Euro-Krise wird nun auch zum Hemmschuh für Nobelautobauer

Euro-Krise wird nun auch zum Hemmschuh für Nobelautobauer

Auch wenn BMW, Daimler und Audi Rückgänge in der Heimatregion durch die wachsenden Pkw-Märkte China und USA ausgleichen können, verstärken sich in den Vorstandsetagen die Sorgen. Die Absatzkrise in Europa holt sie ein.

"Die Risiken nehmen eher zu als ab", sagte BMW-Chef Norbert Reithofer am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen. Die Münchner rechnen mit härter werdenden Rabattschlachten - ähnlich wie ihre Konkurrenten aus Ingolstadt oder Stuttgart. Dies drückt auch bei den Oberklasse-Herstellern die Gewinne. Doch von ihren ehrgeizigen Rekordzielen für 2012 wollen BMW & Co nicht ablassen. Neue Modelle und Kostensenkungen sollen dabei helfen.

Die Automärkte entwickelten sich weltweit sehr unterschiedlich, führte Reithofer aus. China wachse zwar langsamer, lege aber zu, und auch in den USA mache die Branche gute Geschäfte. "In Europa hingegen sind die Verbraucher verunsichert." Seit Monaten ist der Absatz hier schon auf Talfahrt, zuletzt erreichten die Verkäufe den niedrigsten Stand seit 1994. In Spanien beispielsweise gab es in den vergangenen zwei Jahren nur einen einzigen Monat ohne Rückgang auf dem Pkw-Markt. Ausgehend vom schuldengeplagten Süden frisst sich die Verunsicherung der Verbraucher immer weiter vor und lässt die Kunden vor dem Kauf teurer Dinge wie Autos zurückschrecken.

Massenhersteller wie PSA Peugeot Citroen und Ford ächzen unter Milliardenverlusten. Sie verkaufen weitaus weniger und müssen obendrein noch kräftige Nachlässe gewähren, um ihre Fahrzeuge überhaupt an die Kundschaft zu bringen. Konzerne mit prall gefüllter Kasse wie VW, Europas größtem Hersteller, stemmen das leichter als viele verlustreiche Rivalen. Der für markige Sprüche bekannte Fiat-Chef Sergio Marchionne beklagte schon "ein Blutbad" bei Preisen und Margen. Auch die Oberklasse-Hersteller machen sich mit Rabatten gegenseitig mehr Konkurrenz. Sollte sich die Situation im Süden verschärfen, werde es schwer sein, die Rendite zu halten, hieß es zuletzt bei Audi. BMW-Chef Friedrich Eichiner sagte am Mittwoch, wenn sich die Rahmenbedingungen verschlimmerten, könne sich dies im Gewinn niederschlagen. Schließlich stehe Europa für 48 Prozent von Absatz und Umsatz. Und auch in China fordern die Kunden zunehmend Rabatte.

Schon im zweiten Quartal brach bei BMW trotz gestiegener Verkäufe der operative Gewinn um ein Viertel auf knapp zwei Milliarden Euro ein. Neben dem Preiswettbewerb schlugen dem Konzern zufolge höhere Kosten für Personal und Entwicklung und teure Investitionen in neue Technologien negativ zu Buche. In der Folge ging der Aktienkurs um rund fünf Prozent zurück.

Thron-Kampf zwischen BMW, Audi und Mercedes

Von den Erlösen aus den Autoverkäufen blieb mehr hängen, als Experten erwartet hatten: Die Rendite (Ebit-Marge) im Kernsegment Automobile erreichte 11,6 Prozent und lag damit gleichauf mit Audi. Die Ingolstädter wollen die Münchner langfristig vom Premium-Thron stoßen, allerdings musste die VW-Tochter zuletzt einräumen, dafür mehr Zeit zu brauchen als gedacht. Bis 2020 statt bis 2015 soll es jetzt soweit sein. Dann will auch der ins Hintertreffen geratene Stuttgarter Konkurrent Mercedes, der früher wie selbstverständlich die Oberklasse dominierte, wieder auf Platz 1 zurückgelangen. Bei der Rendite waren die Schwaben im zweiten Quartal mit 8,6 Prozent abgeschlagen. Den höchsten Gewinn pro Fahrzeug realisierte einer Studie zufolge zuletzt BMW mit 4.430 Euro. Dahinter kamen laut Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach Audi mit 3923 Euro und Mercedes mit 3622 Euro.

Für das Gesamtjahr bekräftigte BMW, im Autosegment eine Ebit-Marge von acht bis zehn Prozent anzupeilen, idealerweise einen Wert am oberen Rand. Angesichts einer Rendite von 11,6 Prozent im ersten Halbjahr weise dies darauf hin, dass die zweite Jahreshälfte hart werde, hieß es in einer Analyse von Warburg Research. Allerdings sollen dann auch neue Modelle für Schub sorgen. Zugute kommt BMW zudem die Schwäche des Euro. Im Gesamtjahr wollen die Münchner mehr als 1,7 Millionen Autos ihrer drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce verkaufen und einen Gewinn vor Steuern von mehr als 7,4 Milliarden Euro einfahren.

Streit um hohe Zahl der Leiarbeiter

Im Streit über den Einsatz von Leihkräften zeichnet sich bei BMW unterdessen eine Lösung ab. Der Konzern habe angeboten, in Deutschland bis Ende 2013 per saldo 3200 Jobs zu schaffen, sagten zwei mit der Situation vertraute Personen zu Reuters. BMW wollte sich nicht äußern. Die Arbeitnehmervertreter stören sich seit langem an der hohen Zahl an Zeitarbeitern: Rund 12.000 Leihkräfte werden im Konzern vermutet. BMW nennt keine Zahl und hält dagegen, diese zu brauchen, um flexibel agieren zu können.

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