Großbank Standard Chartered rüstet zum Gegenangriff

Großbank Standard Chartered rüstet zum Gegenangriff

Die in den USA wegen illegaler Iran-Geschäfte unter Beschuss geratene Großbank Standard Chartered rüstet zum Gegenangriff. Vorstandschef Peter Sands beauftragte zwei Kanzleien damit, eine Verteidigungsstrategie auszuarbeiten.

Schon am kommenden Mittwoch muss sich das britische Geldhaus, dem der Entzug der US-Banklizenz droht, in einer Anhörung vor der New Yorker Finanzaufsicht DFS erklären. Unerwartete Schützenhilfe bekam StanChart am Mittwoch von der britischen Notenbank. Deren Chef Mervyn King beklagte, es sei nicht nachvollziehbar, dass einzelne Aufsichtsbehörden unkoordiniert an die Öffentlichkeit gingen, bevor es überhaupt verlässliche Untersuchungsergebnisse gebe.

Die DFS wirft StanChart vor, fast zehn Jahre lang trotz bestehender Iran-Sanktionen Transaktionen mit dem Land abgewickelt zu haben. Die Rede ist von einem Gesamtvolumen von über 250 Milliarden Dollar. StanChart habe wie eine "Schurken"-Bank agiert und das US-Finanzsystem für Terroristen und Drogenhändler geöffnet.

Die Vorwürfe mitsamt kompromittierender E-Mails wurden am Montagabend veröffentlicht. Die Aktie stürzte seither um ein Viertel ab, binnen weniger Stunden verlor das Institut 17 Milliarden Dollar an Börsenwert. StanChart, die wegen der Iran-Geschäfte schon seit Anfang 2010 mit den US-Behörden im Gespräch ist, wies die Vorwürfe als überzogen zurück. Bankchef Sands brach seinen Urlaub ab. Ein Verlust der US-Lizenz wäre ein Desaster, denn damit hätte StanChart keinen direkten Zugang mehr zum wichtigen amerikanischen Finanzmarkt.

Erst Barclays, dann HSBC, jetzt Standard Chartered

Beobachter lässt aufhorchen, dass StanChart bereits die dritte britische Großbank ist, die sich die US-Behörden binnen weniger Monate vorknöpfen. Erst musste Barclays wegen der Verwicklung in Zins-Manipulationen eine Geldstrafe über eine halbe Milliarde Dollar abdrücken. Und dann bekam die Konkurrentin HSBC wegen laxer Geldwäsche-Kontrollen vor allem bei Transaktionen mit Mexiko eine schallende Ohrfeige vom US-Senat. Auch hier droht eine Milliardenstrafe.

Notenbank-Chef King bemühte nun auch genau den Vergleich mit den Zinsermittlungen bei Barclays. Dort hätten die Aufseher in Großbritannien und den USA Hand in Hand gearbeitet und ihre Berichte veröffentlicht, nachdem alle Puzzle-Teile zusammengesetzt worden seien. Im Falle von StanChart dagegen "ging eine Behörde an die Öffentlichkeit, aber nicht die anderen, während die Ermittlungen noch laufen", sagte King.

Selbst unter den US-Behörden herrscht Uneinigkeit darüber, ob die Breitseite gegen StanChart zu diesem Zeitpunkt berechtigt war, wie Reuters von mehreren Insidern erfuhr. Die New Yorker DFS mit ihrem Chef Benjamin Lawsky ist eine relativ junge Behörde. Mit ihrem Alleingang habe sie das US-Finanzministerium und die Notenbank Fed gegen sich aufgebracht, hieß es. Denn laufende Gespräche über eventuelle Schadenersatzansprüche würden unnötig kompliziert.

Die Nachrichten über den fehlenden Schulterschluss verhalfen der geprügelten StanChart-Aktie am Mittwoch zu einer Erholung: In London zogen die Papiere bis zum Nachmittag um über acht Prozent an, auch in Hongkong hatten sie zuvor fester geschlossen.

Ein politischer Angriff

Vorwürfen, die USA wollten mit ihrem strengen Vorgehen gegen britische Banken dem Finanzplatz London schaden, schloss sich Notenbank-Chef King nicht an. Diese Befürchtung hatte zuvor der oppositionelle Labour-Abgeordnete John Mann geäußert, der dem Finanzausschuss des Parlaments angehört. "Ich denke, das ist eine konzertierte Aktion, die von der US-Regierung angeführt wird", sagte er. "Washington versucht hier eine Schlacht zu gewinnen, bei der es darum geht, den Handel von London nach New York zu verlegen. Das ist ein politischer Angriff." Den Problemen der britischen Banken werde in den USA mehr Aufmerksamkeit zuteil als denen der amerikanischen Banken.

Mann gilt nicht unbedingt als Freund der Banken. In der Finanzkrise machte er sich einen Namen, weil er den Geldhäusern öffentlichkeitswirksam Gier und Unmoral vorwarf. Etliche britische Banken sind nur noch am Leben, weil der Steuerzahler mit Milliardenhilfen einsprang. Doch gerade Mann stellt sich jetzt vor die heimische Finanzbranche - und bekommt Unterstützung von Fondsmanagern, deren Häuser zu den größten Anteilseignern von StanChart gehören. "Sehen wir gerade ein einseitiges Vorgehen der US-Aufseher gegen London? Oh ja!", hieß es bei einem der Top-25-Aktionäre. "Sehen wir eine subtile Art des Protektionismus im Bankensektor? Ja!". Ein anderer Fondsmanager warf die Frage auf, inwiefern der voranschreitende US-Wahlkampf eine Rolle spielt. Die Präsidentenwahl steht im November an.

StanChart galt lange Zeit als Vorzeigebank. Die Finanzkrise hat die Bank wegen ihres starken Standbeins in Asien und den Schwellenländern ohne Blessuren überstanden. Noch in der vergangenen Woche hatte sich Vorstandschef Sands zuversichtlich gezeigt, die Iran-Vorwürfe in den USA ohne großen Wirbel aus der Welt räumen zu können. Mit all den anderen Banken-Skandalen sei die Sache überhaupt nicht vergleichbar, hatte er betont. Nun geht es vor allem um eins: Schadensbegrenzung.

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