Trotz Facebook-Flop bleiben IT-Aktien interessant

AMAZON

Dividendenrendite: –
Kurs-Gewinn-Verh.: 190
Marktkap.: 72,27 Mrd. USD

Mit Verlust verkauft Amazon das „elektronische Buch“ Kindle – eine Art Tablet-PC. Doch damit leitet der weltgrößte Internethändler seine Kunden in ein Archiv, das ähnlich wie iTunes von Apple funktioniert. Damit konnte sich Amazon neben dem klassischen Internethandel ein zweites lukratives Standbein sichern. Das Unternehmen verfolgt eine stramme Wachstumsstrategie, die allerdings auf Kosten der Gewinne geht. Im ersten Quartal 2012 legte der Umsatz um 34 Prozent auf 13,2 Milliarden Dollar zu, doch der Gewinn fiel auf 130 Millionen Dollar – das waren um 35 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Die Aktie ist mit einem KGV von 190 (Stand jeweils zu Kursen vom 18. Mai 2012, Consensusschätzungen) im Moment sehr teuer, Dividenden gibt es auch keine. Doch das Geschäftsmodell funktioniert gut.

APPLE

Dividendenrendite: 0,5%
Kurs-Gewinn-Verh.: 11,7
Marktkap.: 399,83 Mrd. USD

Als ein Amalgam aus Hardware- und Software-Anbieter verfügt Apple über eine Sonderstellung innerhalb der IT-Branche. Die Produkte sind im Vergleich zur Konkurrenz (etwa Intimfeind Samsung) zwar überteuert, Anwender schätzen aber die problemlose Handhabung und den sicheren Betrieb. Mit Apple TV wird die Produktpalette um ein interessantes Segment erweitert. Apple-User können auf ein Komplettangebot – von mobilen Diensten, Musik- und Filmangebot bis zum Cloud Computing – zurückgreifen. Impulse erwartet sich das Management nicht nur durch die Einführung von Apple TV, sondern auch aus dem für den Sommer erwarteten neuen Smartphone iPhone 5 sowie neuen Laptops mit Iris-Display, die ebenfalls in einigen Monaten auf den Markt kommen sollen. Die Aktie ist vor allem im Vergleich mit Facebook günstig bewertet.

eBAY

Dividendenrendite: –
Kurs-Gewinn-Verh.: 17
Marktkap.: 40,38 Mrd. USD

Mit seinem Bezahldienst paypal scheffelt der Internet-Marktplatz eBay Millionen. Das Geschäft läuft nach einem Durchhänger 2008/2009 wieder hervorragend. Dazu beigetragen haben zwei richtungsweisende strategische Entscheidungen des Managements: das Forcieren des unternehmenseigenen Bezahldienstes paypal und die Konzentration auf den Kernbereich. So wurde beispielsweise der Internet-Kommunikationsdienst Skype verkauft. Außerdem erweiterte eBay das klassische Intenet-Auktionsgeschäft um Fixpreisangebote. Ein logischer nächster Schritt wäre die Implementierung von paypal im Einzelhandel. Das erste Quartal brachte eBay ein Umsatzplus von 29 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar, der Gewinn stieg vor allem wegen der Erfolge von paypal um 17 Prozent auf 725 Millionen Dollar. Das Geschäftsmodell funktioniert sehr gut – eine interessante Aktie.

GOOGLE

Dividendenrendite: –
Kurs-Gewinn-Verh.: 14
Marktkap.: 127,41 Mrd. USD

Längst hat Google die engen Grenzen einer Suchmaschine gesprengt. In gewisser Weise ist das Unternehmen ein direkter Konkurrent von Apple. Beide Unternehmen sind im TV-Bereich aktiv und erwarten sich hier neue User. Beide Unternehmen bieten Cloud Computing („Google Drive“) an, beide Unternehmen setzen auf Wachstum in der mobilen Kommunikation. Google punktet außerdem mit der (von Datenschützern immer wieder heftig kritisierten) Landkarte Google Maps. Auf deren Basis startet derzeit im US-Bundesstaat Nevada sogar ein Versuch mit selbstfahrenden Autos. Der Quartalsumsatz kletterte von 6,54 Milliarden auf 8,14 Milliarden Dollar, der Gewinn legte von 1,8 Milliarden auf 2,89 Milliarden Dollar zu, das Geschäft läuft also gut. Für die Zukunft plant das Unternehmen, Dividenden auszuschütten. Auch diese Ankündigung macht die Aktie attraktiv.

