geldwert dieser Nachfrage aber um 16 % auf 59,7 Milliarden Dollar.

100 Milliarden für Goldschmuck

Den größten Anteil am Goldmarkt hat noch immer das Schmuckgeschäft. Im Gesamtjahr 2011 wurden 99,7 Milliarden Dollar mit Goldschmuck umgesetzt. Ein sattes Plus von 25 % gegenüber dem Jahr 2010. Der hohe Zuwachs des Marktvolumens im Schmuckgeschäft lag in erster Linie am rasant gestiegenen Goldpreis, der im September des Vorjahres auf den höchsten Stand seit rund vierzig Jahren geklettert ist. Allerdings nur in absoluten Zahlen. Inflationsbereinigt lag der Preis für Gold im Jahr 1980 schon bei 2395 Dollar (2. Ölkrise 79/80, 1. Iran/Irak-Krieg, Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan).

In Tonnen ausgedrückt sank die Nachfrage nach Gold im Schmuckgeschäft 2011 auf 1.973 und lag damit deutlich unter der Nachfrage im Rekordjahr 2005, als 2.719 Tonnen Gold zu Schmuck verarbeitet wurden. Parallel zum Nachfrage-Rückgang im Schmuckgeschäft explodierte - krisenbedingt - die Nachfrage nach Goldmünzen und Barren. 2009 wurden 786 Tonnen Gold in dieser Form verkauft, 2011 waren es beinahe doppelt so viel: 1.524 Tonnen mit einem Gesamtwert von 77 Milliarden Dollar wurden umgesetzt. Investitionen in Goldmünzen und -barren werden ebenso wie ETF's auf Gold dem Investmentbereich zugeschlagen.

Zentralbanken kaufen wieder Gold

Doch nicht nur der Investmentbereich und China treiben den Markt für Gold weiter an. Auch die Zentralbanken haben ihre lange Jahre vorherrschende Gold-Politik im Zuge der Krise geändert. Bis 2009 standen die offiziellen Stellen vor allem auf der Verkäuferseite. 2005, im Rekordjahr des letzten Jahrzehnts, verkauften die Zentralbanken 663 Tonnen Gold. Noch 2009 - im ersten Jahr der Finanzkrise nach Lehman - wurden 34 Tonnen verkauft. Seit 2010 stehen verschiedene Zentralbanken wieder auf der Käuferseite. Einem Zuwachs von 77 Tonnen im Jahr 2010, folgten 2011 456 Tonnen zum Gegenwert 23,1 Milliarden Dollar. Die verschiedenen Zentralbanken gaben damit erstmals seit einem Jahrzehnt mehr Geld für Gold aus, als die Technologiebranche, die im selben Jahr 22,9 Milliarden Dollar in den Rohstoff investierte.

Und auch im ersten Quartal kauften Zentralbanken weiter zu. Angetrieben wurde die Nachfrage unter anderem von Osteuropa, den Zentralbanken von Russland und Kasachstan. Den größten Einzelkauf machte die mexikanische Nationalbank, die auf einem Schlag 16,8 Tonnen Gold erwarb.

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