Max Otte: "Die Welt wird nicht untergehen"

Max Otte: "Die Welt wird nicht untergehen"

Wirtschaftsprofessor Max Otte, der Autor des neuen Buches "Endlich mit Aktien Geld verdienen“, über die Schnäppchenjagd in Südeuropa und Dividendenaktien als Inflationsschutz.

FORMAT: Viele Börsenprofis sagen, dass die Kostolany-Strategie "Aktien kaufen und schlafen gehen“ überholt ist und Anleger viel aktiver ihr Depot managen sollten. Stimmen Sie dem zu?

Max Otte: Nein, das ist doch völliger Quatsch. Je volatiler die Aktienmärkte sind, desto schwieriger ist es, die Übersicht zu behalten. Das Wichtigste im ganzen Aktiengeschäft ist ein günstiger Einstiegszeitpunkt.

Der ist allerdings auch nicht leicht zu finden. Kaufen Sie jetzt Aktien?

Otte: Ja.

Wo gehen Sie auf Aktien-Shopping-Tour?

Otte: Neben Österreich auch in Italien, Spanien, Griechenland.

In welchem dieser drei Problemländer sind Sie mit Ihrem PI Global Value Fund (ISIN LI0034492384) am stärksten investiert?

Otte: In Italien. Dort gibt es Werte wie etwa die Medienfirma Mediaset von Silvio Berlusconi, die mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp neun extrem günstig bewertet ist. Die Aktie notiert nur minimal über dem Jahrestief. Der Kurs fiel seit dem Hoch 2005 über 90 Prozent.

Die Papiere sind aber mit einem Kurs von 1,39 Euro fast ein Penny-Stock und könnten auch auf null gehen.

Otte: Das halte ich bei diesem Papier für ziemlich ausgeschlossen, weil hinter der Aktie ein funktionierendes Geschäftsmodell steht.

Haben Sie viele griechische Aktien in Ihrem Fonds?

Otte: Mit etwas über einem Prozent des Fondsvolumens sind Griechenland-Aktien gering gewichtet. Aber ich bin dabei. Mir gefällt etwa Hellenic Telecom. An dem Telekommunikationskonzern ist die Deutsche Telekom zu 40 Prozent beteiligt und hat auch die Führung von Hellenic Telecom übernommen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt aktuell bei 2,3. Trotz dieses extrem niedrigen Wertes zögern die Anleger. Aber das ist ja ein bekanntes Phänomen: Der Aktienmarkt ist der einzige Markt, wo Leute immer weglaufen, wenn es Schnäppchen gibt.

Wie groß ist das Risiko für Private in solchen Schuldnerstaaten?

Otte: Sicher muss man die Regeneration dieser Länder emotional aushalten und darf nicht in Panik geraten, wenn es noch einmal abwärts geht. Aber die Welt wird nicht untergehen, und am Ende des Tages steht den Aktienmärkten in Südeuropa eine Erholungsrally ins Haus. Aktien von soliden Unternehmen überleben fast alle Wirtschaftskrisen. Denken Sie an Deutschland und den Zweiten Weltkrieg.

Was würde mit Aktien passieren, wenn der Euro zerbricht?

Otte: Aktien sind Sachwerte. Kurse würden einfach umgerechnet werden.

Dann müssten Anleger aber ein Währungsrisiko einkalkulieren.

Otte: Bei vielen Aktien aus den europäischen Südstaaten ist dieses Risiko im Kurs bereits eingepreist.

Was ist Ihr Worst-Case-Szenario für Aktien aus diesen Ländern?

Otte: Dass linksradikale Politiker an die Macht kommen und Unternehmen verstaatlichen. Dann gehen Aktionäre leer aus.

Sie haben auch erwähnt, dass österreichische Aktien günstig sind. Welche Titel gefallen Ihnen?

Otte: Unternehmen mit einem soliden Geschäft wie etwa Wienerberger, Verbund, OMV oder die voestalpine.

Was war Ihr jüngster Kauf?

Otte: Ich habe zuletzt Papiere des Stahlkochers voestalpine gekauft. Allerdings etwas zu früh, zu meinem Einstiegszeitpunkt lag der Kurs bei 24,50 Euro.

Demnach liegen Sie dort bereits 13 Prozent im Minus. Wie lange warten Sie, bevor Sie Verlustbringer aus Ihrem Depot wieder rauswerfen?

Otte: Bei Schwergewichten wie der voestalpine können Anleger Krisen aussitzen. Der Konzern zahlt mit aktuell vier Prozent eine sehr gute Dividende. Damit dienen solche Papiere auch als Inflationsschutz. Ich schätze, ein Kurs von 45 Euro ist für voestalpine gerechtfertigt. Dann würde ich über einen Verkauf nachdenken.

Kaufen Sie Aktien eigentlich zum aktuellen Marktpreis, oder geben Sie Limits ein?

Otte: Aktien von Konzernen mit einer sehr großen Marktkapitalisierung kaufe ich ohne Limit. Papiere von sehr kleinen Unternehmen kaufe ich dagegen immer nur mit einem Limit.

Viele Anleger wollen nicht den Investitionsgrad erhöhen, sondern allenfalls Aktien gegen bessere austauschen. Was raten Sie diesen Investoren?

Otte: Bevor ein Depot umgeschichtet wird, bedarf es einer gründlichen Analyse. So ist es etwa wichtig, den Ertrags- und den Substanzwert eines Unternehmens zu ermitteln, damit man weiß, ob der Kurs gerechtfertigt ist oder nicht. Wie diese Berechnungen funktionieren, erkläre ich auch in meinem neuen Buch "Endlich mit Aktien Geld verdienen“. Wenn man ohne vorherige Bewertung der Einzeltitel einfach ins Blaue umschichtet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Anleger das Falsche machen.

Würden Sie privaten Anlegern raten, Positionen über einen längeren Zeitraum aufzubauen?

Otte: Ja, im Prinzip schon. Vor allem Börsenanfängern würde ich das empfehlen. Wer in kleinen Dosen investiert, sollte das mit Schwergewichten wie Nestlé oder deutschen Blue Chips machen.

Halten Sie Aktien aus dem DAX noch für attraktiv bewertet?

Otte: Deutsche Aktien sind etwas teurer. Aber auch hier gibt es Schnäppchen wie zum Beispiel E.ON oder RWE, die zurückgeblieben sind. Auch viele Aktien von mittelständischen Konzernen sind sehr attraktiv wie etwa Gerry Weber, United Internet, Sixt oder Douglas.

Bankaktien notieren ebenfalls zu Tiefstständen. Halten Sie Aktien von Kreditinstituten für eine Kaufempfehlung?

Otte: Nein. Bankaktien sind immer eine Wette. Niemand kann beurteilen, was in Banken vorgeht. Auch Aktien von Raiffeisen und Erste Bank zähle ich da dazu. Wer den Nervenkitzel braucht, kann kleine Positionen aufbauen. Ich habe bei ein paar Banktiteln in Südeuropa kleine spekulative Positionen.

Zur Person

Max Otte, 48, sagte 2006 in seinem Buch "Der Crash kommt“ die Finanzkrise vorher. Nicht zuletzt deshalb gilt der Professor für Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Worms als einer der wichtigsten Ökonomen Deutschlands. Am 14. Juni erschien sein neues Buch "Endlich mit Aktien Geld verdienen“. Im Interview spricht der Vater von zwei Kindern über den Aktien-Ausverkauf und richtige Börsenstrategien. Privat engagiert sich Otte als evangelischer Laienprediger.

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