"Wir wären schon drei Jahre tot"

"Wir wären schon drei Jahre tot"

Kollaps der griechischen Banken ist nach Ansicht von Rothensteiner keine Gefahr für österreichische Institute

RZB-Chef Walter Rothensteiner hat am Mittwoch Befürchtungen zurückgewiesen, dass nach einem Kollaps der griechischen Banken die Osteuropa-Töchter der heimischen Banken die nächsten sein könnten.

Die Kollegen in den Ostbanken wüssten seit Jahren um ihre Griechenland-Risiken, seien entsprechend vorbereitet. Laut Rothensteiner besteht deshalb keine Sorge, dass aus dem Thema ein Flächenbrand in Osteuropa erwachsen könnte, wie er im Klub der Wirtschaftspublizisten sagte. Nachsatz: In Österreich schon gar nicht.

Der SP-Fraktionsführer im EU-Parlament, Hannes Swoboda, hat in der ZiB2 am Dienstagabend erklärt, man müsse darauf schauen, dass die Griechen in der Eurozone bleiben. "Warum? Weil sonst die rumänischen Banken fallen. Wenn die rumänischen Banken fallen und ungarische und andere, dann fallen auch manche österreichischen Banken oder kommen zumindest in reale große Schwierigkeiten", warnte Sowobda. Das sei wirklich eine ernsthafte Sache gerade auch für die österreichische Finanzwelt.

Austritt ist teurer

Rothensteiner hielte einen Austritt Griechenlands für viel teurer als weitere Unterstützung zum Verbleib. Fakt sei, dass man "seinerzeit über das Einstiegsszenario hätte nachdenken sollen". Die Griechen jetzt hinauszustoßen, löse keines der Probleme.

Was Italien betrifft, so meint der RZB-Chef, man könne "ein Land leicht ins Schleudern bringen, wenn man pausenlos etwas Negatives dazu sagt". Offenbar machten einige Spekulanten Italien vorsätzlich schlecht. Zu Aussagen von Finanzministerin Maria Fekter (V), die nicht ausgeschlossen hatte, dass Italien wegen seiner hohen Zinslast Europahilfe brauchen könnte, meinte Rothensteiner, die Ministerin sitze in Brüssel in diversen Gremien und sei nicht die einzige, die so rede. "Das haben auch ein paar andere gesagt". Der Banker hält die Ängste um Italien für unnötig.

Hysterie statt Fakten

Ansonsten ortet er dazu jede Menge Hysterie: "Nur wegen einer Aussage in in der ZiB2 bricht Italien auch nicht auseinander." Im übrigen "wären wir nach Krugman schon drei Jahre tot". Zur Erinnerung: 2009 hatte der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Paul der Krugman davor gewarnt, dass Österreich wegen des Osteuropa-Risikos der drei Großbanken in Pleitegefahr sei.

Rothensteiner ist überzeugt, dass die bis zu 100 Mrd. Euro, die Spanien jetzt für seine Banken vom Euro-Rettungsschirm bekommt, nicht verloren sind. Die Banken müssten für das Geld ja auch ordentlich Zinsen zahlen. Auch Spanien habe einige gute Großbanken.

Ausgeschlossen hat Rothensteiner, dass eine der österreichischen Großbanken wegen der von der europäischen Aufsicht vorgegebenen Kapitalziele irgendwelche Probleme bekommt. Raiffeisen habe die 9-Prozent-Vorgabe jetzt schon erfüllt. Eine Kapitalerhöhung bei der Raiffeisen Bank International (RBI) sei heuer weiter kein Thema.

Skepsis zu Bankenunion

Skepsis äußerte Rothensteiner, der auch Bankenobmann in der Wirtschaftskammer ist, zu den EU-Vorhaben einer Bankenunion. Er könne sich schwer vorstellen, dass österreichische Sparer für die griechischen Sparer haften wollten, meinte er zu einer zentralen europäischen Einlagensicherung, an der jetzt "herumgedoktert" werde. Er wäre dafür, dass es bei den in Österreich praktizierten Einlagensicherungen bleibt. Eine Bankenunion gehört für ihn an den Schluss einer Finanzunion und nicht an den Anfang. Ein Bankeninsolvenzrecht mit Abwicklungsszenarien für systemrelevante Häuser - das laut Raiffeisen in Österreich im Wesentlichen nur für die fünf größten Institute beträfe - müsse europaweit nach einheitlichen Kriterien kommen.

Auf Fragen, wie lang die Krise noch dauert, ging der Banker nicht ein. Der Durchschnittsösterreicher habe von der Krise noch nicht viel mitgekriegt. "Wenn er Pech hatte, hat er Wertpapiere gehabt, die nichts wert sind, aber das kann auch außerhalb der Krise passieren."

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