Urlaub mit Freunden

Urlaub mit Freunden

Warum ein Ferienhaus alleine kaufen und nur wenige Wochen im Jahr nützen, wenn es doch gemeinsam mit Freunden günstiger kommt und mehr Spaß macht - genaue Nutzungsregeln vorausgesetzt.

Mit der Wiese kam auch eine Idee: gemeinsam mit den Kindern, den Geschwistern, den Nichten und Neffen im Gras zu liegen, den Wolken beim trägen Vorbeiziehen zuzuschauen und dabei die Seele baumeln zu lassen. Einen Ort zu haben, den man aufsucht, um gemeinsam die Ferien zu verbringen, oder vielleicht auch um einmal ganz alleine der Hektik des Alltags den Rücken zu kehren. Denn in Kirchbach, einem kleinen Ort im steirischen Vulkanland, ticken die Uhren noch langsamer. Und das schätzen die beiden Geschwister Krameritsch, die hier auf einem Grundstück, das sie von den Eltern geschenkt bekamen, ihre Vision vom Ferienhaus realisiert haben. Beim Bau ihres Hauses "Amalia“, das nach der Großmutter benannt ist, ließen die Geschwister "Grid Architekten“ aus Wien völlig freie Hand. Einzige Bedingung: Es muss für sechs Personen ganzjährig nutzbar sein.

Drei Monate später war der Plan fertig, ein halbes Jahr später stand das Ferienhaus und wird seitdem von den Geschwistern, ihren Familien und Freunden genutzt. Völlig friktionsfrei übrigens. Die Familien legten bereits vor der Fertigstellung vertraglich die Nutzungsbedingungen für ihr Haus im Grünen fest. Jedes Jahr sollte ein anderes Familienmitglied ein Vorzugsrecht für Reservierungen haben. "Mittlerweile wissen wir nicht einmal mehr, wer damit derzeit überhaupt an der Reihe wäre“, schmunzelt Hans Krameritsch. "Es geht sich immer irgendwie aus.“ Nicht zuletzt auch dank des Reservierungsplans, den Jakob Krameritsch für "Amalia“ ins Internet gestellt hat. Wer auch immer gerade ins Haus fahren möchte, blockiert die Tage im Online-Kalender. Mittlerweile dürfen auch gute Freunde zum Preis der aufgewendeten Betriebskosten im Ferienhauspool mitmischen. Und auch die haben bereits Lunte gerochen und spielen selbst schon mit dem Gedanken, ein Timesharing-Projekt auf die Beine zu stellen. "Schön langsam trauen sich tatsächlich mehr Menschen - oft sind es eben Freunde oder Geschäftspartner - über das Teilen eines Ferienhauses drüber“, berichtet auch Jens Schosnowski von Engel & Völkers Immobilien in Salzburg.

Strenge Rechnung

Denn was gibt es Angenehmeres, als mit Menschen, die man mag, die schönste Zeit des Jahres zu verbringen? Wer dafür nicht jedes Mal aufs Neue ein passendes Quartier organisieren möchte, liegt mit einer Ferienimmobilie, die man sich mit Freunden teilt, richtig: Jeder steuert dabei einen Teil des Kaufpreises bei; die Immobilie wird deutlich öfter genützt, als das bei einem allein erworbenen Feriendomizil der Fall wäre; Betriebskosten und anfallende Reparaturen werden geteilt. Damit das aber auch tatsächlich so klappt, wie man sich das ursprünglich erträumt hat, kommt man um ein gerüttelt Maß an Toleranz ebenso wenig herum wie um juristische Feinheiten, die schon vor einem Kauf geklärt werden sollten, wie Jurist Peter Madl von Schönherr Rechtsanwälte in Wien empfiehlt. Eine strenge Rechnung und klare Regeln sorgen dafür, dass das private Timesharing reibungslos abläuft.

Bevor man sich darüber aber den Kopf zerbricht, gilt es erst einmal, die passende Immobilie zu finden. Besonders gefragt sind dabei die Kärntner Seengebiete und jene des Salzkammerguts, Tirols Ski- und Wanderregionen, Dörfer entlang der steirischen Weinstraßen und immer öfter auch die Region um den Neusiedler See. "Je mehr Schlafmöglichkeiten und Bäder eine solche Immobilie hat, desto besser. Schließlich will man sie ja nicht nur alleine, sondern mitunter auch gleichzeitig nützen“, weiß der Grazer Immobilienexperte Christian Herzog.

