So lief das Spiel mit dem Libor

So lief das Spiel mit dem Libor

Schwachstellen im System der Libor-Festsetzung haben einzelnen Banken jahrelang die Manipulation eines der wichtigsten Zinssätze weltweit ermöglicht. Das berichten Händler. Der Londoner Interbankensatz wird als Benchmark für Wertpapiere im Wert von rund 500 Billionen Dollar (408 Billionen Euro) weltweit verwendet.

Wenn die Bankmitarbeiter, wie ihnen vorgeworfen wird, den Libor manipulieren wollten, mussten sie sich dazu nicht mit Kollegen von anderen Banken verschwören, berichten mit den Vorgängen vertraute Personen. Einige Aufsichtsbehörden hatten dies angenommen. Indem sie die von ihren Banken angegebenen Werte für den Londoner Interbankensatz leicht nach oben oder unten drückten, konnten sie den Wert ihres Handelsbuchs erhöhen oder ihre Verluste begrenzen, berichten die informierten Personen, die ihren Namen nicht genannt haben wollten, da die Ermittlungen wegen der Libor-Manipulationen noch laufen.

Ein Schlaglicht auf die Fähigkeit einer einzelnen Bank, den Libor zu beeinflussen, werfen E-Mails, die bei der Verhängung einer Geldstrafe von 290 Mill. Pfund (370 Mill. Euro) gegen Barclays wegen Libor-Manipulationen veröffentlicht wurden, sowie wissenschaftliche Studien. Bei Barclays traten im Gefolge der im Rahmen eines Vergleichs mit den Aufsichtsbehörden entschiedenen Geldstrafe die drei obersten Manager zurück, unter anderem Vorstandschef Robert Diamond.

“Es ist sehr viel leichter den Libor zu manipulieren, als es aussieht”, schrieb Andrew Verstein, Dozent an der Jura- Fakultät der Universität Yale, in einem zur Veröffentlichung in der Winter-Ausgabe 2013 des Yale Journal on Regulation vorgesehenen Artikel. “Eine Verschwörung ist nicht notwendig.”

Bestimmt wird der Libor über eine tägliche Umfrage im Auftrag der British Bankers’ Association, in der die Banken angeben, wie viel es sie kostet, bei anderen Banken Gelder über unterschiedliche Zeiträume und in unterschiedlichen Währungen aufzunehmen. Der Satz, ein Indikator für die Kosten der Geldbeschaffung, wird als Basis für die Festlegung von Zinssätzen für so unterschiedliche Instrumente wie Hypothekenkredite und Auto-Darlehen verwendet. In ähnlicher Weise ermittelt die European Banking Federation in Brüssel den entsprechenden Satz für den Euroraum, den Euribor.

Das Spiel mit dem Libor

Für den US-Dollar-Libor geben täglich 16 Banken Werte ab. Von diesen werden die höchsten und die niedrigsten vier Werte ausgeschlossen, also das oberste und das unterste Viertel. Aus den verbleibenden acht Werten wird ein Durchschnitt berechnet. Beim Euribor machen 43 Banken Angaben, von denen die höchsten und die niedrigsten 15 Prozent ausgeschlossen werden.

Macht eine Bank eine Angabe, die zu hoch ist, um bei der Durchschnittsberechnung berücksichtigt zu werden, kann sie damit einen zuvor ausgeschlossenen Wert wieder unter die berücksichtigten Werte schieben, was den Durchschnitt höher macht. Mit der Angabe eines sehr niedrigen Werts kann entsprechend der Durchschnitt nach unten gedrückt werden.

Die sogenannten “chinesischen Mauern” zwischen Händlern und anderen Angestellten der Banken, die im Namen der Bank Werte für Zinssätze einreichen, sind häufig durchbrochen worden, wie Bloomberg News im Februar berichtete. Damit sind die Zinssätze anfällig für Manipulationen.

Ein ehemaliger Händler, der seinen Namen nicht genannt haben wollte, da Aufsichtsbehörden gegen ihn ermitteln, räumte im Interview mit Bloomberg News ein, dass er und seine Kollegen über mehrere Jahre hinweg versuchten, die Zinsfestsetzer seine Bank zu beeinflussen. Es sei leicht gewesen und auch kleine Veränderungen hätten ihre Gewinne oder Verluste beeinflusst, erläuterte er.

Im Rahmen des Vergleichs zwischen der britischen Finanzaufsicht und Barclays kam die FSA zu dem Schluss, dass die Derivatehändler der Bank zwischen Januar 2005 und Juni 2008 bei “zahlreichen” Gelegenheiten ihre Kollegen aufforderten, die Angaben der Bank für den Libor zu ändern.

Häufig entsprachen die Zinssetzer der Bank den Wünschen der Kollegen und veränderten die Angaben für Barclays um einen oder zwei Basispunkte, so die FSA. Zwischen Januar 2006 und August 2007 war dies laut FSA in mehr als zwei Drittel der Fälle so, beim Euribor sogar in 86 Prozent aller Fälle.

Für die Händler kann ein etwas niedrigerer oder höherer Satz einen großen Unterschied machen. “Wir reden hier von riesigen Geldsummen, daher kann eine kleine Bewegung bei der Benchmark für die Gewinn- und Verlustrechnung eines einzelnen Händlers ziemlich viel wert sein”, erklärt Roger Francis, Analyst bei Mizuho International in London.

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