Zentralbanken suchen neue Wege

Zentralbanken suchen neue Wege

In der kommenden Woche werden innerhalb von 24 Stunden die Federal Reserve, die Europäische Zentralbank und die britische Notenbank ihre geldpolitischen Entscheidungen bekannt geben.

Neben der Neuauflage oder Verstärkung bekannter Instrumente wäre auch denkbar, dass sie einen Teil der Kreditrisiken bei neuen Geschäften in ihre eigenen Bilanzen aufnehmen. Möglich wäre auch, dass Geschäftsbanken künftig für ihre Einlagen bei den Notenbanken bezahlen müssen.

Neue Strategien erscheinen im Vorfeld des fünften Jahrestages der Finanzkrise im August notwendig, zumal die Weltwirtschaft trotz der bisherigen Liquiditätsspritzen in Billionenhöhe und der rekordniedrigen Zinssätze nicht so recht in Gang kommen will. “Die Zentralbanken denken intensiv darüber nach, wie sie ihre Volkswirtschaften ankurbeln und Kredite in jene Wirtschaftsbereiche schleusen können, die es brauchen, aber nicht erhalten”, sagte Nathan Sheets, der den Bereich Internationale Wirtschaft von Citigroup in New York leitet.

Auf die Möglichkeit weiterer Maßnahmen hatten die Chefs der Zentralbanken der USA und des Euroraums bereits hingewiesen. Die US-Notenbank erwägt eine Reihe von Alternativen, die Geldpolitik falls notwendig weiter zu lockern, wie Fed-Chairman Ben Bernanke vor dem Bankenausschuss des Senats am 17. Juli sagte.

EZB-Präsident Mario Draghi versicherte am 26. Juli, die Notenbank werde alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. “Und glauben sie mir - es wird ausreichen”, fügte er hinzu. Die Äußerungen schürten Hoffnungen, die EZB könne ihre vor vier Monaten eingemotteten Käufe von Staatsanleihen wieder aufnehmen, um die Zinskosten der Euro-Krisenstaaten zu drücken, sagte Ken Wattret, Chefökonom für den Euroraum von BNP Paribas.

Weitere Zinssenkungen

Im Rahmen der konventionellen Geldpolitik sind im Euroraum und in Großbritannien weitere Zinssenkungen möglich. Wattret rechnet bei der EZB-Ratssitzung im September mit einer Leitzinssenkung um 25 Basispunkte auf 0,50 Prozent. Vertreter der britischen Notenbank sagten, sie würden unter Umständen eine Senkung des Leitzinses von 0,50 Prozent erwägen.

In den USA gibt es keinen Raum mehr für Zinssenkungen, der Zielsatz für die Fed Funds Rate liegt nahezu bei Null. Die US- Notenbank könne jedoch ihr Versprechen eines “außergewöhnlich niedrigen” Leitzinsniveaus zeitlich ausdehnen, bis Mitte 2015 von bisher Ende 2014, sagte Roberto Perli, geschäftsführender Direktor bei International Strategy & Investment Group in Washington und früher leitender Ökonom bei der Fed. Auch die EZB könne ein solches Niedrigzinsversprechen einführen, regte Ökonom Dirk Schumacher von Goldman Sachs in Frankfurt an.

Eine weitere Option der Notenbanken wäre die Verringerung des Zinssatzes auf Einlagen der Geschäftsbanken, damit die Banken ihre überschüssige Liquidität wieder in Umlauf bringen. Fed-Chairman Bernanke hat sich die Möglichkeit offen gehalten, den Einlagensatz von derzeit 0,25 Prozent zu verringern. Bislang sah er von dem Schritt ab - aus Sorge um eine Störung der Geldmärkte.

Die EZB hatte ihren Einlagensatz bereits Anfang Juli auf null verringert. Nach Einschätzung von BNP Paribas-Ökonom Wattret dürfte die EZB den Satz noch weiter auf minus 0,25 Prozent zurücknehmen. Die Banken würden somit für das Parken ihrer Mittel bei der Zentralbank bezahlen.