Hat man dann tatsächlich ein passendes Objekt aufgetan, gilt es, mit den Freunden Nutzungsregelungen zu finden und genau zu dokumentieren, wer welchen Anteil am Kaufpreis bezahlt hat.

Regelungen

Haarig wird es bei der Frage, wie die Eintragung ins Grundbuch geregelt wird. Beim Kauf eines Hauses ist das kein Problem. Hier dürfen auch mehrere Eigentümer aufscheinen. "Kauft man aber gemeinsam eine Wohnung, dürfen nicht mehr als zwei Personen ins Grundbuch. Bei drei Eigentümern wird es schon schwierig. Gründet man aber eine Offene Gesellschaft, ist das allerdings kein Problem mehr“, sagt der auf Immobilienverträge spezialisierte Wiener Anwalt Michael Gruner. In der Folge kann im Rahmen eines einfachen Gesellschaftsvertrags festgelegt werden, wer wofür aufkommt und welche Rechte und Pflichten dem Einzelnen daraus entstehen. Die Eigentümer werden dabei zu Gesellschaftern.

Experte Stefan Artner rät zudem zu einem Benutzungsvertrag, in dem geregelt wird, wer was wann benützen darf, wer über Reparaturen und Sanierungen entscheidet. So herrscht etwa bei den Geschwistern Krameritsch Konsens darüber, dass die Zustimmung von zwei Geschwistern reicht, um Instandhaltungsmaßnahmen zu beauftragen.

Je mehr Eigentümer, desto komplizierter gestaltet sich das Umsetzen der aufgestellten Regeln. Davon kann der deutsche Autor Oliver Geyer ein Lied singen. Er kaufte gemeinsam mit 13 Freunden einen alten Gutshof in Mecklenburg-Vorpommern und hielt seine Erfahrungen im Buch "Sommerhaus, jetzt!“ fest. "Im Prinzip war das Luxuserschleichung durch Gemeinschaftsfinanzierung. Allerdings müssen dann eben auch alle Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Wir haben es so gelöst, dass wir ‚Komitees‘ bildeten, die Beschlüsse in Kleingruppen fällten. Nur einmal wäre unser System beinahe kollabiert, als beschlossen wurde, unser Haus rosa zu streichen. Eine Freundin wollte daraufhin aus dem Projekt aussteigen, konnte aber doch noch zum Bleiben überredet werden“, erzählt er.

Dennoch sollte man sich Ausstiegsszenarien beizeiten - am besten noch vor dem Kauf - überlegen und vertraglich festhalten. Will einer der Eigentümer seinen Anteil loswerden, können sich die verbliebenen Gesellschafter etwa ein Vorkaufsrecht einräumen lassen. "Verabschiedet sich einer der Gesellschafter und einer der anderen möchte daher ebenfalls nicht länger beim Timesharing mitmachen, gibt es die Möglichkeit, vertraglich zu vereinbaren, dass ein potenzieller Käufer beide Anteile übernehmen muss. Ansonsten kann natürlich auch die Immobilie abgestoßen und der Verkaufserlös aufgeteilt werden“, sagt Anwalt Peter Madl. Gibt man seine Anteile an die übrigen Gesellschafter ab, fällt für diese noch einmal Grunderwerbsteuer an.

Daran möchte aber Oliver Geyer gar keinen Gedanken verschwenden. Zu sehr genießt der Berliner die ländliche Idylle am Wochenende. Auch wenn die manchmal gestört wird, etwa wenn das Sofa zum Fußballschauen im Freien in den Garten getragen und just auf dem eine Woche zuvor angelegten Kräuterbeet einer Freundin abgestellt wird. Die Vorteile überwiegen für ihn aber allemal. Geyer: "Man muss sich nicht mehr verabreden, sondern trifft sich hier. Die Kinder haben ‚Landhausgeschwister‘, und es ist stets was los. Damit es aber tatsächlich klappt, nutzen alle vorher getroffenen Regelungen meinen Erfahrungen nach nur wenig. Das Einzige, womit man bei einem solchen Projekt tatsächlich weiterkommt, ist gegenseitige Toleranz.“

Kühlende Dächer gegen Erderwärmung

Innovation

Kühlende Dächer gegen Erderwärmung

Tipps für den Umgang mit Bauträgern

Immobilien

Tipps für den Umgang mit Bauträgern

Richtig in Zinshäuser investieren

Immobilien

Richtig in Zinshäuser investieren