MICROSOFT

Dividendenrendite: 2,6%
Kurs-Gewinn-Verh.: 11,1
Marktkap.: 197 Mrd. USD

Mangelnde Innovationsfreudigkeit wird dem Softwareriesen Microsoft bereits seit Jahren von Brancheninsidern vorgeworfen: Man kümmere sich ausschließlich um die Verbesserung des Betriebssystems Windows, heißt es da. Erst kürzlich reihte das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ Microsoft-Chef Steve Ballmer unter jene fünf US-Top-Manager, deren Jobs am meisten gefährdet seien. Doch der Riese Microsoft wacht auf. Die Spielekonsole Xbox läuft gut, in den nächsten Monaten kommt mit Windows 8 ein neues, mit mobilen Anwendungen kompatibles Betriebssystem auf den Markt, das der momentan eher trägen Kooperation mit Nokia zu etwas mehr Schwung verhelfen dürfte. Eine 300-Millionen-Spritze soll außerdem das E-Book- Geschäft der US-Buchhandelskette Barnes & Noble beflügeln. Und mit „Skydrive“ startete auch Microsoft in die Cloud-Computing-Ära.

Der mäßig erfolgreiche Facebook-Börsenstart hat auch andere Informationstechnologie-Unternehmen mitgezogen. Doch Aktien von Apple, Google, eBay oder Microsoft bleiben für Anleger langfristig interessant.

Bisweilen unterlaufen selbst renommierten Nachrichtenmagazinen seltsame Fehler. „901 Millionen gefällt das“, titelte der „Spiegel“ Anfang Mai. Die Coverstory, in Vorbereitung des Börsengangs des sozialen Netzwerks Facebook geschrieben, übernahm damit gleich auf Seite eins einen weit verbreiteten Irrtum: nämlich dass tatsächlich 900 Millionen Menschen weltweit via Computer und Facebook-Account miteinander verbunden sind. Eine Zahl, die auch den optimistischen Preis von 38 Dollar rechtfertigen soll, den Facebook-Altaktionäre, allen voran Gründer und Chef Mark Zuckerberg, für die im Rahmen des Börsengangs erfolgte Abgabe eines Teils ihrer Aktien verlangten.

Doch diese Zahl ist schlichtweg falsch. Tatsächlich dürfte Facebook um einige hundert Millionen weniger „echte“ Nutzer haben. Was bleibt, ist zwar immer noch eine respektable Zahl, aber ganz sicher wesentlich weniger als die dick aufgetragene Milliarde, die weltweit kursiert. „Zahlreiche User verfügen über mehrere Existenzen, zum Beispiel, wenn sie Internetgames spielen“, erklärt Leopold Salcher, Analyst bei Raiffeisen Capital Management. So genannte „Avatare“ – Doppel-, Dreifachoder auch Zehnfachexistenzen, die ganz einfach durch eine Anmeldung unter verschiedenen Namen und Mailadressen erzeugt werden können – helfen beispielsweise, bei beliebten Internetspielen Vorteile zu erlangen.

Avatare schaffen sich freilich oft auch User an, die auf elektronischen Freiersfüßen wandeln. Wär doch peinlich, wenn die Ehefrau entdecken würde, dass sich der Holde im Internet erstens als ledig und zweitens leicht verjüngt präsentiert. Auch Programmierer, die Angebote für die Facebook-Plattform schneidern, loggen sich unter verschiedenen Adressen ein.

