Wie „Whistleblowing“ Firmen stärken kann

Wie „Whistleblowing“ Firmen stärken kann

"Whistleblowing“, das organisierte Melden von Missständen und Verfehlungen in Unternehmen, kommt in Mode: als Waffe gegen Korruption.

Viel hat Österreich ja nicht mit Sizilien gemeinsam, eines aber schon. "Verpfeifen“ ist da wie dort nicht besonders hoch angesehen. Während es bei der Mafia angesichts der drohenden persönlichen Konsequenzen noch Verständnis für das Gesetz des Schweigens geben kann, verwundert das bei heimischen Großkonzernen doch ein wenig. Elke Napokoj, Rechtsanwältin und Compliance-Expertin der Wiener Anwaltskanzlei bpv Hügel: "In Österreich verwechselt man Whistleblowing noch immer mit, Vernadern‘. Dabei sind vernünftig in das Compliance-Management eines Unternehmens eingebettete Informationshotlines ein wirksamer Schutz gegen Betrug und Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter.“

Meist werden Unternehmen erst aus entstandenem Schaden klug. So hat der Siemens-Konzern weltweit, also auch in Österreich, nach den Korruptionsfällen 2006 eine straffe Compliance-Organisation aufgebaut, die sich auch einer Whistleblowing-Hotline bedient. Walter Sölle, Cluster Compliance Officer für CEE, Russland und Zentralasien: "Wir haben bei Siemens ein weltweites Informationssystem eingerichtet, über das jeder Mitarbeiter beobachtete Fehlleistungen oder Rechtsbrüche einmelden kann, auf Wunsch auch anonym. Die Meldungen werden direkt von der Compliance-Organisation behandelt und bei schwerwiegenden Vergehen rasch mit dem entsprechenden Vorstand unter Einbeziehung der Rechts- und Personalabteilung geklärt.“

Kronzeugenregelung

Das Mutterland des Whistleblowings sind die USA, wo derartige Informationssysteme seit Jahrzehnten zur fixen Ausstattung der internen Unternehmenskommunikation gehören. Napokoj: "In den USA sind inzwischen auch Lieferanten und Kunden Teil des Whistleblowings.“ Das hat auch viel mit der Kronzeugenregelung zu tun. Vor allem bei meist ausgesprochen teuren Kartellrechtsverstößen ist es wichtig für ein Unternehmen, als Erster auf einen Rechtsbruch hinzuweisen, um sich möglichst straffrei aus der Affäre zu ziehen.

Inzwischen hat sich auch in Österreich herumgesprochen, dass "Augen zu und durch“ bei firmeninternen Verfehlungen nicht immer die beste Strategie ist, weil Unwissenheit auch hierzulande Vorstände und Aufsichtsräte nicht vor drohenden Kartellstrafen schützt. Denn bei möglichen Strafverfahren gilt das Prinzip eines Windhunderennens. Das erste Unternehmen, das auch mit der Vorlage entsprechender Beweismittel und Zeugenaussagen bei der Strafverfolgungsbehörde die Kronzeugenregelung ergattert, kommt ohne zusätzliche Strafen davon. Das zweite muss mit einer Erhöhung des Strafmaßes von bis zu 30 Prozent rechnen, das dritte Unternehmen immerhin noch mit bis zu 50 Prozent.

Auch im Straf- und Handelsrecht können sich Geschäftsführung und Aufsichtsräte nicht hinter Nichtwissen verschanzen. Klare Regeln und einheitliche, für jeden Mitarbeiter nachvollziehbare Standards bei der Geschäftsgebarung sind daher für jedes heimische Top-Unternehmen zur wesentlichen Basis der Firmenkultur geworden. Das hat in den letzten Jahren zu einem zügigen Ausbau von Compliance-Organisationen in den größten Firmen Österreichs geführt.

Seit über einem Jahr hat etwa auch die Telekom Austria Gruppe, Österreichs größter Kommunikationskonzern, einen eigenen Compliance-Bereich, welcher direkt dem Vorstand untersteht. Aktuell wird das bestehende Whistleblowing-System weiterentwickelt, um Anonymität bei Hinweisen garantieren zu können. Martin Walter, Group Compliance Officer der Telekom Austria Gruppe: "Bereits jetzt haben wir mit, Tell me‘ ein firmeninternes Mailbox-System eingeführt, über welches Mitarbeiter Fehlverhalten und Rechtsverstöße direkt an die Compliance-Organisation und die interne Revision melden können.“ Angst, dass dieses System zu Mobbingzwecken missbraucht werden könnte, hat Walter nicht: "Wir werden den Mitarbeitern gegenüber klar kommunizieren, dass ein Missbrauch dieses Systems, etwa für Mobbing oder durch bewusste Falschmeldungen, als Fehlverhalten betrachtet und als solches behandelt wird.“

Whistleblowing-Software

Da die Bedeutung von Whistleblowing ständig steigt, hat die Wiener Softwareschmiede Personal & Informatik ihr Personalberatungsprogramm um ein Whistleblowing-Tool erweitert. Sales-Manager Martin Pitzl: "Wir haben die Software entsprechend erweitert und bieten unseren Kunden ein elektronisches Kommunikationssystem, bei dem der Informant anonym bleibt, aber über Einmal-Codes für die Compliance-Mitarbeiter kontaktierbar ist. Das ist wichtig, da es sich ja oft um sehr komplexe Sachverhalte handelt.“

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