Das Tablet als Business-Werkzeug

Manchen Menschen kann man schwer etwas abschlagen. Wenn der Vorstand mit dem nagelneuen iPad zum IT-Chef kommt und damit Einlass ins Firmennetz begehrt, wird sich Letzterer den Satz "Geht nicht, das ist gegen unsere Sicherheitspolitik“ in der Regel verkneifen. Dann dauert es nicht lange, bis die Nächsten mit ihren Geräten daherkommen, und schließlich brechen alle Dämme.

"Bring Your Own Device“ (BYOD) heißt der neue Business-Trend, der IT-Verantwortliche derzeit ins Schwitzen bringt und alle Bemühungen zur Konsolidierung und Standardisierung der Endgerätelandschaft zu torpedieren droht. Verschärfend kommt hinzu, dass die neuen "Smart Devices“ für den Konsumentenmarkt konzipiert sind und das Thema Sicherheit in ihrem Grunddesign bestenfalls eine untergeordnete Rolle spielt. "Konsumentisierung der IT“ nennt das der IT-Strategieberater Gartner - soll heißen, die Konsumenten bestimmen die Richtung des technologischen Fortschritts. Denn die Entwicklungskosten sind mittlerweile so hoch, dass die Hersteller sie nur mehr über den Massenmarkt wieder hereinspielen können. Über die Privatnutzung diffundiert die neue Technik dann langsam ins Business.

Tablets sind dafür das beste Beispiel. Sich diesem Trend zu verweigern ist laut Gartner keine Option für IT-Chefs. Sie sollten sich sogar darauf vorbereiten, mehrere Mobilplattformen gleichzeitig zu unterstützen (Apple, Android, BlackBerry, Microsoft). Die Entwicklung hin zu einem flexiblen, mobilen Arbeitsstil lässt die Grenzen zwischen Geschäft und Privat zunehmend verschwimmen, wodurch neue Ansprüche und mit ihnen immer mehr neue Geräte Einzug in die Firma halten.

"In einer immer schnelllebigeren Welt, in der sich alles zum Medialen hin entwickelt, werden Tablets aufgrund ihrer einfachen Bedienbarkeit ein wesentliches Werkzeug sein“, konstatiert Nikolaus Kimla, CEO des Systemhauses Uptime. Die Wiener machen international mit der Vertriebssoftware Pipeliner Furore und bieten ihren Kunden auch eine Oberfläche für iPads, iPhones und Android an.

iPad statt Laptop

Neben kaufmännischen Anwendungen für Management und Finanzwesen sind Vertriebsprogramme am Firmentablet besonders beliebt. Auch Österreichs Aushängeschild in Sachen Kundensoftware, die Softwareschmiede Update, bringt dieser Tage eine iPad-App für den mobilen Zugriff auf die Kundendatenbank heraus. Update-Chef Thomas Deutschmann ist überzeugt, dass für den schnellen Informationszugriff von unterwegs das Tablet den Laptop ersetzen wird. "Gerade für Knowledge Worker, die Informationen sehr oft nur passiv konsumieren, ist ein Tablet ideal. Die Funktionalität unserer App zielt darauf ab, die Stärken des iPads voll auszuschöpfen.“

Apples iPad ist der unumstrittene Platzhirsch am Tablet-Markt. Das Problem für die IT-Chefs: Die Kultmarke bietet traditionell keinen Firmensupport. Im März hat Kapsch eine strategische Partnerschaft mit Apple bekannt gegeben. Dazu Jochen Borenich, Vorstand von Kapsch BusinessCom: "Wir sind jetzt einer von ganz wenigen Servicepartnern, die alle Apple-Geräte nahtlos in die Firmen-IT einbinden können.“ Auch iPads und iPhones können über eine zentrale Managementkonsole professionell administriert werden. Eine saubere Trennung zwischen privater und geschäftlicher Nutzung sei technisch ebenfalls machbar, so Borenich. Wird ein Gerät verloren, kann man alle Daten auf Knopfdruck löschen.

Ein Vorreiter in Sachen mobiles Business ist SAP. Die Deutschen haben ihre Business-Software zuletzt generell für den Zugriff von allen Endgeräten aus konzeptioniert und setzen auch im eigenen Vertrieb nicht weniger als 3.000 iPads ein. Anwendungen und Sicherheitseinstellungen werden automatisch von zentraler Stelle auf die Geräte übertragen. Darüber hinaus können sich die Mitarbeiter in einem SAP-internen App Store mit zusätzlichen Apps versorgen.

Der finnische Dienstleister Tieto hat sogar sämtliche Mitarbeiter mit iPads ausgestattet. "Mobile Lösungen machen Prozesse effizienter und erhöhen die Sichtbarkeit des Unternehmens“, glaubt Thomas Hohenauer, Österreich-Chef von Tieto, der den Tablet gerne für Präsentationen bei Kunden einsetzt.

Strategie gegen Wildwuchs

Um einen Wildwuchs an Endgeräten und Apps zu vermeiden, rät Hohenauer Firmen, eine Mobilitätsstrategie zu entwickeln. "Wir machen Innovationsworkshops mit unseren Kunden, um herauszufinden, wo mobile Lösungen einen Mehrwert bringen können. Wichtig ist nicht, bestehende Prozesse zu vergewaltigen, sondern sie für den mobilen Arbeitsstil neu zu designen.“

Die absolute Vorherrschaft von Apple am Tablet-Markt wird sich laut Gartner in den nächsten Jahren etwas relativieren. Dann werden Android, BlackBerry und nicht zuletzt Microsoft mit der für Touchpads optimierten "Metro“-Oberfläche von Windows 8 auch eine größere Rolle spielen.

Letztendlich könnte aber die Wahl des Endgeräts bald kein Kriterium mehr sein. Hohenauer sieht die Zukunft des mobilen Arbeitens in virtuellen Desktop-Umgebungen, die den Anwendern auf allen ihren Endgeräten - also auch auf jedem Tablet - dieselbe Arbeitsoberfläche bieten. Betriebssystem und Apps laufen auf zentralen Servern, das Endgerät dient nur als Display.

Fazit der Experten: IT-Chefs können sich dem Tablet-Boom auf Dauer nicht verschließen, sondern sollten lieber eine Strategie entwickeln, wie man die Vorteile der neuen Geräte nutzt und sie produktiv in die Geschäftsprozesse integriert. Wer den Firmeneinsatz verbietet oder zu rigoros reglementiert, riskiert erst recht Sicherheitslecks, weil die Tablets dann an der IT vorbei in die Firma geschmuggelt werden.

- Alexander Hackl

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