Deutsche Autokonzerne sind das Maß aller Dinge

BMW

Das durchschnittliche Kursziel der BMW-Aktie liegt bei 79,69 Euro (siehe unten rechts), deutlich höher als der aktuelle Kurs von 56,70 Euro. Die Bandbreite der Kursziele reicht bis 120 Euro (links oben). Kein Analyst empfiehlt den Verkauf.

Daimler

Beim schwäbischen Autobauer ist das durchschnittliche Kursziel der Analysten im Laufe der letzten 12 Monate tendenziell auf 51,67 Euro gesunken (siehe Feld links oben). Trotzdem liegt der Schwerpunkt klar auf Kaufempfehlungen.

Volkswagen

Die durchschnittlichen Kursziele sind seit Mai 2011 auf aktuell 175,33 Euro gestiegen, maximal werden 260 Euro anvisiert. Wie bei BMW rät keiner der Analysten zum Verkauf.

In der Automobilindustrie gibt es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Während die deutschen Premium-Hersteller auch and er Börse Gas geben, sieht es bei manch Konkurrenten düster aus.

Image ist alles. In diesem Punkt hat derzeit BMW weltweit die besten Karten aller Autohersteller. Das sieht man aber auch am Aktienkurs. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis ist BMW an der Börse relativ am höchsten bewertet. Wohlgemerkt relativ. Absolut gesehen sind alle drei deutschen Autohersteller spottbillig: BMW notiert zum 7,2fachen der geschätzten Gewinne für das Jahr 2012, Daimler zum 6,9fachen und VW sogar zum 6,2fachen.

Tatsächlich entwickeln sich die Kurse und die Gewinne immer weiter auseinander. Laut einer aktuellen Analyse von Goldman Sachs liegen die Kurse der europäischen Autoaktien derzeit 35 Prozent unter dem Hoch des Jahres 2007, das operative Ergebnis wird heuer aber 66 Prozent höher ausfallen als vor fünf Jahren.

Sorge vor der Konjunkturbremse

Offensichtlich sind viele Anleger momentan extrem vorsichtig und meiden die konjunktursensiblen Autoschmieden. Vor allem in Südeuropa läuft der Absatz schon jetzt schleppend. Die Abkühlung trifft vor allem europäische Hersteller wie Fiat, Renault oder Peugeot. Weltweit geht zwar das Wachstum zurück, bleibt aber im positiven Bereich. Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen und wohl wichtigster Autoexperte Deutschlands, geht davon aus, dass der globale Autoabsatz, der im vergangenen Jahr um 10 Prozent zulegte, heuer immer noch ein Plus von 3,9 Prozent verzeichnen wird (siehe Dudenhöffer-Interview ).

Bislang konnten aber vor allem Premiumhersteller die Verluste dank boomender Geschäfte in Schwellenländern gut wegstecken. In den ersten fünf Monaten 2012 steigerte Audi seine Verkäufe um 12, BMW sowie VW um jeweils 9 und Mercedes um 8 Prozent. Dudenhöffer: "Schon jetzt ist klar, dass dieses Jahr für die drei deutschen Premiumhersteller neue Gewinnrekorde bringt, auch wenn die zweite Jahreshälfte schwieriger wird.“ Bei Volkswagen, BMW und Daimler sind sich die Analysten einig: Alle drei Aktien sind mit einer klaren Kaufempfehlung versehen. Die Kurs-Übersichten sind übrigens via format.at abrufbar. Nach Eingabe der Aktie in die Suchfunktion oben rechts gelangt man auf die Aktienübersicht der bankdirekt.at. Dort kann man dann bei den jeweiligen Aktien einfach auf den Reiter "Analysen“ klicken.

