Wenn "Super Mario" die "Dicke Bertha" auspackt, spielen die Börsen verrückt

Wenn "Super Mario" die "Dicke Bertha" auspackt, spielen die Börsen verrückt

Am Donnerstag muss EZB-Chef Mario Draghi Tacheles reden. Lässt er seiner Ankündigung, dass die EZB alles tun wird um den Euro zu retten, auch Taten folgen, so könnte es an den Börsen zu heftigen Kursauschlägen nach oben kommen, meinen Experten.

Notenbankchef Mario Draghi hat sich weit aus dem Fenster gelehnt: "Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, das wird ausreichen." Investoren rätseln nun darüber, was genau Draghi am kommenden Donnerstag im Anschluss an die EZB-Ratssitzung ankündigen wird, um der Spekulation gegen die Euro-Zone endgültig das Wasser abzugraben.

Viele Börsianer gehen davon aus, die Frankfurter Währungshüter unbegrenzt Anleihen schuldengeplagter Staaten wie Spanien oder Italien aufkaufen werden. Das haben sie in der Vergangenheit zwar auch schon getan, anschließend aber immer die entsprechende Summe dem Geldkreislauf entzogen, um eventuellen Inflationsgefahren entgegenzuwirken.

SZENARIO I: EZB KÜNDIGT UNLIMITIERTE ANLEIHEKÄUFE AN

EZB-Chef Mario Draghi setzt sich gegen den Widerstand der Bundesbank durch und verkündet, dass seine Notenbank in unbegrenztem Umfang Bonds von Euro-Staaten aufkaufen wird. Damit würde ein Anstieg der Renditen gestoppt, der die Finanzmisere der europäischen Krisenstaaten noch verstärkt.

"Wenn Draghi so etwas ankündigt, steigt der Dax aus dem Stand auf 6900 Punkte", prognostiziert ein Börsianer. Nach einem kurzen Rücksetzer werde er dann die Marke von 7000 Punkten in Angriff nehmen. Auch ein Test des bisherigen Jahreshochs von 7194,33 Zählern sei möglich.

"Die italienischen und spanischen Aktienmärkte werden voraussichtlich sogar noch stärker profitieren", sagt Aktienstratege Matthias Thiel von MM Warburg. Diese Erholung sei aber sicher nur kurzfristig, warnt er. "Mittelfristig bremst die Abkühlung der globalen Konjunktur."

Auch bei spanischen und italienischen Staatsanleihen könne mit einer deutlichen Entspannung gerechnet werden, fügt Thiel hinzu. "Am wirkungsvollsten wäre eine Festlegung auf Rendite-Obergrenzen. Dies würde den geringsten Einsatz der EZB erfordern." Denn viele Investoren würden von der Spekulation gegen diese Staaten umgehend ablassen, weil sie wüssten, dass die Notenbank die Rendite-Ziele bei Bedarf um jeden Preis verteidigt.

Den Euro sehen Börsianer in diesem Szenario ebenfalls im Aufwind. Der Umfang des Kursgewinns hänge aber neben der EZB aber auch von einer eventuellen erneuten Lockerung der US-Geldpolitik (QE3) ab.

SZENARIO II: EZB KÜNDIGT KEINE UNLIMITIERTEN ANLEIHEKÄUFE AN

Die EZB verzichtet auf die Ankündigung unlimitierter Anleihekäufe und entschließt sich stattdessen für eine Zinssenkung, zur Ausgabe neuer langfristiger Billig-Kredite für den Bankensektor oder für andere Maßnahmen.

"Alles andere als unlimitierte Anleihekäufe wären eine Enttäuschung", betont Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Für den MM Warburg-Strategen Thiel ist ein konkreter Ausblick auf geplante Aktionen der EZB das Minimum. Anleihekäufe sollten aber auf jeden Fall zu dem Maßnahmenpaket gehören.

Sollte die EZB die hoch gesteckten Erwartungen enttäuschen, würden Dax und Euro Börsianern zufolge mindestens die Kursgewinne seit den Draghi-Äußerungen vom vergangenen Donnerstag wieder abgeben. Der Leitindex könnte unter die bei knapp 6400 Punkten liegende 200-Tage-Linie rutschten, wodurch weitere Verkaufsaufträge ausgelöst würden. Helaba-Analyst Ulrich Wortberg sieht den Euro dann sogar bis auf 1,1875 Dollar zurückfallen - das Tief vom Juni 2010. Er bezweifle, dass die EZB, mit welchen Maßnahmen, auch immer die Gemeinschaftswährung aus ihrem Abwärtstrend befreien könne. Schließlich würden die Probleme der Euro-Zone damit nicht gelöst.

Auch bei spanischen und italienischen Bonds müsse dann mit einem Kursrutsch gerechnet werden, prognostizieren Finanzmarkt-Experten. Die Renditen der zehnjährigen Titel würden wieder in Richtung ihrer bisherigen Rekordhochs von 7,781 beziehungsweise 6,704 Prozent marschieren.

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