"Es fehlt die Feuerkraft um einen Bank-Run zu verhindern"

"Es fehlt die Feuerkraft um einen Bank-Run zu verhindern"

Die Gefahr eines Euro-Austritts von Griechenland deckt Mängel bei der Art und Weise auf, wie Finanzkonzerne und Regierungen die Einlagen von europäischen Sparern im Falle eines Ansturms auf die Banken schützen.

Die nationalen Einlagensicherungsprogramme, die nach Vereinbarungen der EU aus dem Jahr 2009 Einlagen in Höhe von mindestens 100.000 Euro garantieren müssen, können bei Sparern zu Verlusten führen - falls ein Land die Eurozone verlässt und eine neue Währung eingeführt wird.

Abgesehen davon sind die Einlagensicherungsfonds in einigen Ländern unterfinanziert oder abgeschmolzen, weil die Gelder genutzt wurden, um Banken zu retten. Das hat Politiker dazu veranlasst, die Einführung eines Einlagensicherungsprogramms mit europaweiter Gültigkeit zu erwägen.

“Diese Mechanismen wurden nicht so aufgebaut, dass sie mit dem kompletten Zusammenbruch eines Bankensystems zurechtkommen würden”, sagte Andrew Campbell, Professor für Internationales
Bankwesen- und Finanzrecht an der Universität im britischen Leeds. “Sollte es zu einem systemischen Zusammenbruch kommen, dann muss es eine Art von Intervention geben.”

Weil der Austritt von Griechenland aus der Eurozone offen diskutiert wird, könnten Sparer in Spanien, Portugal und Italien damit beginnen, ihr Geld von den Banken abzuheben - aus Angst, dass ihre Länder dem Beispiel Griechenlands folgen und ihre Ersparnisse dann infolge einer Währungsumstellung entwertet würden.

Nach Meinung von Beobachtern verfügt keines dieser Länder über die nötige Feuerkraft, um einen gleichzeitigen Ansturm auf mehrere Banken zu handhaben. Privathaushalte und Firmen haben allein in den 12 Monaten bis zum 17. März dieses Jahres etwas 34 Mrd. Euro von den griechischen Banken abgezogen. Das zeigen Statistiken der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Einlagen bei griechischen, irischen, italienischen, portugiesischen und spanischen Banken schrumpften zwischen Ende 2010 und März 2012 um 80,6 Mrd. Euro - oder 3,2 Prozent, wie EZB-Daten ebenfalls belegen. Gleichzeitig stiegen die Einlagen bei französischen und deutschen Banken um 217,4 Mrd. Euro oder 6,3 Prozent.

“Ansteckungs-Ängste könnten Personen in Portugal, Irland, Italien und Spanien veranlassen, Einlagen abzuziehen - aus Angst um Solvenz, Währungsumstellung oder ähnliches”, erklärte Chief Investment Officer Alexander Friedman von der UBS in einem Brief an Kundenberater. “Das könnte einen großen Banken- Zusammenbruch auslösen und wirklich noch nie gesehene Maßnahmen der EZB notwendig machen.”

Europäische Einlagensicherung gefordert

Ähnlich sieht das auch Analyst Jernej Omahen von Goldman Sachs in London. In einem Bericht vom 22. Mai schrieb er, dass Banken möglicherweise ohne eine politische Intervention nicht dazu in der Lage seien werden, einen systemweiten Ansturm auf die Banken zu überleben. Dabei könne es sich um eine europaweite Einlagengarantie oder einen ausgeweiteten Banken- Rettungsmechanismus handeln.

“Ein europaweiter Einlagensicherungsfonds könnte sich als wichtigstes Werkzeug beim Erhalt der Finanzmarktstabilität erweisen, falls Griechenland die Eurozone verlassen sollte”, erklärte auch Tobias Blattner, Volkswirt bei Daiwa Capital Markets in London.

Spanien zählt zu den Ländern, die den nationalen Garantie- Fonds bereits angezapft haben, um Kreditverluste für Käufer von Pleite-Banken abzufangen. Im Oktober hatte der Fonds ein Volumen von 6,6 Mrd. Euro. Nach EZB-Angaben beliefen sich die Einlagen in Spanien Ende März auf 931,2 Mrd. Euro.

In Italien verfügt der nationale Sicherungsfonds für Einlagen noch über keine Mittel. Die Banken haben lediglich versprochen, im Bedarfsfall Gelder einzuzahlen. Ende März summierten sich die Einlagen in Italien auf 1,1 Billionen Euro, wie die Daten der EZB weiter aufschlüsseln.

Der portugiesische Einlagensicherungsfonds umfasst nach Angaben von Barclays rund 1,4 Mrd. Euro und die Banken müssen jährliche Einzahlungen leisten. In diesem Fall beziffert die EZB die gesamten portugiesischen Bankeinlagen auf 164,7 Mrd. Euro, mit Stand von Ende März.

Bloomberg/hahn

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