"Wir werden einen sehr heißen Sommer erleben"

"Wir werden einen sehr heißen Sommer erleben"

In einer europäischen Bankenunion würden auch heimische Institute unter die Räder kommen, meint Herbert Stepic.

FORMAT : In Spanien wird erstmals von einer Bankenkrise, nicht von einer Schuldenkrise des Landes gesprochen. Beunruhigt Sie das als Banker?

Herbert Stepic: Natürlich freut mich das nicht. Der Begriff Bankenkrise klingt bedrohlich. Man darf das Thema nicht wegwischen. Aber man muss es genau betrachten. Die Banken haben in Spanien zu sehr in die Bauwirtschaft investiert. Da hätte jemand einmal sagen müssen: Stopp - das ist ein Klumpenrisiko. Das können wir in diesem Ausmaß nicht verkraften.

Und daran ist die Politik schuld …

Herbert Stepic: Es ist nicht mein Ziel, jetzt von den Banken abzulenken und auf die Politik hinzuhauen, gerade im Gegenteil. Aber ich bin der Meinung, die Verantwortung hält sich ziemlich die Waage. Wenn es ein Land nicht schafft, eine Arbeitslosigkeit von 48 Prozent in den Griff zu bekommen, dann läuft etwas massiv falsch. Spanien hat eine fehlgeleitete Strukturpolitik, die von den kleinen, lokalen Banken mitvollzogen wurde.

Wenn man das Beispiel der spanischen Banken jetzt auf Europa umlegt: Wer wird dem Einhalt gebieten? Soll das in Zukunft auf nationaler oder auf europäischer Ebene geschehen?

Herbert Stepic: Klar ist, dass es jetzt zu einer Konsolidierung des Bankensektors kommt. Die Pläne der Europäischen Union sehen ja zum Beispiel eine Fiskalbehörde vor, die sich darum kümmert, wie das jeweilige Land wirtschaftet, wie es budgetiert. Und es soll auch eine Bankenunion geben, die dafür sorgt, dass die Banken innerhalb der EU nach den gleichen Kriterien verwaltet werden. Ich möchte aber betonen, dass es keinen Sinn macht, über eine Bankenunion zu sprechen, bevor die politischen Rahmenbedingungen für eine Fiskalunion geschaffen wurden. Wir teilen daher die ablehnende deutsche Sichtweise.

Wird durch eine Bankenunion die Zahl der Banken geringer werden?

Herbert Stepic: Wenn wir einen gemeinsamen Euro haben wollen, dann müssen wir in diese Richtung gehen. Und die Schritte dorthin führen über eine Fiskalunion und ein stärkeres Zusammenwachsen der Banken. Welche Nachteile es dadurch gibt, ist eine andere Frage. Gerade unser Konzern ist ein Beispiel für eine erfolgreiche dezentrale Strategie. Aber vielleicht hat das auch mit dem Management zu tun.

Das heißt, auch Raiffeisen wird sich der Aufgabe der Eigenständigkeit nicht verschließen?

Herbert Stepic: Es wird eine einheitliche Einlagensicherung, eine einheitliche Bankenaufsicht, einen zentralen Rettungsfonds für das Auffangen von Banken geben. Es wird eine einheitliche Regelung zur Abwicklung von Banken geben. Staaten müssen dann nicht länger diese Banken auffangen.

Das heißt, es wird zu einem großen Ausleseprozess unter Europas Kreditinstituten kommen?

Herbert Stepic: Das sehe ich prinzipiell so.

Und wie viele der 4.000 Banken in Europa werden diesen Prozess überleben? Wie viele werden zusperren müssen?

Herbert Stepic: Da wage ich keine Prognose. Wie viele es sein werden, kann ich nicht sagen. Es gibt aber ein Beispiel, das gut vergleichbar ist: Russland - das größte Land unseres Heimmarktes. Dort gab es noch vor drei Jahren rund 1.300 Banken. Und in den vergangenen Jahren mussten dort aufgrund der Krise 350 Banken geschlossen, fusioniert, konsolidiert oder vom Markt genommen werden.

Und das wird in Europa genauso sein?

Herbert Stepic: Alle Länder, alle Steuerzahler haben das gleiche Problem: Wieso soll ich mich an einer Bankensanierung beteiligen müssen? Noch dazu, wenn ich nach geraumer Zeit den Sinn der Sanierung nicht sehe.

Ein Bankenfonds wäre eine Lösung für dieses Problem?

Herbert Stepic: Das ist einer der Vorschläge, die in der EU jetzt diskutiert werden. Mit so einem Fonds ist die Möglichkeit, auf nationaler Ebene zu intervenieren, um eine Bank zu erhalten, die nicht mehr erhaltenswert ist, deutlich geringer. Ich bin überzeugt davon, dass sich dadurch der Bereinigungsprozess bei den Banken beschleunigen wird.

Das würde für Österreich bedeuten, dass die drei verstaatlichten Banken, Hypo Alpe Adria, Kommunalkredit und ÖVAG, verschwinden?

Herbert Stepic: Das würde es wahrscheinlich heißen.

Es wird nun auch darüber nachgedacht, bei Banken das simple Einlagen- und Kreditgeschäft von den hoch riskanten Geschäften mit Derivaten und dem Investmentbanking zu trennen, um den Sparern nicht das Gefühl zu geben, dass mit ihren Einlagen gezockt wird.

