"Es geht nicht um die Verzinsung des Kapitals, sondern um die Rückzahlung des Kapitals"

"Es geht nicht um die Verzinsung des Kapitals, sondern um die Rückzahlung des Kapitals"

Negative Renditen bei Staatsanleihen aus der Eurozone schrecken die Investoren nicht ab. Sie wollen die Sicherheit der Anleihen, die die beste Bonitätsnote aufweisen.

In diesem Monat sind die Renditen zweijähriger Anleihen aus Deutschland, Österreich, Finnland und den Niederlanden unter Null gefallen. Auch bei Frankreich, der Schweiz und Dänemark sowie der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität zahlen die Anleger für das Recht, ihnen Geld zu leihen. Und die Lage dürfte sich so schnell nicht ändern, sagen Investoren.

“Es geht nicht um die Verzinsung des Kapitals, sondern um die Rückzahlung des Kapitals”, sagt Peter Allwright, Fondsmanager bei RWC Partners Ltd. in London. “Im Euroraum wollen wir nur deutsche Papiere halten, weil sie die besten und liquidesten sind.”

Angesichts des Mangels an Papieren mit einer Spitzenbonitätsnote jagen die Anleger einem schrumpfenden Pool von Anlagemöglichkeiten hinterher, erläutert Carl Norrey von JPMorgan Chase & Co. in London. Von Bank of America Merrill Lynch erstellte Daten zeigen, dass die Anzahl der in ihrem AAA- Index enthaltenen Wertpapiere auf 3.581 zurückgegangen ist, verglichen mit 3.611 im März und 5.331 im Jahr 2007.

“Ich glaube nicht, dass die Niedrig-Rendite-Phase sich bald ändert”, sagt Norrey. “Es gibt ein großes Volumen an Liquidität, das einen sicheren Hafen sucht, aber die Menge der sicheren Papiere wird geringer. Solange in Europa niemand einen überzeugenden Plan für die Beendigung der Krise präsentiert, wird der Schwerpunkt eher auf Sicherheit als auf den Renditen liegen.”

Zinsen unter Inflationsrate

Länder wie Finnland, die Niederlande und das mit AA benotete Belgien können Kapital zu Renditen beschaffen, die niedriger als die Inflationsrate sind. Das signalisiert, dass die Anleihegläubiger für die Laufzeit des Investments bereit sind, Geld für die Sicherheit zu opfern, ihr Geld vollständig zurückzuerhalten. Die durchschnittliche Rendite von Staatsanleihen mit einer Spitzenbonitätsnote ist am Freitag auf 1,32 Prozent gesunken, verglichen mit 1,81 Prozent zu Beginn des Jahres, womit sie weniger als drei Basispunkte vom Rekordtief von 1,295 Prozent vom 1. Juni entfernt ist, zeigen Bloomberg- Daten.

Die EZB hat mit Wirkung vom 11. Juli den Einlagesatz auf Null gesenkt. Die Banken im Euroraum haben am 18. Juli 359,6 Mrd. Euro bei der EZB über Nacht geparkt, verglichen mit einem täglichen Durchschnitt von etwa 800 Mrd. Euro vor der Zinssenkung. Der Renditespread zwischen spanischen und deutschen Staatsanleihen ist im gleichen Zeitraum um 50 Basispunkte auf 581 Basispunkte gestiegen.

Internationale Investoren, die den Swapmarkt nutzen, um auf Euro lautende Zahlungen aus Staatsanleihen in ihre heimische Währung zu tauschen, können immer noch einen höheren Ertrag am europäischen Bondmarkt erzielen als in ihrem Heimatmarkt. Investoren, die zweijährige deutschen Bundesschatzanweisungen kaufen und diese in Dollar-Papiere mit variabler Verzinsung tauschen, können einen um etwa acht Basispunkte höheren Ertrag erzielen als mit Drei-Monats-Geldern in den USA. “Die negative Rendite wird die Nachfrage nach diesen Papieren nicht begrenzen”, sagt Michael Markovic, leitender Stratege für Festverzinsliche bei Credit Suisse Group AG in Zürich. “Das Währungselement bedeutet, dass ausländische Investoren Erträge erzielen können und sie ein wichtiger Nachfragefaktor sind.”

Renditen unter Null bedeuten für Investoren, die die Papiere bis zur Fälligkeit halten, dass sie weniger Geld erhalten werden als sie ursprünglich gezahlt hatten. Diejenigen, die die Papiere vorher verkaufen, können davon profitieren, dass sie diese zu einem höheren Preis verkaufen, als sie gezahlt haben, vorausgesetzt die Nachfrage besteht weiter.

Investoren haben seit dem 1. Juni, als die Renditen von zweijährigen Bundesanleihen erstmals unter Null gesunken sind, einen Ertrag von 0,17 Prozent bei deutschen Papieren mit einer Laufzeit von drei Jahren erzielt, geht aus den Indizes von Bank of America Merrill Lynch hervor. Selbst bei Renditen nahe Rekordtiefs haben mit AAA benotete Anleihen in diesem Quartal einen Gewinn von 1,3 Prozent eingefahren, während der MSCI All- Country World Index nur um 0,7 Prozent zugelegt hat.

“Der Ertrag ist wichtig für langfristige Investoren wie wir es sind. Aber unter diesen Rahmenbedingungen setzen wir lieber auf Sicherheit”, sagt Mike Taylor, Vorstandsvorsitzender bei London Pension Fund Authority. “Wir wollen kein Geld verlieren.”

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