Es muss kein Haus kosten

Es muss kein Haus kosten

Architektenhäuser sind teuer, lautet ein gängiges Vorurteil. Im Gegenteil: Gute Planung vom Profi hilft sogar beim Sparen.

Der britische Maler David Hockney hätte seine Freude an dem schlichten, mondän wirkenden Gebäude mit Swimmingpool. Villen dieser Art zählten im Los Angeles der sechziger Jahre zu seinen Lieblingsmotiven. Der elegante Bau befindet sich allerdings nicht an der Westküste der USA, sondern - etwas weniger glamourös - am Rande einer Einfamilienhaussiedlung im oberösterreichischen Wartberg an der Krems. Doch gerade dort fällt der Bau, der von außen wie eine Trutzburg, innen aber wie ein großzügiges Ferienhaus wirkt, besonders ins Auge. Kein Wunder, trägt er doch eindeutig die Handschrift eines Architekten. Um genauer zu sein: jene von Gernot Hertl von Hertl.Architekten in Steyr. Großzügig geschnittene Räume, riesige Glasflächen, die den Blick auf die Umgebung freigeben, und ein mit naturfarbenem Sandstein gepflasterter Innenhof mit Pool - billig kann das Haus Weishäupl mit Sicherheit wohl nicht gewesen sein. Was der ehrfürchtige Betrachter allerdings nicht ahnt: Mit Baukosten von lediglich 1015 Euro pro Quadratmeter war das Haus für seine Bauherren eine echte Mezzie.

Der Traum in Weiß kostete seine Eigentümer weniger als ein durchschnittliches Baumeisterhaus oder gar ein Fertigteilhaus von der Stange. Möglich machte das die vorausschauende Planung von Architekt Gernot Hertl. Dass gute Architektur zwingend teuer sei, lässt nach wie vor viele Bauherren vor dem Gang zum Architekten zurückschrecken. Zu kostspielig, zu modern und zu sehr darauf bedacht, einem den eigenen Stil aufs Auge zu drücken, lauten die gängigen Vorurteile. Tatsächlich gibt es aber - abgesehen von der Eigenleistung am Bau - kaum eine Möglichkeit, effizienter und günstiger zu bauen.

Einmal Architekt, bitte! Im Idealfall sucht man sich zunächst den passenden Architekten und erst danach das Grundstück. An den richtigen Planer kommt man meist über Empfehlungen, Internetrecherche oder auch durch Bücher, die sich mit dem Thema "günstiges Bauen“ auseinandersetzen. Denn nicht jeder Architekt ist gewillt, die Kosten gering zu halten. Schließlich berechnet sich sein Honorar über die Baukosten. Ist man einmal fündig geworden, sollte man sich über seine Wünsche und Ansprüche ans Haus klar werden. "Die meisten Bauherren träumen, selbst wenn sie nur über ein knapp bemessenes Budget verfügen, von einem sehr großen Haus“, sagt der Bregenzer Architekt Daniel Sauter von k_m architektur in Bregenz, "da dürfen die Kinderzimmer schon einmal bis zu 20 Quadratmeter und das Wohnzimmer zumindest 40 Quadratmeter haben, obwohl auch kleinere Räume ausreichen würden. Der Wunsch nach mehr Fläche gehört zu den größten Preistreibern am Bau.“ Der Salzburger Architekt Thomas Lechner von LP architektur versucht zunächst einmal die Vorstellung eines idealen Hauses aus den Bauherren in spe herauszukitzeln: "Welche Funktionen soll das Haus erfüllen, welche Materialien sollen zum Einsatz kommen, und wofür schlägt das Herz des Kunden, das sind die Fragen, die es zu beantworten gilt. Dabei stellt sich schnell heraus, wie realistisch die Bauherren an die Sache herangehen oder ob ihre Preisvorstellungen ein Wunsch ans Christkind sind.“

Was ein Einfamilienhaus nun günstig oder teuer macht, hängt von vielen Parametern ab und variiert von Auftraggeber zu Auftraggeber, weiß Planer Gernot Hertl: "Eine einfache, kompakte Hülle, vielleicht sogar aus vorgefertigten Teilen, ist budgetschonender als Türmchen und Erker. Auch die Oberflächen eines Gebäudes entscheiden über den Preis.“ Ein gestalterischer Kniff beim eingangs erwähnten Haus Weishäupl sind die großen Glasflächen. Die großen, aber wenigen Öffnungen wurden mit Bedacht gesetzt, sodass sie letztlich günstiger kamen als viele kleine Fenster. Auch der Effekt auf die Räume selbst kann sich sehen lassen, denn die Verknüpfung von Außen- und Innenraum lässt Zimmer größer und weiter wirken - was wiederum teure Zusatzquadratmeter spart.

Ein Trick, mit dem auch Robert Pfurtscheller vom Innsbrucker Architekturbüro Madritsch Pfurtscheller arbeitet. Für das von ihm geplante Haus Schwarzl in Matrei gab es von Bauherrenseite rigide Vorgaben: Maximal 1000 Euro pro Quadratmeter durfte der Bau kosten. An Erdbewegungen, Keller und aufwändige Konstruktion war nicht zu denken. Räumliche Großzügigkeit musste in dem 104 Quadratmeter großen Gebäude mit anderen Mitteln erzeugt werden, etwa mit Verglasungen. Die Glaselemente wurden in die äußerst kostengünstige Fassade aus witterungsbeständigen Spanholzplatten (OSB) eingepasst und öffnen den haushohen Wohnraum, der auch gleichzeitig als Ess- und Kochraum fungiert, nach Süden hin. Im Gegensatz dazu sind die beiden Schlafzimmer im Obergeschoß eher klein gehalten. Dass sie dennoch nicht beengt wirken, ist einem architektonischen Kunstgriff geschuldet. Denn obwohl die Zimmer nur über herkömmliche Fenster verfügen, wirken sie ebenso großzügig wie der Rest des Hauses. Der Trick dabei: Die Seitenwände bestehen nicht aus gemauerten oder Holzwänden, sondern sind voll verglast und werden auf diese Weise zusätzlich durch das Wohnzimmer erhellt.

