Spanien braucht 350 Milliarden Euro

Spanien braucht 350 Milliarden Euro

Spaniens Ministerpräsident Manuel Rajoy (Bild) dürfte auf ein Hilfspaket im Volumen von insgesamt etwa 350 Mrd. Euro angewiesen sein. Diese Prognose hat David Mackie, Chefvolkswirt bei der US-Großbank JPMorgan, abgegeben.

Seiner Meinung nach sieht es zunehmend danach aus, dass Spanien die Krise nicht alleine in den Griff bekommen werde. Es sei wahrscheinlich, dass das Land Gelder aus den Euro-Rettungsfonds EFSF/ESM anfragen werde.

Die von ihm geschätzten Hilfsgelder von 350 Mrd. Euro decken die Brutto-Finanzierungsbedürfnisse des Staates bis zum Jahr 2014 ab. Davon würden etwa 75 Mrd. Euro dafür aufgewendet werden, die Banken des Landes zu rekapitalisieren.

Laut Mackie will Spanien zwar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) spanische Staatsanleihen direkt aufkauft und die spanischen Banken durch EFSF/ESM direkt rekapitalisiert werden - doch “dieses Angebot liegt nicht auf dem Tisch”.

Die EZB sehe im Aufkauf von Staatsanleihen wohl keinen angemessenen Schritt, um die Probleme zu lösen. Es kann laut Mackie aber sein, dass die EZB zur Beruhigung der Märkte zwischenzeitlich Bonds aufkauft - während gleichzeitig ein traditionelles Rettungspaket für Spanien ausgehandelt wird.

Banken horten Staatsanleihen

Am Mittwoch hat die Europäische Zentralbank (EZB) aktuelle Daten veröffentlicht, die zeigen, wie viele Staatsanleihen die spanischen und italienischen Banken halten. Zusammen kamen sie demnach im April auf ein Volumen von annähernd 589 Mrd. Euro:

- Spanische Banken hielten im April rund 261,3 Mrd. Euro an Anleihen, die von Staaten begeben wurden. Das entspricht einem leichten Rückgang im Vergleich zum Vormonat, als das Volumen noch bei 264,6 Mrd. Euro lag.

- Italienische Banken hielten im April rund 327,5 Mrd. Euro an Anleihen, die von Staaten begeben wurden. Das entspricht einem leichten Plus im Vergleich zum Vormonat, als das Gesamtvolumen erst 323,9 Mrd. Euro betrug.

Die EZB hatte mehr als 800 Finanzinstituten im Euroraum in den vergangenen Monaten über 1 Billion Euro über längerfristige Refinanzierungsgeschäfte zur Verfügung gestellt - und das zu einem Zins von nur einem Prozent. In der ersten Runde wurden rund 489 Mrd. Euro vergeben, in der zweiten 529,5 Mrd. Euro. Viele der Banken nutzten die LTRO-Gelder offenbar, um höherverzinsliche italienische und spanische Anleihen zu kaufen. Es kam in der Folge zu einer Kursrally bei den Bonds aus der Euro-Peripherie.

Unangenehmer Nebeneffekt: Die Krisenbonds wurden nationalisiert, demnach ist das Risiko im System geestiegen, weil sich ausländische Banken laufend von Staatsanleihen aus den Problemstaaten trennen.

Kein Schuldenschnitt

Der internationale Bankenverband IIF hat einen Schuldenschnitt für Spanien derweil ausgeschlossen. "Griechenland war einmalig", sagte IIF-Chef Charles Dallara dem niederländischen "Het Financieele Dagblad" in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. "Die spanische Volkswirtschaft ist zu groß für einen Beitrag des privaten Sektors." Die privaten Gläubiger haben unter Vermittlung des IIF Griechenland mehr als die Hälfte seiner Schulden erlassen. Inzwischen strauchelt Spanien unter der Last seiner Finanzbranche, die seit dem Platzen der Immobilienblase auf einem Berg von faulen Krediten sitzt.

Dallara forderte, die Rettungsfonds der Euro-Zone direkt in spanische Banken investieren zu lassen und die Institute auf diesem Weg zu stützen. "Der europäische Fonds muss größer und flexibler eingesetzt werden", sagte Dallara. "Es kommt darauf an, die problematische Beziehung zwischen der Regierung und den Banken aufzulösen."

Agenturen/hahn

Luxus-Schuhmarke Jimmy Choo bei Börsengang bis zu 900 Millionen Euro wert

Börse

Luxus-Schuhmarke Jimmy Choo bei Börsengang bis zu 900 Millionen Euro wert

Privatanleger zeigen Interesse für Zalando-Aktien

Börse

Privatanleger zeigen Interesse für Zalando-Aktien