Der Online Knigge

Der Online Knigge

Was zu beachten ist, damit der Social-Media-Auftritt für User und Unternehmen nicht zum digitalen Debakel wird.

Ihr Arbeitstag war lang und anstrengend, und der Chef hat wieder mal total genervt. Nach ein, zwei Gläschen Wein und dem Notebook auf dem Schoß lassen Sie Ihrem Frust auf Facebook freien Lauf: Der Chef ist ein Trottel und sicher ein Versager im Bett.

Am nächsten Morgen gibt’s im Büro freundliches Augenzwinkern der Kollegenschaft. Danach kommt ein erboster Anruf aus der Chefetage. Es wäre nicht das erste Mal, dass so eine Karriere endet.

Unbedachte Postings auf Social Networks können schnell nach hinten losgehen. Der Segen der virtuell vernetzten Freundschaften wird schnell zum Fluch, wenn sich Ihr Facebook-Eintrag rasant weit über die Grenzen Ihres Freundeskreises verbreitet. Und dies ist nur eine der zahlreichen Fallen, die in sozialen Netzwerken lauern und gnadenlos zuschnappen. Schimpfen über den Boss und Kollegen, Beleidigungen, verfängliche Fotos, Zumüllen seiner Freunde mit "lustigen“ Internetlinks, Dutzende belanglose Status-Updates pro Tag, Postings zu Körperfunktionen, Amok-Posten im Alkoholrausch - bevor man noch verstanden hat, wie Plattformen funktionieren, ist der Job schon weg und der Ruf ruiniert.

Netz ist nicht Netz

Social Networks unterscheiden sich stark in ihrer Ausrichtung, dem gängigen Umgangston und den technischen Möglichkeiten. Klassisches Netzwerken im beruflichen Sinn macht man auf Xing und LinkedIn. Facebook und Google Plus setzen ihren Fokus hingegen auf ein legeres Miteinander und unterhaltsamen Informationsaustausch. YouTube stellt die sozial vernetzte Alternative zu althergebrachtem Fernsehen dar. Twitter folgt ohnehin seinen eigenen Gesetzen und stellt Neueinsteigern daher auch die größten Hürden entgegen. Nicht nur als Social-Media-Novize tappt man da schnell von einem Fettnäpfchen ins nächste. Also was tun?

Eine strikte Trennung zwischen Privatem und Beruflichem ist oberste Maxime, da ist sich die gesamte Fachliteratur, die zu diesem Thema erschienen ist, einig. In der Praxis lässt sich das blöderweise oft nur schwer umsetzen. Was zum Beispiel ist zu tun, wenn eine Freundesanfrage vom Chef in der Inbox eintrudelt? Wie verhält man sich, wenn ein Kollege unvorteilhafte Bilder der letzten Firmenfeier online stellt? Und wie reagiert man am besten auf unachtsam ausgeplauderte Firmeninterna auf Facebook und Co?

Der erste Schritt für alle, die auf Social Networks aktiv sein möchten, muss es sein, sich mit den Funktionen der jeweiligen Plattform ausführlich vertraut zu machen. So können beispielsweise auf Facebook, und noch einfacher auf Google Plus, einzelne Personen unterschiedlichen Freundeskreisen zugeordnet werden. Bilder vom Badeurlaub lassen sich so beispielsweise nur mit den engsten Vertrauten online teilen, ein interessanter Link nur an eine Arbeitsgruppe in der Firma schicken, und ein frivoles Video-Fundstück aus den Niederungen des Internets findet auch die passende Zielgruppe - und nur diese.

Wichtig kann auch die "Report“-Funktion der Social Networks werden, wenn unerwünschtes Bild-, Video- oder Textmaterial entfernt werden soll. Kann nämlich mit dem Urheber kein direkter Kontakt hergestellt werden, sind diese Funktionen meist der einzige Weg, kompromittierende Postings aus der Online-Community zu löschen. Übrigens: Eigene Postings kann man in so gut wie allen Netzwerken jederzeit wieder löschen - eine Möglichkeit, die offenbar nach wie vor noch nicht allen Facebook-Usern bekannt sein dürfte.

Klare Ziele

Was im realen Leben schon ein guter Rat ist, gilt für soziale Netzwerke noch mehr: Wie viel will man von sich preisgeben? Und vor allem: Auf welche Weise soll das geschehen?

"Nicht jede Meinung gehört ins Internet, genau genommen die wenigsten“, weiß der Experte für Web-Benehmen, Thor Alexander . Beleidigende Formulierungen und rassistische Äußerungen, auch wenn scherzhaft ausgesprochen, bekommen auf Facebook schnell eine bösartige Eigendynamik und können sogar den Straftatbestand der üblen Nachrede erfüllen.