Zweifel

Dass institutionelle ebenso wie Privatanleger leise Zweifel am Geschäftsmodell hegen, ließ sich gleich zum Börsenstart am hektischen Kursverlauf ablesen: Der Eröffnungskurs lag gleich einmal um zwölf Prozent über den ohnedies ehrgeizigen 38 Dollar, die das Papier bei der Zeichnung gekostet hatte, doch binnen einer halben Stunde stürzte der Kurs auf den Emissionspreis zurück, kletterte abermals um rund zehn Prozent und schloss bei einem mickrigen Plus von 0,61 Prozent. Das mäßige Abschneiden drückte auch bei anderen Aktien der IT-Branche – etwa Google und Microsoft – auf den Kurs. Läutet Facebook das Platzen einer Technologieblase ein, wie sie Anlegern 2001 Milliardenverluste beschert hatte? „Das glaube ich nicht. Die IT-Branche heute kann man nicht mit der Situation vor zehn Jahren vergleichen. Das ist ein entwickelter Wirtschaftszweig mit überwiegend solider Finanzierung und funktionierenden Geschäftsmodellen“, beruhigt Bernhard Ruttenstorfer, Manager des Espa-Stock-Techno-Fonds.

„Man muss bei den Technologieaktien allerdings differenzieren – und vor allem die Frage stellen: Gibt es nicht andere Unternehmen, die ebenfalls gute Geschäftsmodelle haben, aber günstiger bewertet sind?“, rät Moritz Rehmann, Fondsmanager des Gamax Funds Junior, eines Fonds, der in Unternehmen investiert, die vorwiegend jüngere Konsumenten ansprechen. Probleme sieht der Fondsmanager bei reinen Hardware-Unternehmen. „Auf welchem Gerät eine Benutzeroberfläche läuft, ist nicht so wichtig, die Geräte sind austauschbar“, so Rehmann.

Die Chiphersteller hingegen profitieren vom Trend zur mobilen Kommunikation: AMD, weil dieser Hersteller Bauteile für mobile Anwendungen liefert, und Intel, weil Intel-Chips in praktisch alle Server eingebaut werden. Und das Server-Geschäft brummt schon seit geraumer Zeit. „Pro 600 neue Smartphones oder 120 Tablet-PCs muss ein zusätzlicher Server ans Netz – das sichert das Geschäft von Intel“, weiß Rehmann.

Mobiler Wettstreit

Für Anleger interessant ist der Wettkampf der Mobilwelten. Einen Sonderstatus konnte sich Apple erarbeiten. „Apple ist Hardware mit Komplettlösung“, beschreibt Leopold Salcher, Technologieanalyst bei Raiffeisen Capital Management, das Geschäftsmodell. Die mobilen Geräte iPhone und iPad harmonieren perfekt mit den Laptop- und Desktop-Serien des Herstellers, der auf Exklusivität setzt: Wer sich für Apple entscheidet, kann kaum fremde Software nutzen. Doch Apple konnte sich als „Lifestyle“-Produkt positionieren und damit höhere Preise rechtfertigen. Die entgegengesetzte Strategie verfolgt Microsoft. Die Softwareschmiede, die mit Nokia die Landung im Mobilbereich versucht, ist für Programmierer offen, dementsprechend breit ist das Angebot. Als erfolgreichste Suchmaschine punkten kann Google, das über das Betriebssystem Android mit einem Fuß in der Mobilwelt steht.

Am absteigenden Ast befindet sich hingegen der Pionier der mobilen Kommunikation: Der BlackBerry des kanadischen Anbieters Research in Motion (RIM), einst Technologieführer bei Smartphones, kämpft gegen rückläufigen Absatz. Rund hingegen läuft das Geschäft mit e-Commerce, also Internethandel. Amazon als professioneller Anbieter und eBay als Plattform für Privatangebote, die aber auch von kommerziellen Shops verwendet wird, schaffen stetige Zuwachsraten. „Der Technologiesektor bietet auch abseits von Facebook eine Fülle interessanter Investmentchancen“, resümiert Fondsmanager Rehmann. Erfolg oder Misserfolg des Facebook-Börsengangs ändern daran seiner Meinung nach wenig.

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