Teil 3: Warum Spanien keine Chance hat

Teil 3: Warum Spanien keine Chance hat

Der Reservefonds hat sein Portfolio an spanischen Staatsanleihen infolge der nachlassenden Nachfrage von Seiten anderer Investoren und dem Abbau von Positionen bei den spanischen Banken seit 2008 fast verdoppelt. Im Gegenzug trennte sich der Fonds von deutschen, französischen und niederländischen Staatspapieren.

Da das Sozialversicherungssystem einen Verlust produziert, schmilzt die Kapazität des Reservefonds für neue Investments ab. Das dürfte den Druck auf die Kurse der zehnjährigen spanischen Staatsbonds erhöhen. Die Risikoprämie gegenüber deutschen Bundesanleihen lag am Montag bei 486 Basispunkten.

Das Vermögen des Reservefonds, aufgebaut seit dem Jahr 2000, entspricht rund elf Prozent der geschätzt umlaufenden Anleihen der Zentralregierung in diesem Jahr. Bezogen auf das für dieses Jahr geplante Neuemissionsvolumen der Staatsanleihen kommt das Fondsvermögen auf 75 Prozent.

“Die Nachfrage aus dem Inland ist nicht ausreichend nachhaltig, um das gesamte Angebot aufzunehmen”, sagt Luca Jellinek, Leiter Zinsstrategie Europa bei der Crédit Agricole Corporate & Investment Bank in London. Geringere Investments durch den Reservefonds würden dies noch verschlimmern.

Verlustreiches Investment

Spanische Staatsanleihen kommen heuer auf Verluste von über 3,5 Prozent. Damit verzeichnen sie hinter den Griechenland-Bonds die schlechteste Entwicklung in Europa, wie aus Indizes von Bloomberg und der European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS) hervorgeht. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Staatspapiere ist am Dienstag um drei Basispunkte gesunken auf 6,31 Prozent. Noch am 18. Juni lag sie bei 7,29 Prozent und hatte ein Rekordhoch für die Zeit seit der Euro-Einführung erreicht.

Im April verzeichnete Spanien den höchsten Abfluss von Geldern ausländischer Investoren seit der Euro-Einführung, wie Daten der spanischen Zentralbank zeigen. Der Anteil der Investments von Gebietsfremden sank von 51,5 Prozent Ende 2011 auf 38,1 Prozent im April und 37,5 Prozent im Mai.

Die spanischen Banken, die Notfallkredite der Europäischen Zentralbank verwendeten, um ihr Engagement in spanischen Bonds zu erhöhen, bauen ihre Anlagen mittlerweile wieder ab. Besaßen sie im April noch 29,6 Prozent der spanischen Staatsbonds waren es im Mai nur noch 28,7 Prozent. Der Reservefonds und andere öffentliche Institutionen erhöhten dagegen ihre Positionen von 14,4 Prozent im April auf 15,8 Prozent im Mai. Das geht aus Zahlen des spanischen Finanzministeriums hervor.

Spanien muss im restlichen Jahr Anleihen im Volumen von 32,8 Mrd. Euro ablösen. “Die spanischen Bonds, die in der zweiten Jahreshälfte fällig werden, sind zu 90 Prozent in Händen von inländischen Investoren. Somit bleibt die heimische Nachfrage der Schlüssel für die Fähigkeit des Landes, seine Schulden zu refinanzieren, ohne Barreserven anzugreifen”, sagt Ralf Preusser, Leiter Zinsanalyse Europa bei Bank of America Merrill Lynch in New York.

Das spanische Sozialversicherungssystem wird durch eine Arbeitslosenquote von 24,6 Prozent belastet - die höchste Quote in der Europäischen Union. Gleichzeitig steigt die Zahl der Rentner. 2011 entstand erstmals seit mindestens 15 Jahren ein Defizit, das sich auf 0,1 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt belief.

Javier Diaz-Gimenez, Professor an der IESE Business School in Madrid, prognostiziert ein weiteres Defizit. “Sie werden im Juli damit beginnen müssen, den Reservefonds anzuzapfen”, um die Renten zahlen zu können, sagte er in einem Telefoninterview. Es sei so gut wie sicher, dass es dieses Jahr ein Defizit geben werde - es sei denn, es geschehe in den nächsten Monaten ein Wunder, fügte er an.

Ende 2011 waren 59,1 Mrd. Euro an Pensionsreserven in spanische Bonds investiert und 6,7 Mrd. Euro in ausländische Wertpapiere. Das geht aus dem Jahresbericht des Fonds hervor. Ende 2008 waren erst 32,2 Mrd. Euro in spanischen Bonds und 24,9 Mrd. Euro in ausländischen Papieren angelegt.

Die Anhäufung könnte zum Problem werden, wenn der Staat die Mittel des Fonds angreifen muss, sagt Ignacio Conde-Ruiz, Professor an der Universität Complutense in Madrid. “Es sind fast alles spanische Anleihen. Und wenn die auf dem Markt verkauft werden sollen, treibt das die Renditeprämien in die Höhe. Das wird ein ernsthaftes Problem für das Finanzministerium.”

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