Schienenkartell: Voestalpine kommt glimpflich davon

Schienenkartell: Voestalpine kommt glimpflich davon

Der Stahlkonzern Voestalpine kommt im deutschen Schienenkartellverfahren relativ günstig davon. Das Unternehmen rechne im Hauptverfahren um die Deutsche Bahn mit einem Bußgeld von fünf bis höchstens zehn Millionen Euro vom Kartellamt, erklärte Firmenchef Wolfgang Eder am Mittwoch der Hauptversammlung in Linz.

Der entsprechende Bescheid werde der Voestalpine und den anderen Beschuldigten voraussichtlich in den nächsten Tagen zugestellt. Mögliche Schadenersatzforderungen der Deutschen Bahn sind in der Summe nicht enthalten.

Unternehmen wie Voestalpine und ThyssenKrupp werden verdächtigt, auf dem Schienenmarkt Preise abgesprochen und Aufträge verteilt zu haben. Damit sollen sie zum einen die Deutsche Bahn und zum anderen Privatbahnen geschädigt haben. Für die beiden Gruppen laufen beim deutschen Kartellamt zwei verschiedene Verfahren. Ein Sprecher von ThyssenKrupp betonte, der Mischkonzern sei an einer einvernehmlichen Lösung interessiert und stehe in Gesprächen mit den beteiligten Parteien. Ein Kartellamtssprecher verwies darauf, dass die Verfahren andauerten.

Die Voets hatte sich den Wettbewerbshütern als Kronzeugen angedient und so gehofft, eine teure Strafe abzuwenden. Das Kartellamt erkannte laut Voestalpine-Chef Eder diesen Kronzeugenstatus im wesentliche an. Daher reichten die bereits gebildeten Rückstellungen von 205 Millionen Euro für Bußgelder, mögliche Schadenersatzforderungen der Geschädigten und die Schließung des Schienenwerks in Duisburg voraussichtlich aus. Das zweite wesentlich kleinere Verfahren um Preisabsprachen bei Schienen für Privatbahnen zieht sich Eder zufolge voraussichtlich noch bis Anfang 2013.

Mittelfristig Zukäufe im Visier

Für das laufende Geschäftsjahr 2012/13 erwartet die Voestalpine weiterhin ein operatives Ergebnis (Ebit) auf dem um Sondereffekte bereinigten Vorjahresniveau von rund 900 Millionen Euro. Die größte Unsicherheit komme dabei nicht von der Euro-Schuldenkrise sondern durch die geringeren Wachstumsaussichten für China. "Jede negative Nachricht, die aus China kommt, drückt sofort auf die globalen Märkte", sagte Eder. Dennoch werde der Konzern über den Sommer die Kapazitäten nicht zurückfahren - auch nicht in der vom Abschwung am meisten betroffenen Stahlsparte.

Den Verschuldungsgrad will Eder in den kommenden zwei Jahren auf rund 40 von derzeit 53 Prozent senken, sagte er der "Börsen-Zeitung". Dann habe die Voestalpine auch wieder genügend Reserven für größere Investitionen und Zukäufe. Ziel sei es, den Konzern dann "relativ progressiv, vielleicht sogar aggressiv zu erweitern", sagte Eder der Hauptversammlung. Der letzte große Zukauf war die Übernahme des Spezialstahl-Herstellers Böhler-Uddeholf für rund vier Milliarden Euro in 2007/08.

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