Mit Bonus-Zinssätzen wollen die Kassen Sparer zurückgewinnen

Mit Bonus-Zinssätzen wollen die Kassen Sparer zurückgewinnen

Bausparkassen locken mit Bonuszinsen, um die gekürzten Prämien zumindest teilweise auszugleichen und verlorene Sparer wieder zurückzugewinnen.

Not macht erfinderisch und bewegt selbst träge Bausparkassen dazu, neue Wege zu beschreiten. Seit der Halbierung der staatlichen Prämie im Frühjahr kämpfen die Kassen mit Rückgängen bei Neuabschlüssen.

Die Maßnahmen treffen dabei nicht nur neue Verträge, sondern alle. Während jene Sparer, die bereits einen Bausparvertrag laufen haben, nur zusehen können, wie die Erträge schrumpfen, buttern die Kassen zumindest bei Neuabschlüssen etwas dazu. FORMAT analysiert, was die Lockmittel wirklich leisten und welches Institut am spendabelsten ist.

Eines gleich vorweg: Die Extrazuckerln reichen nicht aus, um die Kürzung der staatlichen Prämie gänzlich auszugleichen. s-Bausparkassen-Chef Josef Schmidinger: "Der Prämienverlust beläuft sich auf 55 Millionen Euro im Jahr. Alle vier heimischen Bausparkassen nehmen insgesamt 38 Millionen Euro zusätzlich in die Hand, um das Loch zu stopfen.“

Zwei Kassen, Raiffeisen und die ABV, offerieren ganz neue Tarife mit dreijähriger Fixzinsbindung. Diese haben gegenüber der bisher üblichen einjährigen Bonuszinsphase den Vorteil, dass man länger von den aktuell sehr tiefen variablen Zinsen verschont bleibt. Das beste Angebot lässt derzeit die ABV springen (siehe Tabelle ). Dort bekommen Bausparer, die sich für eine Kombination aus fixer und variabler Verzinsung entscheiden, 2,75 Prozent auf die ersten drei Jahre gutgeschrieben. Abzüglich der Inflation, die in der Eurozone laut Schätzungen der Bank Austria 2012 bei 2,1 Prozent liegen dürfte, reicht der Zinssatz auch abzüglich der KESt aus, um der Geldentwertung entgegenzuwirken.

Nach der Startphase orientiert sich der Zinssatz an einem Indikator, der bei den meisten Instituten einen Zinssatz von einem Prozent ergibt.

Außerdem wurden generell die Startzinsen bei Tarifen mit einjähriger Zinsbindung erhöht, bei der Wüstenrot zum Beispiel in einer bis Ende August begrenzten Aktion von 3,5 auf 4,5 Prozent. Das bedeutet bei einer Sparleistung von 1.000 Euro einen Mehrertrag von maximal zehn Euro im ersten Jahr. Wird monatlich angespart, verringert sich der Zinsbonus auf die Hälfte. Lockangebote für klassische Verträge mit fixen Startzinsen im ersten Jahr sind angesichts des anhaltenden Tiefzinsniveaus mit Vorsicht zu genießen. In den nächsten zwei Jahren dürften Minizinsen folgen. Ein höheres Zinsniveau erwarten die meisten Experten frühestens in drei Jahren.

Es könnte sich also lohnen, Verträge mit sechsjährigen Fixzinsen zu wählen, auch wenn dort die Kassen durch die Bank nur zwei Prozent zahlen. Wüstenrot-Vorstand Franz Meingast: "Ich persönlich finde die Fixzins-Variante nach dem Motto, Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach‘ interessant.“ Ähnlich denkt s-Bauspar-Boss Schmidinger: "Aus heutiger Sicht würde ich mich für einen Bausparvertrag mit Fixzinsen entscheiden. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass sich die Wirtschaft in den nächsten Jahren erholt und damit das allgemeine Zinsniveau wieder ansteigt.“

Angesichts der Prämienkürzung könnten Anleger, die die Bausparzinsen mit Sparprodukten vergleichen, zu dem Schluss kommen, dass Bausparverträge gänzlich überflüssig sind. Immerhin zahlen Bankinstitute wie etwa die Vakif Bank für Sparbücher mit einer fixen Bindung von sechs Jahren stattliche 3,750 Prozent Fixzinsen. Zudem fallen für das Sparbuch keine Gebühren an. Dafür ist allerdings der Betrag auf einmal einzuzahlen, während Bausparen auch in Etappen möglich ist.

Wer sich außerdem die Option auf ein günstiges Bauspardarlehen aufrechterhalten möchte, kommt um einen Bausparer trotzdem nicht herum. Schmidinger: "Jeder, der einen Vertrag abschließt, hat das Recht auf ein Bauspardarlehen.“ Derzeit liegt das Zinsniveau bei rund drei Prozent, zusätzlich sind die Darlehen mit einer automatischen Zinsobergrenze von sechs Prozent ausgestattet. Das macht die Rückzahlungsraten berechenbar. Langfristig ist das Thema Inflation samt höheren Zinsen nämlich durchaus ernst zu nehmen.

Entscheidend für die Verfügbarkeit von Krediten ist das Verhältnis zwischen Bauspareinlagen und laufenden Krediten. Schmidinger: "Wir sind an einem sehr guten Auslastungsgrad angelangt.“ In künftigen Jahren könnte es also wieder wie in den Siebziger- und Achtzigerjahren zu längeren Wartezeiten kommen.

Tipp: Wer Bausparverträge über das Onlineportal www.bausparklick.at abschließt, bekommt zusätzlich zu den Zusatzzinsen der Bausparkassen noch einen Startbonus des Onlinevermittlers in Höhe von 40 Euro gutgeschrieben.

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