"Viel tiefer kann es nicht mehr gehen"

"Viel tiefer kann es nicht mehr gehen"

Die Aktienexperten der Erste Group Bank sind für die an der Wiener Börse gelisteten großen österreichischen Unternehmen leicht positiv eingestellt.

Der ATX, der die Performance der 20 größten börsenotierten Firmen misst, sollte sich bis Jahresende trotz des volatilen Umfeldes von derzeit 1.970 leicht zweistellig auf 2.200 Punkte verbessern. Dominierender Faktor für die ATX-Unternehmen bleibe die Region Osteuropa, die laut Erste positiv überrascht. Die globale Verschuldungsproblematik sollte weiter belasten. Zu den Top-Picks der Erste zählen derzeit Immofinanz, Kapsch TrafficCom, Lenzing, OMV, Polytec und RHI.

Eine "Sommer-Rally" sei heuer eher unwahrscheinlich, es werde eher eine "Sommerflaute" geben, meinte Erste-Chef-Analyst Friedrich Mostböck am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien. Dazu seien die Umsätze zu gering. Dagegen hält Mostböck ab Herbst eine Jahresend-Rally für wahrscheinlich, eine leichte Verbesserung des Sentiments sollte dann die Erholung unterstützen.

Im bisherigen Jahresverlauf hat sich der ATX mit plus 4 Prozent leicht positiv entwickelt, dies jedoch bei äußerst schwachen Handelsumsätzen. Aber auch international entwickelten sich die Börsenumsätzen unterdurchschnittlich, so Mostböck. Im ersten Halbjahr habe sich die schlechtere Performance von Ländern mit hohen Staatsschulden fortgesetzt. Für die globalen Investoren werde die Länder-Betrachtung weiter ein Thema bleiben. Auch davon könnten die Aktienmärkte in Österreich und Osteuropa profitieren.

Unter Renditegesichtspunkten seien Aktien nach wie vor attraktiver als Rentenpapiere. Der Spread zur zehnjährigen Bundesanleihe auf Basis des prognostizierten KGV 2012/13 liege mit 1.120 Basispunkten auf "massiv erhöhtem Niveau", so CEE-Chefanalyst Günther Artner.

Günstige Bewertung

Für österreichische Aktien spricht laut den Erste-Experten neben der weiterhin attraktiven Bewertung - erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): 8,2 für 2012 bzw. 7,0 für 2013 - auch ein klar zweistellig prognostiziertes Gewinnwachstum von 17,8 bzw. 14,5 Prozent. Profitieren sollten die heimischen Unternehmen zudem von der relativ besseren Verschuldungssituation Österreichs und wesentlicher CEE-Länder, in denen rund 80 Prozent der ATX-Firmen tätig seien. 30 Prozent der Umsätze und 35 Prozent der Erträge kämen im Schnitt aus dieser Region. Die in Osteuropa besser als in der Eurozone erwartete wirtschaftliche Entwicklung sollte sich somit ebenfalls positiv auswirken.

Die globale wirtschaftliche Stimmung sollte weiter labil bis angespannt bleiben. Die noch immer ungelöste Verschuldungsproblematik werde die Märkte weiterhin belasten, auch wenn der VIX-Index, der "Angstindikator" der Wall Street, sich aktuell wieder am historischen Durchschnitt bewege. Sogar der US-Notenbank würden derzeit Antworten fehlen, nachdem nicht einmal das niedrige Zinsumfeld geholfen habe.

Nachdem sich die ATX-Gewinnschätzungen aufgrund der Wirtschaftsabschwächung seit Mai deutlich rückläufig zeigten, erwartet Artner für 2013 wieder ein zweistelliges Gewinnwachstum. Das KGV sei klar von der Eurokrise gedrückt und liege mit aktuell 8,8 unter dem historischen Schnitt von 11,8. Hier sei schon vieles eingepreist, so Artner. Rein theoretisch sei der ATX um 45 Prozent unterbewertet.

"Heute ist es deutlich weniger riskant, in Aktien zu gehen, als 2005 oder 2006", so Artner. So liege derzeit etwa der ATX-Buchwert 20 Prozent unter dem ATX. "Viel tiefer kann es nicht mehr gehen", meinte Artner. 2005/2006 lag der ATX noch doppelt so hoch wie der Buchwert. Auch ein Vergleich der Dividendenrendite mit den Anleiherenditen spreche für Aktien: Während ATX-Aktien derzeit mit rund 4 Prozent rentierten, liege die zehnjährige Bundesanleihenrendite bei 2 Prozent.

Themen, mit denen man laut Artner wieder "Investoren hinter dem Ofen hervorholen kann": Qualitätsunternehmen mit internationaler Aufstellung - insbesondere hoher Anteil von Emerging Markets in Asien, profitables und stabiles Geschäftsmodell, Dividendenrenditen und Unternehmen mit Sachwertcharakter, um mögliche Inflationsgefahren abzusichern.

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