Loewe steht vor der Pleite – im Mai ist das Grundkapital aufgezehrt

Loewe steht vor der Pleite – im Mai ist das Grundkapital aufgezehrt

Die Zuversicht bei Loewe währte gerade einen Monat. Ende März hoffte der neue Chef des traditionsreichen TV-Geräteherstellers noch auf ein kleines Umsatzplus in diesem Jahr. Doch daraus wird wohl nichts werden.

Am Donnerstagabend musste Matthias Harsch überraschend schlechte Quartalszahlen einräumen und vor allem in einer Pflichtmitteilung ankündigen, dass die Verluste bereits Ende Mai die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt haben werden. Die Erlöse, schreibt der Konzern, werden nun auch 2013 sinken, der Verlust wird größer. Und die Luft für Loewe wird dünn.

Die Mitteilung ist eine gesetzliche Pflicht, die zwar zunächst keine direkten Folgen hat außer der Verpflichtung, eine Hauptversammlung einzuberufen. Sie offenbart aber, wie ernst es um den seit Jahren in der Krise steckenden Konzern steht. Die Anleger reagierten geschockt: Am Freitag brach der Kurs der ohnehin nicht besonders glänzenden Loewe-Papiere zeitweise um ein Drittel auf unter 2 Euro ein. Matthias Harsch muss nun rasch frisches Kapital auftreiben. Er werde alles prüfen, von einer Kapitalerhöhung bis hin zur Suche nach Investoren, die bei Loewe einsteigen wollen.

Doch auch das dürfte kein einfacher Weg werden, denn für beide Varianten braucht es Geldgeber, die an die Zukunft von Loewe glauben. Angesichts der Lage auf dem Markt für Unterhaltungselektronik keine leichte Aufgabe. Dort herrscht eine schier übermächtige Konkurrenz aus Asien, die größere Mengen zu immer geringeren Preisen fertigt. Samsung oder Panasonic steht auch in Deutschland auf vielen Geräten. Hierzulande sind von der früheren Pracht nur Loewe und Metz übrig. Marken wie Normende, Saba oder Grundig sind verschwunden oder an ausländische Massenhersteller verkauft worden.

Trend verschlafen

Neben dem scharfen Wettbewerb hat Loewe auch Fehler gemacht. Zu lange hielten die Oberfranken dem Röhrenfernseher die Treue und sprangen spät auf den Trend zu flachen LCD-Geräten auf. Loewe setzte alle Hoffnungen in eine Premium-Strategie: Moderne Technik und vor allem edles Design sollen höhere Preise rechtfertigen. Doch die Nischenstrategie, die in der Autoindustrie etwa bei BMW oder Audi aufgeht, ist nicht ohne Risiko. Freiwillig greifen Kunden selten für ein TV-Gerät tiefer in die Tasche als nötig. Ein Fernseher ist längst kein Statussymbol mehr, und auch die Rivalen haben beim Design nachgelegt. Auch der Vorstoß in die Audio-Technik als neuen Geschäftsbereich brachte keine Wende.

Loewe hält aber eisern am Premium-Geschäftsmodell fest, will weiter in neue Produkte investieren und viel Geld in Werbung stecken. "Alle unsere Produkt- und Kommunikationsmaßnahmen sind auf Nachhaltigkeit und die Stärkung der Premiummarke Loewe ausgelegt, werden jedoch erst im zweiten Halbjahr ihre vollständige Wirkung entfalten", erklärte Harsch. Den harten Wettbewerb auf der Preisseite können die verbliebenen deutschen Hersteller ohnehin nicht aufnehmen. "Wenn Sie auf Preiskampf setzen, haben Sie schon verloren, denn es gibt immer einen in Asien, der billiger ist", sagte Metz-Pressesprecher Thomas Hey vergangenes Jahr.

Die Krise in vielen Ländern Europas macht das Geschäft noch schwieriger, zudem ist der Wachstumsboom bei TV-Geräten wohl erstmal vorbei. In vielen deutschen Wohnzimmern stehen schon moderne Flachbildfernseher. In den ersten drei Monaten dieses Jahres, schreibt Loewe, sei hierzulande der Markt für LCD-TVs in den ersten drei Monaten um 19 Prozent geschrumpft. "Bei den für Loewe wichtigsten Handelspartnern, dem qualifizierten Fachhandel, fiel der Rückgang mit 37 Prozent noch deutlich höher aus."

Möglicher Retter: Apple?

Um der eigenen Kosten Herr zu werden, kündigte Loewe jüngst jeden fünften der knapp 1000 Mitarbeiter, die übrigen verzichten auf bis zu 10 Prozent ihres Gehalts. Die IG Metall war sich bereits bei der Einigung auf dieses drastische Programm nicht ganz sicher: "Ich gebe zu: Das Prinzip Hoffnung spielt hier eine große Rolle", sagte Jürgen Apfel von der IG Metall damals.

Als möglicher Retter wurde in Medienberichten schon zwei Mal Apple gehandelt - der iPhone-Konzern arbeitet angeblich an einem Einstieg ins Geschäft mit TV-Geräten. Doch die Spekulationen über ein Übernahmeangebot wurden stets dementiert. Und der Großaktionär Sharp, der knapp 30 Prozent von Loewe hält, kämpft selbst ums Überleben.

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