Goldman Sachs trickst schon wieder...

Goldman Sachs trickst schon wieder...

“Wir haben diese Aktivitäten eingestellt”, versprach Goldman-Chef Blankfein an jenem Tag vor 400 Leuten bei einem Mittagessen, das vom Economic Club of Washington organisiert worden war. Seinen Worten von damals zufolge verfügt die Bank nicht mehr über Eigenhändler, “die einfach Risiken nach eigenem Ermessen eingehen” und nicht mit Kunden interagieren.

Diese Aussagen dürften für die Mitarbeiter der geheimen Goldman-Sparte “Multi-Strategy Investing” (MSI) wohl eine Überraschung gewesen sein. MSI wettet mit rund 1 Mrd. Dollar, die Goldman selbst gehören, auf Aktien und Anleihen von Firmen wie Zementherstellern und Hypothekendienstleistern. Das zeigen Interviews mit mehr als 20 Leuten, die für die Sparte oder mit der Sparte gearbeitet haben - einige von ihnen noch 2012. Ihren Angaben zufolge verfügt die Sparte, die von zwei Princeton- Absolventen geführt wird, über keine Kunden.

Das Überleben des Teams zeigt, wie Goldman sich um neue aufsichtsrechtliche Vorgaben zur Begrenzung von Eigenhandels- Wetten bei Banken herumgearbeitet hat. Eine Passage der US- Finanzmarktreform “Dodd-Frank Act” aus dem Jahr 2010 schiebt kurzfristigen Investments, die mit dem eigenen Geld der Bank eingegangen werden, eigentlich mehr oder weniger einen Riegel vor. Damit sollen übergroße Risiken und eine Wiederholung der Finanzkrise verhindert werden.

Alte Probleme

Nicht verboten werden durch die neuen Gesetze allerdings langfristige Wetten. Das lässt Hintertüren offen für andere risikoreichere Investments, sagte Matthew Richardson, der an der New York University Volkswirtschaft lehrt. Wetten, die sich über Monate hinziehen, könnten auch schief gehen: “Aus der Systemrisiko-Perspektive sind es wirklich gerade die langfristigen Investments, die ein Problem darstellen.”

Michael DuVally, ein Sprecher von Goldman Sachs, erklärte in einer E-Mail, dass es bei MSI um langfristige Investments und Kreditvergaben gehe. Ein Vorschlag zur Umsetzung der Gesetze, auch bekannt als Volcker-Regel, definierte “kurzfristig” als einen Zeitraum von 60 Tagen.

“Wir haben einige Veränderungen an den Geschäftsstrategien vorgenommen, die sich diese Sparte in der Vergangenheit zunutze machte. Damit wollten wir sie auf eine Ebene mit dem bringen, was wir momentan unter der Volcker-Regel verstehen”, erklärte DuVally, der direkte Gespräche mit MSI-Vertretern verweigerte. “Falls die finalen Gesetze weitere Änderungen erforderlich machen, werde wir diese umsetzen.”

In dem Team arbeiten rund ein Dutzend Leute. Ihre Büros befinden sich im Hauptsitz von Goldman in New York. Team-Leiter sind Daniel Oneglia und Geoff Adamson.

Die Abteilung ist Wetten gegen Unternehmen eingegangen, etwa durch Leerverkäufe - und auch wenn die Investments zunächst ein paar Monate andauern sollen, so enden sie doch manchmal frühzeitig. Das berichtete ein halbes Dutzend ehemaliger Team- Mitglieder gegenüber Bloomberg News.

“MSI verhält sich ganz ähnlich einem Hedgefonds”, sagte Ashkan Marsh. Der heute 30-Jährige stand in den Diensten der Sparte, verließ die Firma aber 2008.

Nur die Renditen im Blick

Goldman Sachs wettet schon seit Jahrzehnten mit dem eigenen Geld der Bank. Nach der Übernahme des Rohstoff-Brokers J. Aron in 1981, riskierte die Sparte das Kapital der Bank “nicht im Dienste der Kunden, sondern einfach nur, um schöne Renditen zu erzielen”, wie es in dem Buch “Goldman Sachs: The Culture of Success” heißt. Es wurde von der früheren Mitarbeitern Lisa Endlich verfasst.

Bei dem Mittagessen in Washington, bei dem Blankfein sprach, wurde er von Private-Equity-Milliardär David Rubenstein gefragt, ob die Bank ihre Gewinne hauptsächlich mit Eigenhandel statt mit Kunden-Diensten verdiene. Darauf reagierte Blankfein mit den eingangs erwähnten abwiegelnden Aussagen. Und weiter: “Unsere Aufgabe ist, alle reicher zu machen. (…) Reichtum im Sinne davon, die Welt stärker und gesünder zu machen - und, aus Mangel eines besseren Wortes, besser.”

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