VW als Börsenschwergewicht

Unter den Premiumherstellern waren laut einer Studie der Universität Duisburg-Essen Audi und BMW 2011 mit je rund 1,3 Millionen verkauften Modellen weltweit die beliebtesten Marken (siehe Chart ). An der Börse gilt die Audi-Mutter Volkswagen mit einer Marktkapitalisierung von 59 Milliarden Euro als wertvollste Aktie unter den Premiumherstellern. Die Integration von Porsche in die Volkswagen Gruppe war ein genialer Schachzug, zumal dank einer gefinkelten Steuerkonstruktion etwa 1,5 Milliarden Euro Abgaben gespart wurden. Börsenexperte Wolfgang Matejka von Matejka & Partner: "Durch die Übernahme von Porsche hat Volkswagen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Einerseits verbesserte sich die Bonität von Volkswagen. Andererseits hat Porsche eine sehr große Einkaufsmacht, weil der Konzern über ein riesiges Vertriebsnetz verfügt, von dem nun auch Volkswagen profitiert.“

Angesichts aller positiven Nachrichten sind Volkswagen-Aktien mit einem Kurs von 133 Euro unterbewertet. LFG Kronos, laut Matejka das treffsicherste Autoanalysehaus, errechnet einen inneren Wert von 207 Euro - das entspricht einem Kurspotenzial von 74 Euro. Goldman Sachs prognostiziert den Wolfsburgern gar einen Preis in zwölf Monaten von extrem optimistischen 261 Euro pro Aktie. Im Schnitt sehen die 30 VW-Analysten ein Kursziel von 175 Euro.

Ähnlich euphorisch sieht Goldman das Kurspotenzial von Daimler mit 87 Euro. Das würde einer Verdopplung des aktuellen Kurses gleichkommen. Auch Dudenhöffer kann Daimler einiges abgewinnen: "Während bei BMW und Volkwagen schon viele positive Nachrichten im Kurs eingepreist sind, gibt es bei Daimler sehr viel positives Überraschungspotenzial.“ So produziert Daimler seit kurzem in Ungarn und gewinnt Kostenvorteile durch die Kooperation mit Renault-Nissan. Mit der Zweckehe schafft Daimler-Renault eine gemeinsame Basis für einen Kleinwagen, der bei Daimler als Smart und bei Renault als Twingo vom Band laufen soll.

Matejka bleibt trotzdem skeptisch: "VW ist strategisch besser aufgestellt. Da kann Daimler einfach nicht mithalten.“ Die Schwaben haben allerdings noch einen Vorteil: In China gibt es Aufholpotenzial. Während Audi 2011 rund 24 Prozent aller Pkws in China absetzte, waren es bei Mercedes lediglich 16 Prozent. Die Universität Duisburg-Essen geht davon aus, dass sich der chinesische Automarkt 2012 zwar abkühlt, aber trotzdem um rund 5 Prozent zulegen wird (siehe Grafik ).

BMW weiter die Nummer 1?

BMW ist zwar bestens aufgestellt, aber das ist längst bekannt. Matejka: "Die Bayern haben das Problem der Alternativlosigkeit. Fast alle BMW schauen gleich aus.“ Professor Dudenhöffer sieht die Lage der Bayern etwas entspannter: "BMW ist mit Mini und Rolls-Royce sehr gut aufgestellt. Audi wird versuchen, an BMW vorbeizuziehen, das aber nicht schaffen.“ Die Münchner haben bei der Entwicklung von sehr leichten Carbon-Karosserien die Nase vorn. Die Kooperation mit Toyota soll helfen, die Entwicklung der Hybridtechnik voranzutreiben. Im Gegenzug bekommt der ebenfalls in Familienbesitz stehende Autokonzern Toyota Zugang zu der Leichtbauweise von Karosserien.

Aktien anderer europäischer Hersteller wie Fiat oder Renault bläst jedoch ein deutlich rauerer Wind entgegen. Wer auf die kleinen Autobauer setzt, fährt wohl mit Renault besser. Vor allem die Billigschiene Logan verschafft den Franzosen Zugang zum indischen und russischen Automarkt. Eric Heymann, Autoanalyst Deutsche Bank Research: "China ist Indien um 15 Jahre voraus und deswegen auch viel wichtiger für den Absatz von Luxus- und Mittelklassewagen. In Indien punkten eher Marken wie Renault mit Billigautos.“ Fiat hingegen fehlt das Geld zur Expansion. Dudenhöffer: "Investitionen werden laufend nach hinten verschoben. Dem Konzern fehlt einfach die Schlagkraft, Neues umzusetzen.“

Fazit: Die nahezu ident hohe Qualität und die soliden Gewinne samt hoher Dividendenrenditen machen das Investment in Audi, BMW oder Daimler letztlich zur Geschmackssache. Die drei Marken unterscheiden sich nur in sehr feinen Nuancen voneinander.

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