"Das aktuelle Niveau ist extrem attraktiv für Goldzukäufe"

"Das aktuelle Niveau ist extrem attraktiv für Goldzukäufe"

Gold ist nach wie vor Krisenwährung Nummer eins. Solange die globale Schuldenkrise kein Ende findet, bleibt der Aufwärtstrend intakt. Die beginnende Heiratssaison in Indien heizt die Goldrally zusätzlich an.

Griechenland steht vor dem Exit aus der Eurozone. Das Europäische Parlament ringt um den Verbleib der übrigen Sorgenkinder. Können die enormen Schuldenberge überhaupt bewältigt werden? Und wird es die europäische Einheitswährung noch geben, wenn die Südstaaten dem Euro ade sagen? Die zahlreichen Brandherde rücken Gold wieder in den Fokus der Investoren. Edelmetallhändler Rudolf Brenner von philoro.at: "Viele Goldkäufer haben das Vertrauen in Papiergeld verloren und versuchen sich mit Gold vor den Folgen eines Euro-Armageddon zu schützen. Die Nachfrage nach Barren und Münzen ist wieder spürbar gestiegen.“

Gelegenheitskauf

Anleger, die auf den Zug noch aufspringen wollen, sollten aber nicht zu lange zögern. So wie jedes Jahr beginnt die absatzstärkste Periode für Gold nämlich schon im kommenden Monat (siehe Tabelle ). Über einen Zeitraum von zehn Jahren legte das Edelmetall im Schnitt in den Monaten August mit rund fünf Prozent und November mit über acht Prozent am stärksten zu. Der Grund: In Indien beginnt die Heiratssaison.

Ein weiterer Grund, der ein Goldinvestment interessant macht: Der Goldpreis hat seit Jahresanfang rund 17 Prozent seines Werts verloren. Ronald Stöferle, Goldexperte der Erste Bank, hält die Kurskorrektur aber für keine Trendwende, sondern für eine ganz normale Entwicklung: "Das aktuelle Niveau ist extrem attraktiv für Goldzukäufe.“ Nach dem Hoch im September 2011, als die Feinunze an der Marke von 1.900 Dollar kratzte, notiert Gold aktuell bei 1.573 Dollar. Aus Sicht eines Euro-Anlegers ist der Rückgang freilich weniger spürbar, weil der Euro-Dollar-Wechselkurs deutlich nachgegeben hat.

Glaubt man den Schätzungen der Goldexperten, dürfte der Kurs für das Edelmetall gerade zur nächsten Rally ansetzen. So ist Jim Rickards, US-Investor und Hedgefondsmanager , davon überzeugt, dass sogar 7.000 Dollar ein fairer Preis für das seltene chemische Element mit der Ordnungszahl 79 wären. Rickards: "Notenbanken versuchen, Inflation zu erzeugen, um der Schulden Herr zu werden. Das wird aber nur gelingen, wenn sie die Papierwährung wieder an den Goldstandard koppeln. Ich gehe davon aus, dass das schon bald passieren kann“ (siehe Interview ).

Auch Goldexperte Stöferle sieht erste Vorboten, die Politiker dazu veranlassen könnten, wieder einen Goldstandard einzuführen: "Mittlerweile hinterfragen hochrangige Politiker unsere Geldordnung. Neben den beiden US-Politikern Ron Paul und Newt Gingrich sprach sich auch Steve Forbes, Chef des Magazins ‚Forbes‘, für eine Koppelung der Währung an Gold aus.“

Grund zur Sorge vor Inflation gibt das Anwerfen der Gelddruckmaschinen. Die vier weltweit wichtigsten Notenbanken haben seit dem Jahr 2000 die Geldmenge pro Jahr um rund 15 Prozent ausgeweitet. Von 2007 bis April 2012 verdreifachten sich die Bilanzen der wichtigsten Geldhüter von 3,5 auf neun Billionen Dollar.

Und noch ein Grund spricht für einen weiteren Anstieg: Die USA kämpfen mit einer Staatsverschuldung von 15 Billionen Dollar. Stöferle: "Würden die Zinsen pro Jahr nur um 0,5 Prozent steigen und die Neuverschuldung mit 1,5 Billionen Dollar zu Buche schlagen, könnte die Gesamtverschuldung der USA in der nächsten Dekade auf 30 Billionen Dollar anschwellen.“ Solch enorme Schuldenberge gelten als weiterer Anlass für ein Goldinvestment. Zudem gibt es für Anleger, die Sicherheit suchen, kaum Alternativen. Auf dem Sparbuch schlägt die Inflation voll durch. Stöferle: "Wie die Geschichte zeigt, hat sich Gold auch in deflationären Zeiten gut geschlagen. Von 1929 bis zum Jahr 1933 legte die Kaufkraft um 44 Prozent zu.“

Landesbank-Baden-Württemberg-(LBBW-)Rohstoffexperte Thorsten Proettel: "Sicherheitsorientierte Anleger sollten jetzt bei Gold zuschlagen, weil sich die Krise weiter zuspitzen wird. Gold hat eine starke Unterstützungslinie bei 1.520 Dollar. Nur wenn der Preis unter diese Marke fällt, wäre ein Rückgang von 100 bis 200 US-Dollar denkbar. Ich halte das aber für sehr unwahrscheinlich.“ Deshalb glaubt der Experte, dass der Goldpreis bis Jahresende bei 1.700 Dollar pro Feinunze liegen wird.

Goldene Gabe

Neben privaten Anlegern zählen Notenbanken und der Schmuckabsatz, der immerhin 45 Prozent der gesamten Goldnachfrage ausmacht, zu den wichtigsten Preistreibern (siehe Grafik ). Schwellenländer sind für rund 70 Prozent des Goldumsatzes verantwortlich. In der zweiten Jahreshälfte geht vor allem in Indien besonders viel Schmuck über die Ladentische. Stöferle: "Frauen werden in Indien traditionellerweise zur Hochzeit reichlich mit Geschmeide beschenkt. Das ist eine Art von Aussteuer, die Frauen in schlechten Zeiten schützen soll.“

Es scheint, als ob rund um den Globus alle Menschen den gleichen Beweggrund haben, Gold zu kaufen. Es bringt zwar keine Zinsen, bleibt aber eine Währung ohne Ablaufdatum.

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