QE3?

Darüber hinaus könnten neue Programme zur quantitativen Lockerung eingeführt oder bestehende ausgeweitet werden. So erwartet JPMorgan Chase & Co., dass die britische Notenbank ihr Anleihenkaufprogramm weiter aufstocken wird, um die erste “Double-Dip“-Rezession im Lande seit den 1970ern zu überwinden.

Die Fed könnte der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit im Lande mit einer dritten Runde der quantitativen Lockerung (“QE3”) begegnen. Nach Einschätzung von Neal Soss, Chefökonom von Credit Suisse AG in New York, ist die Ankündigung dieses Schrittes bei der anstehenden Sitzung nicht sehr wahrscheinlich. Die Chance auf QE3 bei dem folgenden Treffen im September liege bei rund 60 Prozent. Im Rahmen des QE3 könne die Fed Hypothekenpapiere statt Treasuries aufkaufen, fügte Soss hinzu.

Die EZB kann ebenfalls dazu gezwungen sein, diesen Schritt zu erwägen, um die Deflation zu vermeiden, sagte Chefökonom David Owen von Jeffries International Ltd. in London. Seiner Einschätzung nach wird die EZB gegen Ende des Jahres mit Assetkäufen im Volumen von 500 Mrd. Euro beginnen.

Die Bank of England hat bereits einen kreativen Weg eingeschlagen, um die Kreditvergabe zu beleben. Die Banken des Landes erhalten im Rahmen des neuen “Funding for Lending”- Programms günstige Kredite gegen ein breiteres Spektrum von Sicherheiten, insofern sie die Mittel zur Kreditvergabe einsetzen. Für die Rückzahlung haben sie bis zu vier Jahre Zeit. Die Notenbank riskiert somit Bilanzverluste, falls die Sicherheiten in diesem Zeitraum an Wert verlieren oder die Banken Zahlungsprobleme bekämen.

Fed-Chairman Bernanke hat bereits Interesse an dem britischen Kreditprogramm gezeigt und angedeutet, die US- Notenbank könnte ihr Diskontfenster auf ähnliche Weise ausrichten. Sollte die Fed dem Vorbild der britischen Notenbank folgen, würde sie ebenfalls neue Risiken in ihrer Bilanz tragen.

Die EZB demonstrierte im vergangenen Monat, dass sie die Übernahme neuer Risiken nicht scheut, als sie die Mindestanforderungen an hypothekarisch gesicherte Wertpapiere lockerte, die als Sicherheit bei ihr hinterlegt werden. Die EZB könne ihre Ansprüche an die Kreditsicherheiten weiter zurückfahren, sagte Goldman Sachs-Ökonom Schumacher, indem sie entweder komplett auf Länderratings verzichte oder die Abschläge für Staatsanleihen mit schwächerer Bonität verringere, die als Sicherheiten genutzt werden.

Eine weitere Option für die EZB wäre die Wiederauflage langfristiger Refinanzierungsgeschäfte (LTRO), bei denen die Banken unbegrenzt Mittel aufnehmen können, erklärte Schumacher weiter. Die Gelder könnten zum Kauf riskanter Staatsanleihen genutzt werden, zum Beispiel von Spanien. Die Rendite zehnjähriger Spanien-Bonds hatte in dieser Woche ein neues Rekordhoch erreicht.

Trotz all der internen Diskussionen und zusätzlichen Risiken, die die Zentralbanken eingehen könnten, dürften die Währungshüter angesichts der hochverschuldeten Weltwirtschaft wohl auf verlorenem Posten kämpfen, erklärte Peter Fisher, Leiter festverzinsliche Anlagen bei BlackRock Inc. in New York. “Es liegt nicht klar auf der Hand, ob die Maßnahmen der Zentralbanken effektiv sind”, sagte John Stopford, Leiter für festverzinsliche Anlagen bei Investec Asset Management in London, “aber sie werden es weiter versuchen.”

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