Wer sparen muss, dem rät Robert Pfurtscheller zu Flexibilität beim Raumkonzept: "Jede Mauer, die hochgezogen werden muss, verursacht Kosten. Im Inneren des Hauses Schwarzl gibt es daher nur eine Wand. Zur Unterteilung werden Glas und Schränke genützt und auf diese Weise auch gleich Stauraum geschaffen. Die Bauherren finden erst oft im Zuge des Bewohnens heraus, wie es tatsächlich um ihr Raumbedürfnis bestellt ist. Stellt man zwei Jahre später noch ein paar Wände auf, hat sich auch das Konto bis dahin wieder erholt.“

Ohne solch kleinere Abstriche ist günstiges Bauen allerdings kaum machbar. Extrawürste sind oft nur dann drin, wenn sie schon von Anfang an in die Planung einkalkuliert wurden. Zu den größten Preistreibern am Bau gehören Garagen, die bis zu 40.000 Euro verschlingen können, oder Keller, die schnell einmal mit 45.000 Euro zu Buche schlagen. "Das sind allerdings keine Räume, in denen gelebt wird. Darum sollte man viel eher in den eigenen Komfort als in jenen des Autos investieren“, ist Planer Daniel Sauter überzeugt. Dennoch rät er im Gegensatz zu vielen Kollegen nicht vom Keller ab. Wird er nicht als Wohnfläche oder Hobbyraum, sondern nur als Lagerraum genützt, "darf er - so wie früher - durchaus auch kühl und feucht sein. Das reduziert die Kosten.“

Sauter, der als Vorarlberger Holz als Baumaterial bevorzugt, plädiert daher eher für Abstriche bei verwendeten Materialien. Dabei gilt: Regionale Materialien sind bis zu 90 Prozent günstiger als jene, die erst mühsam herbeigekarrt werden müssen. So kam bei dem von ihm geplanten Wohnhaus in Batschuns nur Lärchenholz zum Einsatz, ein Baumaterial, das bereits seit Generationen in der Bodensee-Region verwendet wird. Umso besser, als die Bauherren das Holz aus ihrem eigenen Wald schlagen lassen konnten, das dann im Sägewerk zu vorgefertigten Elementen gezimmert wurde.

Ein hoher Grad an Vorfertigung trägt ebenso zur Kostensenkung bei - vorausgesetzt, es wurde akribisch geplant. Denn im Fall des Holzhauses mit den riesigen Fensterfronten wurde bereits in der Entwurfsphase der Platz für jede Steckdose, jedes Waschbecken und aller anderen Elemente festgelegt. Wird das, wie sonst üblich, erst dann berücksichtigt, wenn der Rohbau steht, verlängert das die Bauzeit und treibt die Kosten in die Höhe. Im Falle des Batschunser Hauses blieben sie unter 1300 Euro pro Quadratmeter.

K(l)eine Extrawünsche

Ähnlich gering waren die Baukosten für das Haus Trattner-Scharfetter von LP architektur in Radstadt. Errichtet wurden gleich zwei Gebäude: eines zum Wohnen, das andere zum Wirtschaften und Lagern. Dennoch wurde ein Budget von 1400 Euro pro Quadratmeter von Architekt Thomas Lechner nicht überschritten. Und es konnte der Wunsch der Bauherren nach einem Niedrigenergiehaus umgesetzt werden, sodass der Heizwärmebedarf bei gerade einmal neun Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr liegt.

"Hier zu sparen und neue Technologien wegzulassen wäre nicht mehr zeitgemäߓ, erklärt Lechner. "Gibt es spezielle Wünsche, etwa nach einem bestimmten Material oder einer speziellen Küche, sollte man sich diese auch erfüllen.“ Schließlich soll das Traum-Architektenhaus ja auch Realität werden.

Rechenbeispiel

Je nach Bauaufgabe belaufen sich die Kosten für einen Architekten auf sieben bis zehn Prozent der Gesamtbaukosten. Das Minimalpaket beinhaltet lediglich einen Entwurfsplan, sinnvoll ist es aber, den Architekten auch Ausschreibungen abwickeln zu lassen, um auf diese Weise zu besseren Angeboten für die Handwerker zu kommen. Zusätzlich kann auch noch die Baustellenaufsicht übernommen werden. Das kostet zwar, rentiert sich aber allemal. Schließlich lassen sich die für gute Planung budgetierten Kosten leicht wieder hereinholen, und zwar durch günstigere Angebote, weniger benötigte Fläche, kürzere Bauzeiten und passende Baumaterialien. "Wir Architekten sparen uns auf diese Weise selbst ein“, sagt der steirische Planer Viktor Jung. Liegen die Baukosten für ein Einfamilienhaus also beispielsweise bei 200.000 Euro, macht das Planerhonorar 20.000 Euro aus.

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