Doppelmühle zwingt oberösterreichische Encos in die Knie

Doppelmühle zwingt oberösterreichische Encos in die Knie

Rohstoffpreissteigerungen und der Preisdruck aufgrund der europaweiten Auftragsneuvergabe durch einen Großabnehmer haben der oberösterreichischen Encos HandelsgmbH arg zugesetzt. Jetzt wurde am Landesgericht Wels ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet.

Betroffene Dienstnehmer: 30 (22 Arbeiter, 8 Angestellte)
Betroffene Gläubiger: rd. 103
Höhe der Passiva: rd. 2,9 Mio. €
Höhe der Aktiva: rd. 2,6 Mio. €
Insolvenzursache: Rohstoffpreissteigerungen, Preisdruck aufgrund der europaweiten Auftragsneuvergabe eines Großabnehmers

So weit die äußeren Eckdaten zum Sanierungsverfahren bei der in Wels beheimateten Encos HandelsgmbH.

Dahinter verbirgt sich jedoch ein Drama, das zeigt wie leicht der Wegfall eines Großabnehmers zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten führen kann.

1977 gegründet produziert und handelt das Unternehmen mit chemischen Erzeugnisse, wie Weichspüler, Geschirrspül- und Reinigungsmittel für den Haushalt, kosmetische Artikel, wie Schaumbäder und Shampoos sowie Reinigungsmittel für Maschinen in der Holz- und Kfz-Industrie. Laut Aussendung des KSV1870 war die wirtschaftliche Situation lange Zeit gut. Selbst die Wirtschaftskrise der Jahre 2009/10 konnte die Firma relativ unbeschadet überstehen.

Ab 2011 gab es dann eine Umsatzrückgang. Der Grund: Eine bekannte Supermarktkette und bisheriger Großabnehmer hat ab diesem Jahr seine Aufträge europaweit vergeben. Aufgrund von Einstiegspreisen anderer Firmen kam es zu einem Auftragsrückgang.

Dem nicht genug, stiegen die Rohstoffpreise für wichtige Produktbetsandteile. Auf Grund von vereinbarten Fixpreisen mit den Abnehmern kam es in der Folge zu massiven Verlusten. Als Beispiel wird etwa die Entwicklung bei Äthersulfat angeführt, dessen Preis sich verdoppelt hat. Eine Preissteigerung, die allerdings nicht weitergegeben werden konnte. Bei einem zweiten Rohstoff habe die Schließung eines Lieferanten in Europa dazu geführt, dass der allein verbliebene Leiferant seine Marktmacht nützt um höhere Rohstoffpreise durchzusetzen.
Aus der Originalaussendung des KSV1870: "Das Geschäft der schuldnerischen Unternehmung erfordert eine große Vorfinanzierung dieser Rohstoffe. Da Kundenforderungen schleppend eingingen, war es nicht mehr möglich, den Rückstand bei den eigenen Rohstofflieferanten zu begleichen, was den Verlust langfristiger Zahlungsziele bei den eigenen Lieferanten nach sich zog und schließlich in der Zahlungsunfähigkeit endete.

Laut Insolvenzantrag sind die Voraussetzungen für eine Unternehmensfortführung trotzdem gegeben, zumal erhebliche Warenvorräte zur Auslieferung bereit stehen, viele namhafte Handels- und Supermarktketten zu den Kunden zählen und der Abbau von Teilbereichen auch die nötige Kostenersparnis ermöglichen soll.

Den Gläubigern wird laut Eröffnungsantrag eine Sanierungsplanquote von 20 %, zahlbar in 4 Raten in Höhe von jeweils 5 %, erstmals binnen 4 Wochen, binnen 12 Monaten, binnen 18 Monaten und letztmalig binnen 24 Monaten, jeweils ab Annahme des Sanierungsplanes, geboten."

Betroffene Gläubiger können ihre Forderungen zu diesem Insolvenzverfahren über den KSV1870 bis zum 10.9.2012 anmelden.

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