Streit um Therme Bad Gleichenberg endet im Konkurs

Streit um Therme Bad Gleichenberg endet im Konkurs

Strabag-Chef Haselsteiner schickte die Besitzgesellschaft des Medizin-Resorts Bad Gleichenberg nach Streit in Konkurs.

Reinhard Hohenberg zählt in der Steiermark zur Wirtschaftsprominenz. Der 71- jährige Anwalt unterhält in Graz nicht nur eine angesehene Großkanzlei, sondern betreibt vor allem auch vier prosperierende Immobilienunternehmen. Kaum ein größeres Sanierungsprojekt oder Gemeinde-Bauvorhaben im Land geht ohne den juristisch beschlagenen Immobilien-Multi über die Bühne. "Hohenberg ist ein intelligenter Fallensteller, der nur eine Beute jagt, das sind steirische Bürgermeister; ihnen stellt er sich als Retter der Region vor, um verwertbare Immobilien zu lukrieren“, beschreibt ihn der grüne Landtagsabgeordnete Lambert Schönleitner.

Guter Beginn

Als "Retter“ der veralteten Therme Bad Gleichenberg hatte sich Hohenberg vor Jahren auch dem Land Steiermark angedient. Die Region sollte mit einem modernen Neubau neue wirtschaftliche Impulse erhalten. Hohenberg erwarb dazu um wohlfeile 3,4 Millionen Euro vom Land die Aktienmehrheit an der Therme und brachte sie unter dem Dach seiner HGI AG ein, wo etwa auch Ex-Magna-CEO Siegfried Wolf Gesellschafter war. Für das ehrgeizige Vorhaben holte sich die HGI in der Folge mit dem Gesundheitsökonomen Christian Köck, 54, und Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner, 68, weitere finanzkräftige Investoren an Bord. Köcks Health Care Company (HCC) übernahm überdies als Betreiber die Führung des neu errichteten "Life Medicine Resort“. Die Eigentumsanteile an der 56 Millionen Euro teuren Immobilie wurden in der Kappa Thermenbeteiligungs GmbH gebündelt.

Der Thermenbetrieb gestaltete sich anfangs schleppend. Die Ausrichtung auf Privatpatienten griff nicht, die vorgesehene Jahrespacht von 3,5 Millionen Euro an die Kappa war nicht zu verdienen. Verhandlungen um Pachtreduktionen endeten, so Köck, stets im Streit mit Hohenberg.

Zum Showdown kam es rund um die Verhandlungen mit der Hypo Alpe Adria um den aushaftenden Bankkredit von 35 Millionen Euro, der für die Errichtung des Resorts aufgenommen worden war. Die Kappa-Gesellschafter konnten den Kredit zwar auf 18 Millionen herunterhandeln, aber Hohenberg war das zu wenig. "Er wollte weiterpokern“, sagt Köck, "und gefährdete damit die bereits fixe Vereinbarung.“ Für Haselsteiner war das der Zeitpunkt, zu handeln. "Wenn sich jemand Handschlagqualität vom Mitgesellschafter wünscht und das Gegenteil bekommt, bleibt nur die Trennung.“

Konkursantrag

Die erfolgte jetzt. Haselsteiner und Köck zahlten die aushaftenden 18 Millionen, stellten Konkursantrag für die Kappa und wurden damit Gläubiger des Mitgesellschafters Hohenberg. "Wer den Kredit hält, ist Eigentümer der Immobilie, die Kappa ist als Beteiligungsgesellschaft wertlos“, sagt Köck. Die Partner wollen nach der Konkursabwicklung das "Life Medicine Resort“ kaufen und allein weiterführen. Denn seit der Umstellung auf sozialversicherte Patienten weist das Resort mittlerweile eine Auslastung von 97 Prozent auf.

Hohenbergs Kritiker in der Steiermark sehen in dem Haselsteiner-Schachzug einen längst fälligen Schuss vor den Bug für einen Mann, der Hindernisse oft skrupellos aus dem Weg räume. "Im Ausnützen von Lücken im Rechtssystem ist Hohenberg Weltmeister“, sagt der grüne Grazer Ex-Gemeinderat Hermann Kandussi. Geschlagen gibt sich der Anwalt auch jetzt nicht. Er brachte Rekurs gegen den Konkurs ein. Hohenberg erkennt lediglich eine Restschuld der Kappa von rund fünf Millionen an: "Ich denke daher nicht daran auszusteigen, man kann die Kappa weiterführen.“ Er hofft auf Unterstützung durch das Land Steiermark, das Fördermittel für das Projekt gewährt hatte und sich dem Rekurs anschloss - mit anwaltlicher Vertretung von Hohenberg, der von einer Notfallsmaßnahme spricht: "Mittlerweile ist das Vollmachtsverhältnis mit dem Land gelöst.“ Der Streit vor Gericht geht jetzt weiter.

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