Libor-Skandal: Deutsche Bank verzichtet (noch) auf Rückstellungen

Libor-Skandal: Deutsche Bank verzichtet (noch) auf Rückstellungen

Die Deutsche Bank wird einem Zeitungsbericht zufolge kurzfristig wohl keine Rückstellung für mögliche Strafzahlungen wegen der Libor-Affäre bilden. Es sei nicht geplant, schon bei Vorlage der Quartalsergebnisse am 31. Juli eine konkrete Zahl zu nennen, was die Manipulation der Zinssätze am Geldmarkt kosten könnte, schreibt die Zeitung "Die Welt" unter Berufung auf Finanzkreise.

Es sei unüblich, in Rechtsstreitigkeiten in einem so frühen Stadium eine konkrete Zahl zu nennen. Noch lasse sich der mögliche Schaden durch die Affäre nicht annähernd beziffern. Auch andere Banken hätten noch keine Zahlen genannt. Die Deutsche Bank wollte sich auf Anfrage der Zeitung zu den Informationen nicht äußern.

Die Chefin der deutschen Finanzaufsicht BaFin, Elke König, hatte in einem Interview mit dem aktuellen "Spiegel" Banken dazu aufgefordert, "für eventuelle Schäden angemessene Rückstellungen" zu bilden. Ähnlich äußerte sich der Wirtschaftsprüferverband. Das "Handelsblatt" hatte am Montag berichte, dass in Vorstand und Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank bereits um die Höhe der Rückstellungen gerungen werde. Es gehe um einen Betrag zwischen 300 Mio. und einer Milliarde US-Dollar (248 bis 826 Mio. Euro). Der britische Konkurrent Barclays musste bereits einer Strafe von 450 Mio. Dollar zahlen, außerdem sind Zivilklagen von Investoren anhängig, die sich durch die Zinsmanipulationen geschädigt sehen.

Seit im Jänner 2010 eine Anfrage der amerikanischen Börsenaufsicht SEC die Deutsche Bank erreichte, läuft eine interne Untersuchung zu den Manipulationen bei den Referenzzinssätzen Libor und Euribor. Allerdings ist sie bis heute nicht abgeschlossen. In Finanzkreisen wird dies laut "Welt" damit erklärt, dass die Materie äußerst komplex sei und die Aufseher immer wieder neue Anfragen stellten.

Eine Hundertschaft an Mitarbeitern und Juristen soll an der Untersuchung beteiligt sein, nach Informationen der Zeitung wurden 5,2 Millionen E-Mails auf verdächtige Inhalte geprüft. Erst Mitte 2011 sei man sich sicher gewesen, dass es tatsächlich auch bei der Deutschen Bank Verfehlungen gegeben hat. Nun werde jedoch keine Bank alleine mit ihren Untersuchungsergebnissen vorpreschen und den Behörden vorgreifen, berichteten mit der Angelegenheit vertraute Personen dem Blatt weiter. Von zwei verdächtigten Mitarbeitern, die in zwei unterschiedliche Zins-Kartelle verwickelt sein sollen, hat sich der deutsche Branchenprimus bereits getrennt.

Laut "Welt" hat die Deutsche Bank bereits reagiert und ebenso wie andere Banken ihre internen Prozesse verändert. So würden die Zinssätze, die in die Referenzwerte Libor und Euribor einfließen, seit dem dritten Quartal 2011 nicht mehr von einzelnen Wertpapierhändlern gemeldet. Stattdessen sind dafür jeweils spezielle Komitees zuständig. Das soll eine Manipulation durch kriminelle Machenschaften einzelner Banker verhindern.

Forderung nach "reinem Tisch"

Im Skandal um manipulierte Interbankenzinsen hat die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner die Deutsche Bank zu einer umfassenden Aufklärung aufgefordert. "Die Deutsche Bank muss reinen Tisch machen, und zwar schnell", sagte die Ministerin dem "Handelsblatt" vom Dienstag. "Die Vorwürfe sind schwerwiegend." Sie begrüße es deshalb, dass die Aufsichtsbehörde BaFin eine Sonderprüfung eingeleitet habe.

Wenn Banken Zinssätze manipulierten, um ihre Handelsgewinne zu steigern, dann sei das grundsätzlich ein Skandal, sagte Aigner der Zeitung. An Interbankenzinssätzen hingen Finanzprodukte mit einem Wert von etlichen Billionen Dollar - auch Sparkonten, Geldmarktfonds und Kredite. "Es kann nicht sein, dass am Ende auch die Verbraucher die Rechnung dafür bezahlen sollen, dass einige skrupellose Händler die Zinssätze manipulieren."

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