Facebook, Chat & SMS - das Bankgeschäft der Zukunft

Facebook, Chat & SMS - das Bankgeschäft der Zukunft

Wer das Bankgeschäft der Zukunft sehen will, muss ins Ausland fahren. In den Niederlanden können Kunden der Direktbank MoneYou ihre Geschäfte über die Facebook-Seite der Bank erledigen. Doch Social Banking dürfte nicht allzu rasch über ganz Europa hereinbrechen - aus Angst vor "Datenkraken" wie eben Facebook und Twitter.

Eine App leitet den Kunden in den Online-Banking-Bereich des Instituts weiter. Die Neuseeländische ASB Bank hat bereits eine virtuelle Filiale: Über eine Facebook-App beraten Bankmitarbeiter ihre Kunden per Chat.

Auch in Deutschland, wo der Internetauftritt der meisten Geldhäuser noch relativ altbacken wirkt, könnte sich Social Banking bald ausbreiten. Sollte das Facebook-Projekt in den Niederlanden erfolgreich sein, will MoneYou es auch hierzulande einführen. Seit etwas mehr als einem Jahr ist die Direktbanktochter der ABN AMRO auch in Deutschland präsent. "Ich erwarte, dass Banking in Zukunft hauptsächlich mobil ablaufen wird", sagt Deutschland-Geschäftsleiterin Liesbeth Rigter. Bereits jetzt würden bei MoneYou in Deutschland zehn bis 20 Prozent der Konten per Smartphone eröffnet.

Bisher sind es hierzulande eher kleine Institute und Direktbanken, die mit Social Media in die Offensive gehen. Die Fidor Bank wurde durch den sogenannten Like-Zins bekannt. Je mehr Nutzer den Gefällt-mir-Knopf des Münchener Instituts auf Facebook anklicken, desto höher der Zins, der auf Sparguthaben gezahlt wird. Sind 22.000 Likes erreicht, wird der Maximalzins von 1,5 Prozent pro Jahr bezahlt - zumindest bis zum Ende der Aktion am Jahresende.

Fidor gehört beim Thema Social Banking in Deutschland zu den Vorreitern. Schon seit 2010 gibt es Überweisungen über den Kurznachrichtendienst Twitter. Dafür müssen Kunden lediglich den Twitter-Namen des Empfängers in eine entsprechende Maske auf der Fidor-Homepage eintragen. Was für traditionelle Bankkunden einer Revolution gleichkommt, ist für Fidor-Vorstand Matthias Kröner ein alter Hut. "Das ist gar nicht so spannend wie es klingt."

Dass solche Angebote in Deutschland in nächster Zeit einen großen Siegeszug antreten, halten Experten allerdings für unwahrscheinlich. Für die meisten deutschen Geldanleger steht Sicherheit an erster Stelle - Online-Netzwerken stehen viele eher skeptisch gegenüber. Die Angst vor "Datenkraken" wie Facebook oder Twitter ist groß. "Selbst wenn die Nutzungsbedingungen zunächst eine direkte Kenntnisnahme unserer Banküberweisungen durch Facebook nicht vorsehen würden, kann man nicht sicher sein, ob derartige Begrenzungen dauerhaft Bestand haben", erklärt der Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationssicherheit, Peter Schaar.

Shitstorm wegen einer Scheibe Wurst

Fidor-Vorstand Matthias Kröner wundert es deshalb nicht, dass sich viele deutsche Großbanken beim Thema Social Media bisher zurückhalten. "Herkömmliche Institute stoßen nicht nur bei der Technik an ihre Grenzen", sagt Kröner. Jede Twitter-Nachricht müsse zunächst von den Compliance- und Rechtsabteilungen abgesegnet werden, das schränke die Flexibilität ein. Die für Social Media notwendige Kultur in den Großbanken wird sich nach seiner Einschätzung allenfalls sehr langsam einstellen.

Als abschreckendes Beispiel für den Ausbau der Social-Media-Aktivitäten gilt bei vielen Geldhäusern ING-DiBa. Nachdem Basketballstar Dirk Nowitzki in einem Werbespot für die Direktbank genussvoll eine Scheibe Wurst verzehrte, brach auf Facebook und Co. ein sogenannter "Shitstorm" über die Bank herein. Zahlreiche aufgebrachte Vegetarier entrüsteten sich über die liebevolle Darstellung der Metzgerei, in der Nowitzki die Wurst verputzte. Die ING-DiBa hat von der gesamten Aufregung nach eigenen Angaben am Ende aber profitiert. Da das Institut mit der Kritik offen umging, bescherte ihm der Vorfall viele neue Facebook-Fans.

Für einen solch lebhaften Austausch müssen die Banken jedoch das Feedback ihrer Kunden zulassen, was in Deutschland nicht oft der Fall ist. Die Deutsche Bank erlaubt beispielsweise nicht, dass Nutzer eigene Beiträge auf der Facebook-Seite des Geldhauses einstellen, nur die Einträge der Bank dürfen kommentiert werden. Bei MoneYou können Kunden dagegen offen Kritik äußern. "Transparenz ist beim Thema Social Media sehr wichtig", erklärt Geschäftsleiterin Rigter. Die Niederländerin sieht Kunden als Markenbotschafter. Sie erwartet, dass es für Banken ähnliche Bewertungsmöglichkeiten im Internet geben wird wie für Reisen und Hotels.

Auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG geht davon aus, dass Online-Netzwerke für Banken an Bedeutung gewinnen werden - und hebt in einer Studie den Nutzen für die Geldhäuser hervor. Beispielsweise könnten Banken die Äußerungen ihrer Kunden analysieren - und ihnen maßgeschneiderte Angebote machen. Schreibt etwa ein User, dass er in Kürze ein Haus kaufen will, benötigt er in aller Regel einen passenden Kredit.

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