Himmlische Angebote: IT-Dienstleistungen über das Internet als alternatives Modell

Der Nebel des Cloud-Hypes lichtet sich und gibt den Blick auf eine wachsende Zahl spannender Lösungen frei. Vom kompletten Arbeitsplatzrechner bis zur Dokumentenverwaltung. Wer will, bezieht seine Anwendungen und Programme aus der Wolke.

Dem Hype um die Cloud kann sich mittlerweile niemand mehr entziehen. Das ist spätestens seit der CeBIT, der weltgrößten IT-Messe, klar. Dort war die Wolke – IT-Dienstleistungen aus einem externen Rechenzentrum, auf die Kunden von außen bei Bedarf zugreifen können – das beherrschende Thema. So ziemlich jeder große Hersteller hat bereits einschlägige Angebote oder solche zumindest angekündigt. Bisher konnten die konkreten Lösungen mit der Lautstärke des Marktgeschreis aber bei weitem nicht Schritt halten. Aber das ändert sich nun zusehends. Immer mehr große, aber auch kleine, feine Cloud-Geschäftsideen treten ins Stadium ihrer Verwirklichung. Sogar mit SAPs Cloud-Lösung Business ByDesign soll es dieses Jahr endlich doch ernst werden.

Cloud-Computing auf den Punkt gebracht
„Das Zauberwort heißt Service“, erklärt Gartner-Analyst Milind Govekar. Die Technik tritt in den Hintergrund. Der Kunde kauft nicht Technologie, sondern nur noch ihren Nutzen.“ Dem Anwender stellt sich die Cloud als alter­natives Einkaufsmodell für IT-Dienstleistungen dar. Geliefert werden sie über das Internet, genutzt meistens über einen Browser. Von der komplexen Technik im Hintergrund kriegt der Kunde nichts mit. Oft weiß er nicht einmal, wo und von wem der Service erbracht wird. „Durch die Cloud wird sich grundlegend ändern, wie IT-Dienste betrieben und erbracht werden“, ist HP-Manager Wolfgang Egger überzeugt. „Bei großen Firmen ist der Trend bereits massiv. Bei allem, was von der Stange billiger zu haben ist und wo der Eigenbetrieb ­keinen Mehrwert bringt, kommt die Cloud ins Spiel.“ In drei Jahren werden 80 Prozent der Unternehmen solche Services beziehen, orakelt auch Gartner.

Pioniere der virtuellen Wolkenangebote
Neben Vorreitern wie Amazon oder Google haben mittlerweile auch Anbieter wie IBM, HP, Fujitsu oder T-Systems ihre Hausaufgaben gemacht. HP erweitert gerade seine Beratungsleistungen für Cloud Computing. Der HP Cloud Design Service hilft bei der Konzeption und Einführung. Egal ob als Service für Dritte oder im eigenen Unternehmen eingesetzt: Eine Cloud-Infrastruktur erhöht die technologische und geschäftliche Flexibilität einer Organisation. Peter Hanke, Country Manager von Citrix, spricht von einem zukunftsträchtigen IT-Modell: „So können Hardware und Programme ganz unkompliziert als Service bereitgestellt werden.“

Cloud-Megastores in Planung
Im Prinzip kann man so ziemlich alles zu einem Cloud-Service machen: von der simplen Rechen- oder Speicherkapazität über Betriebssysteme bis zum kompletten Geschäftsprozess. IBM bastelt bereits an zwei „Cloud Mega­centers“, einem in Europa und einem in den USA. Die ersten Angebote: ein komplett virtueller PC, der dem User über das Internet auf den Schirm gestreamt wird, sowie Speicherplatz. Auch Speicherriese EMC bietet unter der Marke Atmos Speicherprodukte aus der Wolke, und die EMC-Tochter Mozy steht für Online-Datensicherung. Ein weiteres Projekt: EMC hat mit Netzwerkanbieter Cisco und dem Virtualisierungsspezialisten VMware ein Joint Venture namens Acadia gegründet, das schlüsselfertige Cloud-Infra­strukturen entwickeln will. „Die Lösungen lassen sich nahtlos in ein strenges Sicherheitsmanagement nach dem ISO-Standard 27001 einfügen“, betont Franz Kasparec, Senior Manager bei EMC.

Schwachstelle Datenspeicherung
Sicherheitsbedenken sind die größte Hürde für potenzielle Cloud-Kunden, er­gab eine aktuelle HP-Umfrage. „Die Knackpunkte sind Datensicherheit und Quality of Service“, weiß Damianos Soumelidis, Country Manager S&T Austria. „Den Unternehmen ist eben nicht egal, wo ihre Daten liegen. Operativ beziehungsweise legislativ unsiche­re Länder werden Kunden verlieren.“ Microsoft ist in Sachen Cloud zwar ein Spätzünder, aber 2010 wollen die Redmonder durchstarten. Herzstück der Strategie ist die Webservice-Plattform Windows Azure. „Wir machen damit hochwertige, flexibel erweiterbare Infrastrukturen auch für kleine Unternehmen günstig zugänglich“, sagt Harald Leitenmüller, Chief Technology Officer von Microsoft Österreich. Derzeit noch parallel laufen die ­Microsoft Online Services. Die können als Einzeldienste oder im Paket bezogen werden. Das beinhaltet Outlook, Word und ande­re Büroanwendungen sowie Team­arbeits- und Kommunikationstools (Sharepoint, MOCS). Leitenberger: „Immer mehr Großbetriebe erkennen, dass Exchange online billiger ist, als die E-Mail-Plattform im eigenen Haus zu betreiben.“

SAP wird um 20 Prozent billiger
Die positiven Kos­teneffekte von flexiblen IT-Dienstleistungen werden freilich nur dann schlagend, wenn dem Ganzen auch ein dynami­sches Preismodell zugrunde liegt. Das „Dynamic Services“-Modell von T-Systems hat eine nutzungsabhängige Preiskomponente. Der Wienerberger-Konzern bezieht auf Basis dieses Modells seine SAP-Anwendungen. „Wir sparen 20 Prozent der Kosten“, sagt Gernot Zeman, Leiter der IT-Infrastruktur bei Wienerberger. „Zudem erzielt ein spezialisierter Dienstleister Skaleneffekte, die im Eigenbetrieb unerreichbar sind.“ Bei T-Systems plant man schon eine Erweiterung der Cloud-Infrastruktur, erzählt Georg Obermeier, der Österreich-Geschäftsführer: „Die Vision ist eine globale Zusammenführung der Rechenzentrumskapazitäten über alle Standorte. So werden wir in der Lage sein, Dienste auf Zuruf anzubieten – wo gerade Ressourcen frei sind.“

Innovative österreichische Anbieter
Innovative Cloud-Lösungen bietet etwa Fabasoft, ein E-Government-Spezialist von Weltrang. Das Unternehmen hat eine Dokumentenmanagement- und Teamwork-Anwendung entwickelt. „Wir arbeiten auf Basis von Folio Cloud schon erfolgreich mit Kunden, aber auch mit unserer eigenen Werbeagentur und unserer Rechtsanwaltskanzlei zusammen“, erzählt Fabasoft-Vorstand Helmut Fallmann. Das zeugt von Vertrauen in die Sicherheit der eigenen Lösung und wird womöglich auch den einen oder anderen Zweifler unter den Kunden überzeugen.

Alexander Hackl

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