Noch ein weiterer juristischer Fallstrick wartet in sozialen Netzwerken: das Urheberrecht. Wer unerlaubt fremde Inhalte einem breiten Publikum zugänglich macht, verstößt nämlich genau genommen gegen geltende Copyright-Bestimmungen. Beim Teilen fremder Inhalte im Internet, vor allem auf der Foto-Sharing-Seite Pinterest, ist daher absolute Vorsicht geboten. Das Argument, dass es sich bei sozialen Plattformen um den eigenen Freundeskreis handelt, ist für Juristen wie Stefan Korn nur bedingt gültig. "Spätestens wenn ein Posting nicht nur Freunden, sondern auch Freundesfreunden zugänglich gemacht wird, kann man nicht mehr von einem abgeschlossenen Benutzerkreis sprechen“, warnt der Jurist.

Wer die rechtsrelevanten Untiefen erfolgreich umschifft hat, kann sich ganz der kreativen Gestaltung seiner Profilseite widmen. Hier ist die zentrale Frage: Was verspreche ich mir von meiner Social-Media-Präsenz? Je nachdem, ob man seine Facebook-Seite nur für den unterhaltsamen Austausch mit Freunden verwenden will oder sich beruflich und fachlich präsentieren möchte, bedarf es unterschiedlicher Herangehensweisen: Wer sein soziales Netzwerk, sei es Facebook oder Google+, primär zur lockeren Kommunikation mit engen Bekannten verwendet, kann deutlich tiefere Einblicke ins Privatleben gewähren, als User, die auch den Karrierefaktor dieser Seiten im Blick haben.

Deep Impact

Wer seinen Beiträgen und Kommentaren möglichst viel Publikum verschaffen will - und darum geht es ja schlussendlich auch -, muss die Schwankungen in der Posting-Dynamik für sich nutzen. Gut, dass Marktforscher dies ausgiebig analysiert haben. Besonders oft klicken User den "Gefällt mir“-Button unter einem Beitrag an, wenn dieser zwischen 18 und 20 Uhr erstellt wurde. Wer seine Beiträge lieber durch "Teilen“ an weitere User weitergegeben haben möchte, sollte seine Postings bereits zwei Stunden früher online stellen, um die maximale Anzahl an "Shares“ zu erzielen. Der Wochentag spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Besonders aktiv gelesen und kommentiert werden Beiträge am Wochenende. Postings am Donnerstag haben die schlechtesten Chancen auf Leser-Interaktion.

Doch damit nicht genug: Wer in seinen Beiträgen besonders häufig die Worte "ich“ und "mein“ verwendet, hat bis zu viermal bessere Chancen, von Lesern einen Klick auf "Like“ zu ernten. Die Textlänge eines Beitrags hat wiederum Auswirkungen darauf, wie User damit umgehen: Kurze Texte führen zu mehr "Gefällt mir“-Klicks, lange Texte werden häufiger mit Freunden geteilt.

Wer auf möglichst viele Kommentare zu seinen Postings aus ist, sollte diese positiv oder negativ gestalten. Heißt im Klartext: Wer provoziert und polarisiert, kommt auf Social Networks schneller ins Gespräch.

Bewusster Regelverstoß

Social-Media-Größen, seien es internationale wie Lady Gaga oder österreichische wie Armin Wolf, halten sich auf den ersten Blick nicht an viele der hier aufgestellten Regeln. Der Weg außerhalb gesicherter Verhaltensgrundsätze kann jedoch schnell zu Fehltritten führen und ist nur etwas für Promis mit viel Mediengespür. Ein gutes Beispiel dafür sind die - ideologisch nicht allzu weit voneinander entfernten - Politiker Stefan Petzner und Heinz-Christian Strache . Beide gehen auch im Social Web ähnliche Wege und mischen Politik und Privates munter durcheinander. Das Resultat ist recht unterschiedlich: Während sich Strache mithilfe eines Teams aus Medienberatern als ernst zu nehmender Politiker mit menschlicher Seite präsentiert, rauscht Petzner ungebremst allein durchs Netz: Viele seiner Postings könnten genauso gut aus dem Smartphone eines Reality-TV-Stars stammen.

Starthilfe Twitter

Im Gegensatz zu Facebook und Google Plus verträgt der Kurznachrichtendienst Twitter eine informellere, lässigere Selbstinszenierung. Zuerst muss allerdings der dort verwendete Fachjargon erlernt werden. Hinter #FF verbirgt sich beispielsweise der Follow Friday, bei dem Twitter-User auf andere Mitglieder verlinken und die Community zum "Folgen“ animieren. Lässt man sich auf das Micro-Blogging-Abenteuer Twitter ein, ist damit ein durchaus beträchtlicher Zeitaufwand verbunden. Reichen auf Facebook oder Google Plus locker zwei bis drei Einträge pro Woche aus, um ein lebendiges Profil zu suggerieren, ist bei Twitter tägliche Aktivität gefordert. Ideal sind zwei bis fünf Tweets pro Tag, die zwischen 8 und 20 Uhr losgeschickt werden. Twitter ist ein Arbeitstagsmedium, daher kann man sich getrost das Wochenende frei nehmen. Was man mit der so gewonnenen Zeit macht? Am besten den Facebook-Status ändern.

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