Herbert Stepic: Es gibt dazu eine Arbeitsgruppe in der EU. Ich persönlich halte das aber nicht für sinnvoll. Wir sollten weiterhin ein Universal- und Mischbankensystem haben. In den USA werden 80 Prozent der Unternehmen über die Börse finanziert und 20 Prozent über Kredite. In Europa ist das genau umgekehrt. Durch Basel III sehe ich das Problem, dass kleine Unternehmen nicht so leicht zur Geldbeschaffung am Kapitalmarkt umerzogen werden können. Wenn es also zu einer derartigen Trennung im Bankengeschäft kommen würde, gäbe es eine wesentliche Benachteiligung des europäischen Bankenplatzes.

Wie erklären Sie aber einem Menschen, der Angst um sein Geld hat, was er jetzt tun soll?

Herbert Stepic: Was soll mit unserem Geld passieren? Wir haben den Euro und werden den Euro auch weiter haben. Es gibt de facto keine Alternative zum Euro. Es bringt nichts, in Dollar oder Yen zu gehen. Der Euroraum ist nach den USA weltweit zum zweitgrößten Wirtschaftsraum geworden. Er hat wesentlich bessere Daten als die USA. Die Bruttostaatsverschuldung im Euroraum liegt bei 88 Prozent, in den USA bei 102 Prozent, in Japan bei 229 Prozent. Die Fundamentaldaten sprechen eindeutig für den Euro. Und die Währung ist das Spiegelbild der volkswirtschaftlichen Situation. Daher bin ich der Meinung, dass die europäischen Banken durchaus solide sind. Aber ich gebe zu, dass es einen Konsolidierungsprozess geben wird, der noch nicht abgeschlossen ist.

Angenommen, Griechenland steigt aus dem Euro aus. Welche Auswirkungen hätte das auf die Banken?

Herbert Stepic: Die Auswirkungen eines möglichen Euroaustritts, den ich auch nach den Wahlen am 17. Juni immer noch mit 50:50 sehe, auf die Bankenkonsolidierung werden gering sein. Das Thema Schulden, der Haircut für private Gläubiger - und das sind Banken ja -, ist eigentlich schon gegessen. Es gibt heute in etwa eine Summe von 40 Milliarden Euro an Forderungen, die noch nicht abgeschrieben sind. Das betrifft private Gläubiger, sprich EU-Banken. Diese Größenordnung spielt keine wesentliche Rolle mehr. Die Auswirkungen werden rein wirtschaftlich sein und an den Börsen einige Zeit für Beunruhigung sorgen. Wir werden einen sehr heißen Sommer erleben, falls Griechenland aus dem Euro austritt. Und es wird zu hohen Volatilitäten bei den Anleihen kommen.

Kann Griechenland einen Austritt ohne fremde Hilfe schaffen?

Herbert Stepic: Es wird durch die Beunruhigung der Märkte wieder die Notwendigkeit geben, dass die EZB mit einer Liquiditätshilfe eingreift. Das ganze wirtschaftliche Umfeld wird im Sommer und im Frühherbst davon betroffen sein. Es wird also eine neuerliche Kapitalspritze durch die EZB notwendig sein.

Wie kann der Ausstieg im Detail ablaufen?

Herbert Stepic: Ein Teil der Griechen will beim Euro bleiben, aber nicht das strenge Sparpaket, das mit der EU vereinbart wurde, annehmen. Also könnte es zu einem Bruch und zum Ausscheiden kommen. Dann gäbe es einen Bank-Run auf die griechischen Kreditinstitute. Der würde zu einer enormen Vermögensvernichtung in Griechenland führen. In der Folge würden auch jene griechischen Banken in Probleme geraten, die jetzt noch gesund sind. All das würde die gesamte Wirtschaft über Monate verunsichern.

Sie sprechen nur von Monaten?

Herbert Stepic: Unsere Szenario-Berechnungen gehen von Sommer und Herbst aus. Die Situation sollte im Wesentlichen Ende des Jahres, Anfang des kommenden Jahres ausgestanden sein. Die Auswirkungen auf die Strukturbereinigung der übrigen Banken in Europa würdeN gering sein.

Aber griechische Banken sind ja auch in osteuropäischen Ländern vertreten, in denen auch die RBI engagiert ist.

Herbert Stepic: Griechische Banken gibt es in drei Ländern des Balkanraumes - in Bulgarien, Albanien und Rumänien. Wobei der Anteil in Bulgarien mit rund 20 Prozent der höchste ist. Die Situation sehe ich auch dort relativ entspannt. In den vergangenen zwei Jahren wurden dort starke Maßnahmen zur Stabilisierung des Bankenmarktes gesetzt. Und zwar unabhängig davon, ob es sich um eine österreichische, griechische oder italienische Mutter handelt. Und wir haben bereits viele Kunden griechischer Banken übernommen.

Das heißt, Sie verdienen auch am Griechenland-Problem?

Herbert Stepic: Wir profitieren von der Flucht zur Qualität. Gute Kunden haben einen sicheren Hafen gefunden.

Seit dem Ausbruch der Krise 2008 musste die EU taumelnden Banken mit 4.500 Milliarden Euro zur Seite stehen. Das sind 37 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung der EU. Wie erklärt man das den Menschen, dass sie in den vergangenen Jahren zu einem Drittel für die Rettung der Banken gearbeitet haben?

Herbert Stepic: Ich möchte nicht unreflektiert eine Lanze für die Banken brechen, aber es gibt Banken, die aufgrund einer verfehlten Politik in Probleme gekommen sind. Da habe ich völliges Verständnis, wenn private Sparer sehr schlecht auf diese Banken zu sprechen sind. Aber die meisten Banken haben eine seit Jahrzehnten nachvollziehbare Geschäftspolitik betrieben - und kommen jetzt zum Handkuss.

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